@ reasoner
Ein Paar Anmerkungen von mir:
1. Deine Betriebsvorstellung ist statisch
Du gehst vom Status quo aus. In meinem Fall, drei Autos, 9 Fahrer. Aus deiner Sicht, oder besser, aus deiner Logik geht hervor, dass das immer so war und immer so bleiben wird. Amen.
Die Sache ist aber etwas komplizierter:
a.) Einen Fahrer kann man in einem Supermarkt nicht einfach kaufen. Sie wachsen auch nicht auf den Bäumen wo man sie nur pflücken müsste. Nein. Die Fahrer muss du entweder Abwerben (nie mein Ding gewesen) oder schulen. Im Schnitt braucht ein P-Schein-Kandidat 5-6 Monate, bis er seinen P-Schein hat. Das liegt nicht daran, dass die Leute dumm sind, sondern, dass sie die Schwierigkeit dieser Prüfung völlig unterschätzen und sehr spät anfangen zu lernen. Dagegen helfen keine Sonntagsreden. Das ist so.
b)Wenn sie endlich mal fertig sind, dann dauert es lange, bis sie auch gut fahren können. Es dauert 4-6 Monate bis sie z.B. Hansa Funk fahren können. Erst nach einem Jahr hat ein Fahrer 80 % der Leistungsfähigkeit eines erfahrenen Fahrers erreicht (frei geschätzt). Du hast den Hansa-Umsatz auf 22,50 € Netto gesetzt. Ja dieser gilt aber nur für sehr gute und erfahrene Fahrer. Die anderen sind darunter. 18-19 € ist nicht ungewöhnlich.
c)Es gibt Fahrer-Fluktuation. Gerade hast du einen Fahrer ausgebildet. Die Umsätze kommen in den grünen Bereich und schon hat ihm jemand ein Angebot gemacht, was er nicht ablehnen kann. Der Fahrer hat seinen ersten Unfall hinter sich, aber in deinem Betrieb. Die Konkurrenz kann ihn jetzt einstellen. Im Jahr 2006 hatte ich zwei Autos und 4 Fahrer. Ich hatte nur 2 311er. Ab Sommer 2006 hatte ich 2 Autos und nur noch einen Fahrer.

Im Frühjahr 2008 hatte ich 8 Fahrer und es sind am Jahresende nur 3 gewesen. Januar 2009 habe ich 2 211er gekauft und dann musste ich wieder einmal meine Schulung intensivieren. Es hat trotzdem fast zwei Jahre gedauert bis mein Betrieb so voll war, wie das jetzt der Fall ist. Die Fluktuation ist mit dem Einkauf der 211er stark gesunken. Seit einem Jahr ist status quo.
2. Deinen Mindestlohn zahle ich schon lange
Ich habe für die erste Hälfte 2012 für zwei erfahrenen Hansis ausgerechnet, was sie Brutto-Stundenlohn hatten. Es ist ein Nacht und ein Tagfahrer. Zusammen haben sie in den ersten 6 Monaten 1944 Stunden geleistet. Deren Bruttolohn liegt bei 9,92 € pro Stunde. Da die beste Jahreszeit vor uns ist, wird dieser noch steigen, ich gehe von 10,50 € aus.
Dazu kommt, dass sie am Jahresende, wenn sie keine Unfälle machen, 2% des Jahres-Bruttoumsatzes bekommen. Das heißt, wir reden hier von einem Lohn, welcher am Jahresende höchstwahrscheinlich
10,90 € betragen wir. Die 10,90 kannst du jetzt in deine Tabelle eingeben, dann wirst du sehen was da raus kommt.
Nun ist klar, dass die schwächeren Hansa Fahrer diesen Lohn nicht haben. Ganz zu schweigen von einem neuen Graupenfahrer am Tage. Sicherlich könnte ich es guten nehmen und den schlechten geben. Allerdings sehe ich da erhebliche Probleme. Nicht zufällig wollen die erfahrenen Fahrer keinen ML sondern deren Umsatzlohn. Verstanden?
Sonstige Anmerkungen
1. Man braucht Betriebsräume. Im eigenen Keller kann man nur schwer eine Taxischule anbieten oder mit eigenen Fahrern abrechnen.
2. Hansa Funk kostet im Monat 500 € Netto.
3. Reparaturen kosten bei einer Laufzeit von 3-4 Jahre locker 5 Cent pro KM
4. 9 Fahrer bedeuten nicht immer 9 Vollzeitfahrer. Im Moment sind das eigentlich 8,5. Kann sich übermorgen ändern: nach oben aber auch nach unten. Sonst siehe die Ausführung von oben.
5. Die Kostenliste werden ich jetzt sicherlich nicht vollständig abarbeiten. Das bringt nichts, denn ich bin nicht bereit sinnlose Gespräche darüber zu führen, ob die Schere auf meinem Schreibtisch ganz oder nur zum Teil eine sinnvolle Betriebsausgabe ist.
Letzte Anmerkung, bezogen auf dich:
Ich werde den Eindruck nicht los, dass du nie einen Betrieb aufgebaut hast.
Hast du immer nur ein Taxi gehabt? Wenn das der Fall ist, dann empfehle ich dir einen Praktikum in einem MW-Betrieb zu machen. Denn manchmal redest du wie ein Bürokrat, welcher Schwimmunterricht in einer Badewanne macht. Um Unternehmer zu sein (ein selbständiger Taxifahrer mit einem Auto ist es nicht) muss man mehr können, als einfach nur Multiplizieren. Wo das hin führen kann, hat Engel hier mir seiner Hansa-Umsatz-Hochrechnung schon mal vorgetragen.