Wie viel darf ein Taxiunternehmer mit Fahrern verdienen?

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IK
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Wie viel darf ein Taxiunternehmer mit Fahrern verdienen?

Beitrag von IK » 30.09.2012, 21:53

Hallo Kollegen

Für dieses Thema wurde ich von reasoner inspiriert. Ausschlaggebend war die folgende an mich gerichtete Frage:
Ich finde die Frage gut insbesondere deswegen, weil man hier einem Unternehmer gar kein Gewinn gönnt und manch einer eine klare Vorstellung hat, wo die Schmerzgrenze liegt. Bei reasoner ist sie bei 300 € pro Wagen.

Was ist ein angemessener Lohn für einen Fahrer?
Wenn ich ein angestellter Taxifahrer bei einem Hansa-Unternehmer wäre, dürfte ich 208 Stunden im Monat ganz legal arbeiten. Ich war immer Spitzenfahrer bei meinem alten AG. SSF kann es man nachfragen. Als Spitzenfahrer hätte ich keine Probleme einen Umsatz von 25 € im Schnitt im Jahresverlauf zu halten.

Dieses bedeutet, dass ich einen Umsatz von 5000 € fahren würde. Ich hätte einen Lohn bei 44 % vom Netto von 2.055 €. Vor Steuern hätte ich 1.630 €. Dazu hätte ich 500 € Trinkgeld. Macht:

2.130 € Netto.

Was ist ein angemessener Lohn für einen Unternehmer?

In meinem Fall 2.130 Netto + X, wobei das X gerne im hohen dreistelligen Bereich liegen darf.

Wenn ich ein Taxibetrieb mit drei Autos und neun Fahrern betreibe und selber mit meiner Arbeitsleitung bei mindestens 208 Stunden im Monat liege, dann möchte ich mindestens die gleich Summe verdienen. Und weil ich ohne Aussicht auf einen Gewinn kein Risiko eingehe, erwarte ich, dass ich als Unternehmer mehr verdienen kann, als ein Fahrer bei mir bei gleicher Stundenzahl verdient.

Denn, würde ich diese Summe als Unternehmer, nicht verdienen, hätte es keinen Sinn für mich ein Unternehmer zu sein. Dabei ist unerheblich, wie sich meine Arbeit zusammensetzt. Wichtig ist, dass ich mehr Stunden leiste, als das meine Fahrer tun.

Das ist ganz simple Logik. Das heißt dann für mich, dass ich bei meinen drei Autos erheblich mehr als 300 € sehen will und zwar Netto. Alles andere ist dumm. Wer das nicht begreift, der soll den Beitrag noch mal lesen.

Und noch ein Nachtrag für die ganz simplen Geister hier:
Ich fahre selber auch. Aber eben nicht 208 Stunden im Monat, denn dann wäre ich kein Unternehmer sondern ein selbständiger Taxifahrer.

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reasoner
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Beitrag von reasoner » 30.09.2012, 22:40

Erst einmal sortieren. Ich kalkulierte (völlig willkürlich) 300 € Gewinn pro Fahrzeug, nicht pro Unternehmer.
Übertreibungen brauchen wir nicht, wer am Tollsten ist, will auch kaum einer wissen. Insofern kann ein "normales" (Mindestlohn)-Einkommen eines Taxifahrers zum Vergleich herangezogen werden, meinetwegen 1.500 € brutto.

Jetzt zu meinen Einschätzungen.
Ein Unternehmer kann bis zu einer Betriebsgröße von etwa 10 Fahrzeugen selbst mitfahren. Bei 10 Taxis nur mal ein paar Schichten, bei 2 Taxis (fast) volle Pulle. Insofern stimme ich Ivica zu, dass der Unternehmer seinen Betrieb zu führen hat, je nach Anforderungen.
Ich gestehe also Ivica zu, dass ihm seine 3 Fahrzeuge 900 € Reingewinn bringen. Wenn Ivica jetzt selbst noch 150(?) Stunden im Monat Taxi fährt -die Betriebskosten sind weitestgehend bereits von den Fahrern gedeckt- kommen demnach mit Trinkgeld rund 3.000 € hinzu, nach seinen eigenen Angaben eher mehr. Davon ab gehen Sprit und Reifenabrieb ...

Ivica versteuert also ein monatliches Bruttoeinkommen von ca. 4.000 € (nach meiner Kalkulation!).
Ist dir das zu wenig?

Noch Eines. Selbstverständlich gebuehrt einem Unternehmer auch ein höheres Einkommen. Das ergibt sich aus dem früher gerne so genannten Unternehmerwagnis.
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IK
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Beitrag von IK » 30.09.2012, 23:24

@ reasoner

Eine Sache vorweg:
Leider hatte ich in den letzten Jahren keine 48.000 zu versteuern :cry:
Aber ich sagte in einem Posting ich beklage mich nicht. Das habe ich auch früher nicht getan, als ich ein Fahrer war.

Zweite Sache vorweg:
Ich habe es schon verstanden, dass du von 300 € pro Wagen rechnest. Meine Antwort ist leider missverständlich ausgefallen.

Dritte Sache vorweg:
Ein Taxi ist nicht gleich ein Taxi.
Es macht einen Unterschied, ob man drei Autos hat und zwei Fahrer oder
drei Autos welche die ganze Zeit unterwegs sind, aber mit 9 Fahrern.

Und nun zur Sache:
Ich bin der Meinung, dass jemand, der 9 Fahrer und drei auf Hochtouren laufende Fahrzeuge hat:

a. im Monat 150 Stunden nicht fahren kann
b. und wenn er es tut, seinem Unternehmen einen Schaden zufügt.

Eine gute Betreuung eines Betriebes hat viele wichtige Aspekte. Ich erwähne nur ein Paar:

1. Schulung der neuen Fahrer (fast 30 Stunden in einem Monat)
2. Buchhaltung 10 Stunden
3. Abrechnungen und die Autos 20 Stunden
4. Personalbetreuung in welchem Sinne auch immer
5. Verwaltung ...
6. Gewerbearbeit
7.

Dazu kommt, dass man immer in Bereitschaft ist. Auch im Urlaub.
Manch einer sagt hier, Bereitschaft ist auch Arbeit.
Gilt das auch für einen Unternehmer? :wink:

Mann kommt schnell auf einen Sockel von 100 Stunden.
Wenn ich 150 Stunden fahren würde, hätte ich einen Sockel von über 250 Stunden im Monat.
Dazu die Bereitschaft.
Das würde ich nicht schaffen.
Also fahre ich weniger.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Unternehmer und einem Fahrparkverwalter.

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Beitrag von N8tfahrer » 30.09.2012, 23:38

.....nicht zu vergessen die 7 Stunden/Monat Forumsgetikker.........
oder zählen die zur Gewerbearbeit :?:
Sind sie das Taxi ? ............NEIN, Der Fahrer !
Das müssen sie doch wissen, sie sind doch der Taxifahrer !

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Beitrag von IK » 01.10.2012, 00:10

N8tfahrer hat geschrieben:.....nicht zu vergessen die 7 Stunden/Monat Forumsgetikker.........
oder zählen die zur Gewerbearbeit :?:
Sagt einer, welcher 2 Stunden pro Schicht Pause macht 8)

GZ zum T-Modell

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CPL5938
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Beitrag von CPL5938 » 01.10.2012, 00:20

@N8fahrer
Warum denn nicht? Für viele Selbständige ist das Tummeln bei Xing, Facebook oder in branchenspezifischen Foren ein ganz wichtiger Teil ihrer Arbeit. "Netzwerken" nennen die das dann superwichtig. Informationen aus der Branche, Kontakte, Neuigkeiten und schließlich auch Diskussionen über branchenspezifische Themen sind nicht unwichtige Tätigkeiten - warum nicht auch für einen Taxi-Unternehmer?

PS: Q.E.D.

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scarda
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Beitrag von scarda » 01.10.2012, 02:04

Ivica Krijan hat geschrieben:...

Und nun zur Sache:
Ich bin der Meinung, dass jemand, der 9 Fahrer und drei auf Hochtouren laufende Fahrzeuge hat:

...

Dazu kommt, dass man immer in Bereitschaft ist. Auch im Urlaub.
Manch einer sagt hier, Bereitschaft ist auch Arbeit.
Gilt das auch für einen Unternehmer? :wink:

...
Natürlich kommt irgenwann die Grenze, wo dein Job ein anderer als der des Mitarbeitenden ist.

Aber wieso schaffen deine Autos keine 48.000? Schulungsprogramm mal ändern? Oder steuerehrlich werden?

Selbstständig = selbst, ständig. War schon immer so. Gibt's nichts zu jammern. Dafür darfst Du dann ja auch nach belieben abschöpfen.

Willst Du hier von hinten herum erklären, warum Du deinem Fahrpersonal auf keinen Fall einen Mindestlohn bezahlen kannst?

Toller Trick. Unternehmergejammer zieht nicht. Da brauchst Du auch keine Zahlen zu bemühen.

Deine Fahrer wissen doch selbst was sie auf die Uhr bringen.

Oder zahlst Du unter der Hand soviel, dass Du sie alle im Sack hast?

Witziger Versuch! Kaum erhebt sich das Gefolge gegen die Landlords, geht das Gejammer los...
DEREGULIERUNG IST AUCH NUR REGULIERUNG. ZIELFÜHRENDE VORSCHLÄGE? NEIN? ACH SO!
Taxi_2017 ist gut, innovativ, technisch top, hat beste Fahrzeuge zu vernünftigen, regulierten Preisen
http://www.yumpu.com/de/document/view/2 ... toi-studie#

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Beitrag von reasoner » 01.10.2012, 07:21

Meine Grobkalkulation für den Mindestlohn ist (natürlich) möglichst allgemein gehalten. Ein gesetzlicher Mindestlohn gälte in ganz Deutschland.

Ich mach mich jetzt mal ran, und erstelle eine ML-Tabelle nur für Ivica.

Voraussetzungen:
3 Autos (2 x Hansa, 1 Graupe)
9 Angestellte
Umsatz Graupe 15 € / h
Umsatz Hansa 22,50 € / h (zu viel?)
100 Stunden fährt der Chef

Kennt jemand die Funkgebühren?

Es darf gewettet werden. 8)

edit://
Was hast du für Autos, Ivica?
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf

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Beitrag von Wattwurm » 01.10.2012, 08:08

CPL5938 hat geschrieben:@N8fahrer
Warum denn nicht? Für viele Selbständige ist das Tummeln bei Xing, Facebook oder in branchenspezifischen Foren ein ganz wichtiger Teil ihrer Arbeit. "Netzwerken" nennen die das dann superwichtig. Informationen aus der Branche, Kontakte, Neuigkeiten und schließlich auch Diskussionen über branchenspezifische Themen sind nicht unwichtige Tätigkeiten - warum nicht auch für einen Taxi-Unternehmer?

PS: Q.E.D.
Kann ich bestätigen!

http://www.facebook.com/taxirufsteffen?ref=hl
https://www.xing.com/companies/taxiruf% ... gersteffen

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Beitrag von reasoner » 01.10.2012, 08:13

Wenn du Mindestlohn zahlst, verbleiben dir 1.500 € netto pro Fahrzeug, Ivica.
Da sind doch auch noch Zuschläge drin ...

3 x 1.500 €, + 100 Stunden x 20 € Umsatz = ca. 6.000 € mtl.
Du versteuerst keine 48.000 € Jahresgewinn? :shock:

Sage mir, was an meiner Tabelle nicht stimmt, damit ich es verbessern kann.

Bild

Btw. Hübsches Thema ...
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Beitrag von Wattwurm » 01.10.2012, 08:42

reasoner hat geschrieben:Erst einmal sortieren. Ich kalkulierte (völlig willkürlich) 300 € Gewinn pro Fahrzeug, nicht pro Unternehmer.
Schichtumsatz: 150.- Euro Brutto, Lohn: 40%, Diesel: 1,53 Euro, Kilometerschnitt: 1.- Euro, Verbrauch: 7,5L/100KM

Nettoumsatz (ohne MWSt) 138,66 € USt (9%)Mittelwert von 7% und 19% 11,34 €
Kilometer 150 km
Treibstoff (11,25 l) 14,46 €
Verschleiß 7,50 €
Fixe Kosten 29,74 €
Lohn 60,00 €
Rentenversicherung 5,88 €
Krankenversicherung 4,20 €
Arbeitslosenversicherung 1,35 €
Pflegeversicherung 0,51 €
U1/U2 1,50 €
Berufsgenossenschaft 0,60 €
Lohnnebenkosten (AG) 14,04 €

Kosten 137,09 €

Ertrag 12,91 € abzgl.Verwaltungskosten und Betriebssteuern!

Bei optimaler Vollauslastung des Fahrzeugs also 60 Schichten im Monat bleiben 774,60 Euro im Monat beim Unternehmer hängen! Betriebssteuern und Verwaltungskosten nicht eingerechnet!

Rechnet Euch das selbst aus. Wir müssen nicht schätzen, wir können das ziemlich exakt ermitteln! Und bitte: Der Gerotax-Kalkulator ermittelt den Fahrerlohn anhand von Prozenten, das gehört nicht hier in diesen Thread. Hast Du gehört Schmiddel?

http://www.kosten.gerotax.de/kosteninfo_fahrer.asp

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Beitrag von reasoner » 01.10.2012, 09:08

Okay, schauen wir nach, wo wir uns unterscheiden.

Bild

Ein bissel Kosten für Urlaub und Krankheit (Umsatzausfall) hast du vergessen, aber gut.

Verschleiß ist bei dir höher. Liegt das am Auto? :wink:
Okay, da bin ich ein wenig vorsichtig herangegangen.

Fixkosten 21,45%? Könntest du das aufschlüsseln? Ich habe immerhin AfA von fast 10.000 € dabei.
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Beitrag von Lotterliese » 01.10.2012, 09:22

Danke Wattwurm!

Auf Berliner Verhältnisse gerechnet:

Schichtumsatz: 100.- Euro Brutto, Lohn: 40%, Diesel: 1,50 Euro, Kilometerschnitt: 0,90 Euro, Verbrauch: 9,0L/100KM

Kosten pro Schicht

Nettoumsatz (ohne MWSt) 92,44 € USt (9%)Mittelwert von 7% und 19% 7,56 €
Kilometer 111 km
Treibstoff (10,00 l) 12,61 €
Verschleiß 5,56 €
Fixe Kosten 29,74 €
Lohn 40,00 €
Rentenversicherung 3,92 €
Krankenversicherung 2,80 €
Arbeitslosenversicherung 0,90 €
Pflegeversicherung 0,34 €
U1/U2 1,00 €
Berufsgenossenschaft 0,40 €
Lohnnebenkosten (AG) 9,36 €

Kosten 104,82 €
Ertrag -4,82 €

Bei optimaler Vollauslastung des Fahrzeugs also 60 Schichten im Monat muss der Unternehmer jeden Monat 289,20 Euro mitbringen!

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Beitrag von reasoner » 01.10.2012, 09:38

Eines wird schnell klar. Die Verhältnisse sind sehr unterschiedlich, was die Einführung eines ML in einigen Regionen schwieriger, aber nicht unmöglich macht.

Bild

Die Fixkosten von mehr als 30% pro Schicht dröselst du mir auch noch auf!? Hier geht es nicht um Alleinfahrer.
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Beitrag von Lotterliese » 01.10.2012, 10:14

reasoner hat geschrieben:Die Fixkosten von mehr als 30% pro Schicht dröselst du mir auch noch auf!? Hier geht es nicht um Alleinfahrer.
Kein Problem. Die Fixkosten beziehen sich auf einen Tag, nicht auf eine Schicht, war also ein Fehler enthalten.
Wie sich diese 29,74 € zusammensetzen, siehst du, wenn du Wattwurm's Link anklickst und runterscrollst.

Also nochmal neu gerechnet. Mit 200,00 Euro Tagesumsatz (in 2 Schichten) und, abweichend von oben, mit 45% Lohn.

Nettoumsatz (ohne MWSt) 184,87 € USt (9%)Mittelwert von 7% und 19% 15,13 €
Kilometer 222 km
Treibstoff (20,00 l) 25,21 €
Verschleiß 11,11 €
Fixe Kosten 29,74 €
Lohn 90,00 € (für 2 AN in ca. 20 h)
Rentenversicherung 8,82 €
Krankenversicherung 6,30 €
Arbeitslosenversicherung 2,03 €
Pflegeversicherung 0,77 €
U1/U2 2,25 €
Berufsgenossenschaft 0,90 €
Lohnnebenkosten (AG) 21,06 €

Kosten 192,25 €
Ertrag 7,75 €

Bei 60 Schichten im Monat = 465,00 Euro Ertrag. (wobei eine 100% Auslastung sehr optimistisch gerechnet ist - Werkstattbesuch, Krankheit der Fahrer usw.)
Von diesem Ertrag müssen noch die Verwaltung und die Betriebssteuer beglichen werden.
Ertrag ist nicht gleich Reingewinn!
Die Verhältnisse sind sehr unterschiedlich, was die Einführung eines ML in einigen Regionen schwieriger, aber nicht unmöglich macht.
Bei ML würden die Lohnkosten 170,00 € betragen, zuzüglich entsprechend höherer Lohnnebenkosten.
Bei diesen Verhältnissen ist die Einführung des ML unmöglich. Nicht nur schwierig.

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IK
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Beitrag von IK » 01.10.2012, 10:48

@ reasoner

Ein Paar Anmerkungen von mir:

1. Deine Betriebsvorstellung ist statisch

Du gehst vom Status quo aus. In meinem Fall, drei Autos, 9 Fahrer. Aus deiner Sicht, oder besser, aus deiner Logik geht hervor, dass das immer so war und immer so bleiben wird. Amen.

Die Sache ist aber etwas komplizierter:
a.) Einen Fahrer kann man in einem Supermarkt nicht einfach kaufen. Sie wachsen auch nicht auf den Bäumen wo man sie nur pflücken müsste. Nein. Die Fahrer muss du entweder Abwerben (nie mein Ding gewesen) oder schulen. Im Schnitt braucht ein P-Schein-Kandidat 5-6 Monate, bis er seinen P-Schein hat. Das liegt nicht daran, dass die Leute dumm sind, sondern, dass sie die Schwierigkeit dieser Prüfung völlig unterschätzen und sehr spät anfangen zu lernen. Dagegen helfen keine Sonntagsreden. Das ist so.

b)Wenn sie endlich mal fertig sind, dann dauert es lange, bis sie auch gut fahren können. Es dauert 4-6 Monate bis sie z.B. Hansa Funk fahren können. Erst nach einem Jahr hat ein Fahrer 80 % der Leistungsfähigkeit eines erfahrenen Fahrers erreicht (frei geschätzt). Du hast den Hansa-Umsatz auf 22,50 € Netto gesetzt. Ja dieser gilt aber nur für sehr gute und erfahrene Fahrer. Die anderen sind darunter. 18-19 € ist nicht ungewöhnlich.

c)Es gibt Fahrer-Fluktuation. Gerade hast du einen Fahrer ausgebildet. Die Umsätze kommen in den grünen Bereich und schon hat ihm jemand ein Angebot gemacht, was er nicht ablehnen kann. Der Fahrer hat seinen ersten Unfall hinter sich, aber in deinem Betrieb. Die Konkurrenz kann ihn jetzt einstellen. Im Jahr 2006 hatte ich zwei Autos und 4 Fahrer. Ich hatte nur 2 311er. Ab Sommer 2006 hatte ich 2 Autos und nur noch einen Fahrer. :cry: Im Frühjahr 2008 hatte ich 8 Fahrer und es sind am Jahresende nur 3 gewesen. Januar 2009 habe ich 2 211er gekauft und dann musste ich wieder einmal meine Schulung intensivieren. Es hat trotzdem fast zwei Jahre gedauert bis mein Betrieb so voll war, wie das jetzt der Fall ist. Die Fluktuation ist mit dem Einkauf der 211er stark gesunken. Seit einem Jahr ist status quo. :lol:

2. Deinen Mindestlohn zahle ich schon lange

Ich habe für die erste Hälfte 2012 für zwei erfahrenen Hansis ausgerechnet, was sie Brutto-Stundenlohn hatten. Es ist ein Nacht und ein Tagfahrer. Zusammen haben sie in den ersten 6 Monaten 1944 Stunden geleistet. Deren Bruttolohn liegt bei 9,92 € pro Stunde. Da die beste Jahreszeit vor uns ist, wird dieser noch steigen, ich gehe von 10,50 € aus.

Dazu kommt, dass sie am Jahresende, wenn sie keine Unfälle machen, 2% des Jahres-Bruttoumsatzes bekommen. Das heißt, wir reden hier von einem Lohn, welcher am Jahresende höchstwahrscheinlich 10,90 € betragen wir. Die 10,90 kannst du jetzt in deine Tabelle eingeben, dann wirst du sehen was da raus kommt.

Nun ist klar, dass die schwächeren Hansa Fahrer diesen Lohn nicht haben. Ganz zu schweigen von einem neuen Graupenfahrer am Tage. Sicherlich könnte ich es guten nehmen und den schlechten geben. Allerdings sehe ich da erhebliche Probleme. Nicht zufällig wollen die erfahrenen Fahrer keinen ML sondern deren Umsatzlohn. Verstanden?

Sonstige Anmerkungen


1. Man braucht Betriebsräume. Im eigenen Keller kann man nur schwer eine Taxischule anbieten oder mit eigenen Fahrern abrechnen.

2. Hansa Funk kostet im Monat 500 € Netto.

3. Reparaturen kosten bei einer Laufzeit von 3-4 Jahre locker 5 Cent pro KM
4. 9 Fahrer bedeuten nicht immer 9 Vollzeitfahrer. Im Moment sind das eigentlich 8,5. Kann sich übermorgen ändern: nach oben aber auch nach unten. Sonst siehe die Ausführung von oben.

5. Die Kostenliste werden ich jetzt sicherlich nicht vollständig abarbeiten. Das bringt nichts, denn ich bin nicht bereit sinnlose Gespräche darüber zu führen, ob die Schere auf meinem Schreibtisch ganz oder nur zum Teil eine sinnvolle Betriebsausgabe ist.

Letzte Anmerkung, bezogen auf dich:
Ich werde den Eindruck nicht los, dass du nie einen Betrieb aufgebaut hast.
Hast du immer nur ein Taxi gehabt? Wenn das der Fall ist, dann empfehle ich dir einen Praktikum in einem MW-Betrieb zu machen. Denn manchmal redest du wie ein Bürokrat, welcher Schwimmunterricht in einer Badewanne macht. Um Unternehmer zu sein (ein selbständiger Taxifahrer mit einem Auto ist es nicht) muss man mehr können, als einfach nur Multiplizieren. Wo das hin führen kann, hat Engel hier mir seiner Hansa-Umsatz-Hochrechnung schon mal vorgetragen.

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Beitrag von Otto126 » 01.10.2012, 12:13

Was gehen mich die Kosten der Unternehmer an?

Deren Verbände sollen doch zum Staat gehen und sich beschweren, dass sie nicht rumkommen.
"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"

"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."

Wat woll'n die Atzen eigentlich von mir?

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scarda
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Beitrag von scarda » 01.10.2012, 12:28

Ich hab das mal von oben bis unten durch gelesen. Teilweise angenehm konstruktiv. Für Olitsch zu bürokratisch, okay. Aber warum nöhlen und nicht die nötige Flexibilisierung selbst reinbringen? Ich fand das jetzt wirklich nett, von den reasoner, wie der mit dir umgegangen ist ... Aber besten hat mit @Otto s kalter Konter gefallen... Irgendwann iss abber auch ma Schluß-ßß-ßßß...
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Lotterliese
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Beitrag von Lotterliese » 01.10.2012, 12:50

Otto126 hat geschrieben:Was gehen mich die Kosten der Unternehmer an?

Deren Verbände sollen doch zum Staat gehen und sich beschweren, dass sie nicht rumkommen.
Wenn der Unternehmer (mit seinen Kosten) nicht klar kommt, muss er sparen. Das geht bei den fixen, den variablen und/oder den Lohnkosten.
Willst du (noch) weniger verdienen?
Willst du in einer 10 Jahre alten Schrottkiste sitzen?
Willst du mit abgefahrenen Billigreifen auf der Autobahn unterwegs sein?

Ich denke schon, dass es auch im Interesse der Fahrer ist, dass es den Unternehmern so halbwegs, und meinetwegen auch richtig gut geht.

AG und AN sind beide voneinander abhängig. Ein Unternehmer ohne gute Fahrer kann seinen Laden dicht machen.
Ein Fahrer ohne soliden Unternehmer im Rücken leidet unter schlechten Arbeitsbedingungen und ist von Arbeitslosigkeit bedroht.

Otto, die Zusammenhänge waren jetzt nicht wirklich neu, oder? :wink:

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scarda
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Beitrag von scarda » 01.10.2012, 13:00

Das heißt: der Tarif muss einen Sprung machen, sonst nichts. War dir aber auch nicht neu - oder? Dazu müssen Zuschläge aller Art kommen, die nochmal einen kleinen Sprung machen. Dann ist auch in "schwierigeren" Regionen ML zahlbar.
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