Typisch Taxi?

Der virtuelle Taxitreff.
Benutzeravatar
Hedon
User
Beiträge: 31
Registriert: 15.06.2005, 22:37
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Hedon » 25.07.2009, 21:10

Keiner wird ja wirklich freiwillig Taxifahrer, so als bewußte Berufsentscheidung. Nein, die meisten stolpern in diesen Job, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit hinein, und sind entsprechend gefrustet.

Viele deutsche Taxifahrer sind gescheiterte Akademiker (meine Wenigkeit einschlossen) und halten sich eigentlich für viel zu gut zum Taxifahren. Anstatt zu realisieren, dass wir, ob nun Abi und Studium oder nicht, längst zum Prekariat und nicht zum Bildungsbürgertum gehören, wird gerne diese Einsicht mit pseudo intellektuellem Geschwafel oder halt auch penetranter Wichtigtuerei zu verdrängen versucht.

Viele, viele Kollegen halten sich für was besseres und sind darüber einfach verbittert geworden.

Der Schlüssel zu einem glücklichen Leben besteht aber halt darin seine Erwartungen ans selbe zu dämpfen. Wer Taxi fährt gehört halt zum Prekariat und ist nicht besser als jemand der bei McDonalds hinter dem Tresen steht oder bei Lidl Regale auffüllt.

Benutzeravatar
Thomas-Michael Blinten
Vielschreiber
Beiträge: 7375
Registriert: 03.02.2005, 17:52
Wohnort: Düsseldorf

Beitrag von Thomas-Michael Blinten » 26.07.2009, 00:15

längst zum Prekariat und nicht zum Bildungsbürgertum gehören
Das eine schließt das andere nicht aus.
Wir haben schließlich Zeit uns weiter zu bilden, oder :wink:
„Alle sind irre, aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht wird Philosoph genannt" (Ambrose Bierce)

Benutzeravatar
Otto126
Vielschreiber
Beiträge: 7679
Registriert: 20.03.2005, 07:51
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Otto126 » 26.07.2009, 17:59

Hedon hat geschrieben:Keiner wird ja wirklich freiwillig Taxifahrer, so als bewußte Berufsentscheidung. Nein, die meisten stolpern in diesen Job, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit hinein, und sind entsprechend gefrustet.

Viele deutsche Taxifahrer sind gescheiterte Akademiker (meine Wenigkeit einschlossen) und halten sich eigentlich für viel zu gut zum Taxifahren. Anstatt zu realisieren, dass wir, ob nun Abi und Studium oder nicht, längst zum Prekariat und nicht zum Bildungsbürgertum gehören, wird gerne diese Einsicht mit pseudo intellektuellem Geschwafel oder halt auch penetranter Wichtigtuerei zu verdrängen versucht.

Viele, viele Kollegen halten sich für was besseres und sind darüber einfach verbittert geworden.

Der Schlüssel zu einem glücklichen Leben besteht aber halt darin seine Erwartungen ans selbe zu dämpfen. Wer Taxi fährt gehört halt zum Prekariat und ist nicht besser als jemand der bei McDonalds hinter dem Tresen steht oder bei Lidl Regale auffüllt.
Interessanter Beitrag. Da will ich doch mal versuchen, mit ein wenig pseudo intellektuellem Geschwafel drauf zu antworten.

Leider sind für meinen Geschmack heutzutage viel zu wenige Kollegen akademisch gebildet, das allgemeine Niveau ist doch eher schlicht.

"besser" oder "nicht besser" ist eine interessante Formulierung, als ob sich der "Wert" eines Menschen nach seinem Bildungsgrad oder seinem monatlichen Einkommen bemisst. Meine Bildung kann mir niemand nehmen und nur, weil ich keinen Doppelnamen trage, muss niemand glauben, dass ich mein Wissen um meine Rechte vergesse, wenn ich in die E-Klasse steige. Gehöre ich wirklich zum "Prekariat", weil ich keine staatlichen Transferleistungen für mein pseudo intellektuelles Geschwafel erhalte, sondern tatsächlich für mein Geld arbeite?

Ich sehe zudem durchaus einen realen Unterschied zwischen dem Auffüllen von Regalen und der Bedienung einer hochkomplizierten teuren Maschine im Straßenverkehr.

Wer allerdings seine persönliche Frustration an seinen Klienten auslässt, hat in keinem Gewerbe etwas verloren, nicht auf dem Taxi und auch nicht in der Schule.
"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"

"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."

Wat woll'n die Atzen eigentlich von mir?

Benutzeravatar
am
Moderator
Beiträge: 13187
Registriert: 18.03.2005, 17:29
Wohnort: Hansestadt Lübeck
Kontaktdaten:

Beitrag von am » 26.07.2009, 21:23

Da gebe ich Dir vollkommen Recht Otto. Zwar hat es bei mir nicht bis zum Akademiker gereicht, aber meine, sich durchaus sehen lassende schulische, wie berufliche Bildung gebe ich auch nicht im Tausch für den Zündschlüssel her, wenn ich Samstag Nacht ins Taxi steige.

Selten so einen Quatsch gelesen Hedon, sofern es sich um ein Argument für das Taxifahren als Grund für einen Bildungsabsturz handelt.

Selbstverständlich bin ich persönlich vollkommen freiwillig, wenn auch nicht ohne Vorbelastung zum Taxifahren gekommen. Der 2. Bildungsweg verlangte nach Barem und ich bin mit einem Taxi fahrenden Vater groß geworden. Da lag es nahe.
Es gibt kein gefährliches Halbwissen, aber zu viele schlechte Informationen.

Benutzeravatar
Hedon
User
Beiträge: 31
Registriert: 15.06.2005, 22:37
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Hedon » 26.07.2009, 22:27

Es geht um folgendes: Im wesentlichen fahren wir Auto. Punkt.

Vielleicht haben wir ein wenig mehr Fahrerfahrung und Ortskenntnis als der durchschnittliche Einwohner, aber im wesentlichen verrichten wir keinen besonders hochqualifizierten Job. Das unser Auto eine hochkomplizierte teure Maschine ist, wie Otto es ausgedrückt hat, ändert nichts daran, dass Auto fahren keine besonders hochqualifizierte Tätigkeit ist.

Kapitalistische Gesellschaften, und in so einer leben wir nun mal leider, drücken ihre Wertschätzung der wirtschaftlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder, durch die Höhe Ihrer Entlohnung aus. Die ist bei Taxifahrern oder auch Alleinunternehmern durchweg am unteren Rand des gesellschaftlichen Einkommensspektrums angesiedelt, insbesondere, wenn man es auf die eingesetzten Stunden umlegt. Wenn Taxifahrer nicht Prekariat sind, weiß ich nicht wo da nach unten noch Platz wäre.

Soweit zur sozio-ökonomischen Einordung unseres Berufsstandes.

Trotz dieser eher deprimierenden Tatsachen stelle ich doch immer wieder fest, dass gerade die älteren Kollegen, ob am Posten oder hier im Forum gerne auf ihren Bildungsgrad verweisen. Gerne wird man am Posten von einem Kollegen, den man kaum kennt, belehrt wie die Welt funktioniert (ob nun Politik, Wirtschaft, oder dass die Polizei einen widerrechtlich wg. irgendeiner Lappalie aufgeschrieben hat), immerhin hat der ja irgendwann mal irgendwas studiert und weiß es viel besser, als die anderen. Hier im Forum beobachtet man das auch: gerne wird darauf verwiesen wie ignorant irgendein anderer Forenteilnehmer ist, er sowieso keine Ahnung von der Materie hat, vermutlich sowieso juristisch nicht ganz sauber wirtschaftet und keine Ahnung von der deutschen Schriftsprache hat.

Ich denke mir da immer: "WTF (What the Fu**), was auch immer Du früher so getrieben hast, nun sitzt Du jedenfalls auch auf der Taxe und bist genauso ein Loser wie ich und die anderen Kollegen, die für einen Hungerlohn sich den A*** auf dem Bock plattsitzen. Wärst Du wirklich so schlau, müsstet Du diesen Job nicht machen."

Ich denke daher schon, dass die penetrante Rechthaberei in diesem Gewerbe, häufig als Selbstwert-Kompensation zu einem weder besonders angesehenen, noch besonders gut vergüteten Job zu interpretieren ist.

Benutzeravatar
am
Moderator
Beiträge: 13187
Registriert: 18.03.2005, 17:29
Wohnort: Hansestadt Lübeck
Kontaktdaten:

Beitrag von am » 26.07.2009, 22:45

Hedon hat geschrieben:....
Ich denke daher schon, dass die penetrante Rechthaberei in diesem Gewerbe, häufig als Selbstwert-Kompensation zu einem weder besonders angesehenen, noch besonders gut vergüteten Job zu interpretieren ist.
Es ist halt die Art, wie in diesem Gewerbe Nachrichten vermittel werden. Null Infomationsgehalt bleibt ein solcher und Rechthaberei auch. Hört sich natürlich schöner an, wenn es durch diverse Rethorikkurse aalglatt geschliffen ist. Ich finde genau dieselben Proleten auch in anderen Schichten wieder. Unterschied: Es gelingt ihnen häufig, sich zumindest in der Öffentlichkeit zurückzuhalten. Der sozialverbale Querschnitt zieht sich durch alle Befölkerungsschichten aller Bildungskreise.
Zuletzt geändert von am am 26.07.2009, 23:57, insgesamt 1-mal geändert.
Es gibt kein gefährliches Halbwissen, aber zu viele schlechte Informationen.

Filou
Vielschreiber
Beiträge: 2164
Registriert: 03.02.2009, 22:12
Wohnort: Schönefeld

Beitrag von Filou » 26.07.2009, 22:54

Hedon hat geschrieben:Ich denke mir da immer: "WTF (What the Fu**), was auch immer Du früher so getrieben hast, nun sitzt Du jedenfalls auch auf der Taxe und bist genauso ein Loser wie ich und die anderen Kollegen, die für einen Hungerlohn sich den A*** auf dem Bock plattsitzen. Wärst Du wirklich so schlau, müsstet Du diesen Job nicht machen.
Wenn du denkst du bist ein Loser, nur weil du Taxe fährst, hast du auch wirklich verloren. Ist es nicht ein Job von vielen, wo man dies behauptet, und ist es nicht der Mensch, der sich in diesem Job als Loser fühlt? Was kann der "Beruf" Taxifahrer dafür, dass sich so viele Loser dafür entscheiden?

mfg Filou

Benutzeravatar
pl
Vielschreiber
Beiträge: 1565
Registriert: 25.04.2004, 15:42
Wohnort: Wedel

Beitrag von pl » 26.07.2009, 23:43

Wärst Du wirklich so schlau, müsstet Du diesen Job nicht machen
Schlauheit ist keine hinreichende Eigenschaft für wirtschaftlichen Erfolg.
Noch nicht mal eine notwendige.

Das Unwort "Prekariat" wurde ersonnen, um eine nette Umschreibung für Menschen zu finden, die in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Das trifft zwar nicht auf alle, sicherlich aber auf sehr viele Taxifahrer zu.
Wenn man es dabei beläßt und diesen Begriff nicht mit weiteren Assoziationen befrachtet, sagt er nichts über die sonstigen Eigenschaften dieser Menschen aus.

--pl.

Benutzeravatar
Wikinger
Vielschreiber
Beiträge: 642
Registriert: 27.08.2004, 00:53
Wohnort: Thule

Beitrag von Wikinger » 27.07.2009, 04:48

Sorry, aber in meinen Augen hat es Hedon genau auf den Punkt gebracht!

TaMi
Vielschreiber
Beiträge: 1120
Registriert: 19.02.2007, 14:44
Wohnort: Neumünster

Beitrag von TaMi » 27.07.2009, 12:12

sehe ich genau so.


TM,
der hedon recht gibt.
"Sollten Ihnen meine Aussagen zu klar gewesen sein, dann müssen Sie mich missverstanden haben" (Alan Greenspan)

Benutzeravatar
Otto126
Vielschreiber
Beiträge: 7679
Registriert: 20.03.2005, 07:51
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Otto126 » 27.07.2009, 18:59

Hedon hat geschrieben:Es geht um folgendes: Im wesentlichen fahren wir Auto. Punkt.

Vielleicht haben wir ein wenig mehr Fahrerfahrung und Ortskenntnis als der durchschnittliche Einwohner, aber im wesentlichen verrichten wir keinen besonders hochqualifizierten Job. Das unser Auto eine hochkomplizierte teure Maschine ist, wie Otto es ausgedrückt hat, ändert nichts daran, dass Auto fahren keine besonders hochqualifizierte Tätigkeit ist.
Aber es ist dennoch mit einer erheblich höheren Verantwortung behaftet als das Auffüllen von Regalen, da gibst du mir doch Recht, oder?
Hedon hat geschrieben: Kapitalistische Gesellschaften, und in so einer leben wir nun mal leider, drücken ihre Wertschätzung der wirtschaftlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder, durch die Höhe Ihrer Entlohnung aus. Die ist bei Taxifahrern oder auch Alleinunternehmern durchweg am unteren Rand des gesellschaftlichen Einkommensspektrums angesiedelt, insbesondere, wenn man es auf die eingesetzten Stunden umlegt. Wenn Taxifahrer nicht Prekariat sind, weiß ich nicht wo da nach unten noch Platz wäre.

Soweit zur sozio-ökonomischen Einordung unseres Berufsstandes.

Deshalb auch mein beständiger Einsatz dafür, dass sich die Kollegen gewerkschaftlich organisieren, um genau diesen Umstand, die Bezahlung (und nach deiner Theorie gleichzeitig die gesellschaftliche Wertschätzung), zu verbessern.
Hedon hat geschrieben: Trotz dieser eher deprimierenden Tatsachen stelle ich doch immer wieder fest, dass gerade die älteren Kollegen, ob am Posten oder hier im Forum gerne auf ihren Bildungsgrad verweisen. Gerne wird man am Posten von einem Kollegen, den man kaum kennt, belehrt wie die Welt funktioniert (ob nun Politik, Wirtschaft, oder dass die Polizei einen widerrechtlich wg. irgendeiner Lappalie aufgeschrieben hat), immerhin hat der ja irgendwann mal irgendwas studiert und weiß es viel besser, als die anderen. Hier im Forum beobachtet man das auch: gerne wird darauf verwiesen wie ignorant irgendein anderer Forenteilnehmer ist, er sowieso keine Ahnung von der Materie hat, vermutlich sowieso juristisch nicht ganz sauber wirtschaftet und keine Ahnung von der deutschen Schriftsprache hat.
Am Taxistand rede ich grundsätzlich nicht über Weltanschauungen. Überhaupt rede ich wenig am Taxistand, steige auch nicht ständig aus und behindere das Vorziehen wie die Kollegen, die ständig etwas zu besprechen haben - nur nicht in dem eigens für sie angelegten Forum.
Hedon hat geschrieben: Ich denke mir da immer: "WTF (What the Fu**), was auch immer Du früher so getrieben hast, nun sitzt Du jedenfalls auch auf der Taxe und bist genauso ein Loser wie ich und die anderen Kollegen, die für einen Hungerlohn sich den A*** auf dem Bock plattsitzen. Wärst Du wirklich so schlau, müsstet Du diesen Job nicht machen."
Wie kommst du darauf, dass der Job grundsätzlich schlechter als andere Dienstleistungen, wie z.B. Lehrer, Arzt sei?

Du bestätigst ja geradezu die Ideologie, die dich zum Loser erklärt. Ich bin zwar "nur" Taxifahrer, aber darin bin ich verdammt gut, während niemand mir ausreden kann, dass es verdammt viele schlechte Beamte, Lehrer, Ärzte und noch viel mehr schlechtere Politiker gibt.
Hedon hat geschrieben: Ich denke daher schon, dass die penetrante Rechthaberei in diesem Gewerbe, häufig als Selbstwert-Kompensation zu einem weder besonders angesehenen, noch besonders gut vergüteten Job zu interpretieren ist.
Was ist das für ein Argument? Das killt jede Diskussion, wenn du, weil du inhaltlich nichts mehr zu sagen hast, den anderen der "Rechthaberei" bezichtigst. Das ist hier im Forum viel öfter der Fall als eine unangemessene Belehrung, wie du sie beklagst.

Wenn ich Recht habe, dann aufgrund meiner besseren Argumente, meines besser durchdachten Gedankengangs, meiner besseren Kenntnis der Fakten. Ist darin ein Fehler, wird ihn schon jemand finden und mein Argument zerpflücken. Deine Küchen-Psychologie mit dem schlichten Kompensationsmechanismus scheint mir aber doch ziemlich weit hergeholt zu sein.
"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"

"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."

Wat woll'n die Atzen eigentlich von mir?

Benutzeravatar
Hedon
User
Beiträge: 31
Registriert: 15.06.2005, 22:37
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Hedon » 27.07.2009, 20:04

Bitte hier keine Zitat-Antwort, Zitat-Antwort Schlacht anzetteln Otto, so was macht Threads schnell unlesbar.

Es ist völlig unerheblich, ob Taxifahren mit einer höheren Verantwortung als Regale Auffüllen einhergeht oder nicht, Tatsache bleibt, dass fast jeder der einen Führerschein besitzt, sich zum Taxifahren eignet. Aufgrund der geringen Qualifikationsvoraussetzungen ist das Angebot an Taxidienstleistungen, ob als Fahrer oder Unternehmer, entsprechend groß, was den Preis drückt (Ausweitung des Angebots, bei gegebener Nachfrage).

Fast jeder hat einen Führerschein, zum P-Schein ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Das wirst Du doch nicht wirklich ernsthaft mit der Approbationsvoraussetzungen eines Arztes vergleichen wollen. Es ist schwieriger Arzt zu werden, also gibt es auch weniger davon, ergo können sie bessere Löhne verlangen. Wenn Du also wirklich glaubst ein Taxifahrer sei gesellschaftlich oder ökonomisch mit einem Arzt gleichgestellt, dann belügst Du Dich selber.

Benutzeravatar
Otto126
Vielschreiber
Beiträge: 7679
Registriert: 20.03.2005, 07:51
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Otto126 » 28.07.2009, 13:57

Hedon hat geschrieben:Bitte hier keine Zitat-Antwort, Zitat-Antwort Schlacht anzetteln Otto, so was macht Threads schnell unlesbar.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Hedon hat geschrieben: Es ist völlig unerheblich, ob Taxifahren mit einer höheren Verantwortung als Regale Auffüllen einhergeht oder nicht, Tatsache bleibt, dass fast jeder der einen Führerschein besitzt, sich zum Taxifahren eignet. Aufgrund der geringen Qualifikationsvoraussetzungen ist das Angebot an Taxidienstleistungen, ob als Fahrer oder Unternehmer, entsprechend groß, was den Preis drückt (Ausweitung des Angebots, bei gegebener Nachfrage).
Nein, ist es nicht, denn das "Ergebnis" lesen wir hier ja ständig.
Hedon hat geschrieben: Fast jeder hat einen Führerschein, zum P-Schein ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Das wirst Du doch nicht wirklich ernsthaft mit der Approbationsvoraussetzungen eines Arztes vergleichen wollen. Es ist schwieriger Arzt zu werden, also gibt es auch weniger davon, ergo können sie bessere Löhne verlangen. Wenn Du also wirklich glaubst ein Taxifahrer sei gesellschaftlich oder ökonomisch mit einem Arzt gleichgestellt, dann belügst Du Dich selber.
Ich sage nicht, dass sie gleichgestellt sind, sondern, dass es keinen Grund gibt, sie nicht gleichzustellen.

Es ist auch keine Tatsache, dass fast jeder einen Führerschein hat und zudem erleben wir ständig auf der Strasse, dass viel zu viele Leute, die nun wirklich nicht fahren können, einen haben, genau wie wir ständig erleben, dass unfähige Ärzte Bockmist bauen oder die Gesellschaft betrügen.
"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"

"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."

Wat woll'n die Atzen eigentlich von mir?

Taxi Georg

Beitrag von Taxi Georg » 24.04.2011, 20:08

Hat sich was verändert in den letzten beiden Jahren? Push! :wink:

Benutzeravatar
classictaxi
Vielschreiber
Beiträge: 887
Registriert: 20.08.2009, 20:30
Wohnort: Altendresden

Re: Typisch Taxi?

Beitrag von classictaxi » 24.04.2011, 22:38

jr hat geschrieben: Zurück zum Anfang: Können Leute aus dem Taxigewerbe sich nicht sachlich verhalten? Müssen wir immer so (ineinander) verbissen sein? Ist eine gelegentlich ins Absurde gehende Streithaftigkeit gar der Kern unserer Existenz? Sind nüchtern kalkulierende Menschen hier fehl am Platz? Muß man um sich schlagen (können), um zu überleben?
Danke Horafas, für das Hochladen aus dem Keller.
Perfekt, ich hätte dem nichts hinzuzufügen.
Es heißt "Zeit ist Geld". Zeit ist nicht Geld, Zeit ist die Abwesenheit von Geld. Aber Heute haben wir Geld. Alles ist aus dem Gleichgewicht.

Wattwurm
Vielschreiber
Beiträge: 11183
Registriert: 14.07.2007, 20:40

Beitrag von Wattwurm » 25.04.2011, 09:32

Ich denke mal jeder hat so seine eigene Story wie er Taxifahrer wurde! Damit kann man ganze Romane füllen!

Ich war nautischer Schiffsoffizier, und habe in Lübeck und in Leer jeweils 4 Semester an der Fachschule bzw. Fachhochschule für Nautik studiert und dort meine Kapitänspatente gemacht und stand kurz davor ein Schiff meiner Reederei als Kapitän zu übernehmen, als mein Frauchen schwer krank ( MS ) wurde! Wir hatten ja auch noch eine Tochter im Kindergartenalter und damit war sie auf Grund ihrer Krankheit überfordert!

Ich habe also meinen Beruf und meine Karriere an den Nagel gehängt und mich an der Grone-Schule zum Speditionskaufmann umschulen lassen. Während der Umschulung, die 2 1/2 Jahre dauerte und vom Arbeitsamt finanziell unterstützt wurde, fuhr ich zur Aushilfe am Wochenende Taxi!

Als ich mit meiner Ausbildung zum Speditionskaufmann fertig war, mußte ich feststellen das man als Anfänger im Speditionsgewerbe noch weniger verdient als im Taxigewerbe!

Mit dem Anfangsgehalt als Speditionskaufmann hätte ich meine Familie nicht ernähren können! Bei Kühne & Nagel in Hamburg habe ich mein Praktikum abolviert und die wollten mich auch gerne einstellen! Das Problem waren meine Gehaltsvorstellungen!

Und mit Kaufleuten kann man in Hamburg die Kollaustr. pflastern! Ich wurde umgeschult in einen Beruf ohne Zukunft und Perspektive! Das wurde ich allerdings erst später gewahr...!

Ich habe also meine Ersparnisse zusammengekratzt und habe mich im Taxigewerbe selbstständig gemacht! Es gibt Kollegen die kein Problem damit haben, "Ihre" Story zu offenbaren und es gibt Kollegen die das nicht wollen! Ich finde das sollte man auch akzeptieren und nicht weiter nachbohren! Das ist jedem seine Privatangelegenheit!

Ganz freiwillig bin ich nicht Taxifahrer geworden, aber ich habe mich damit abgefunden und mich mit dieser Tatsache arrangiert! Und ich habe immer noch Spaß an dem Job und empfinde das auch nicht als "Notlösung"!

Ich habe vor einem Hauptschüler, der alles aus sich herausholt was er an Möglichkeiten und Potential hat, mehr Respekt, als vor einem Abiturienten, der nichts mit sich und seinen Fähigkeiten anzufangen weiß und seinen Ar_sch nur zum Vergnügen durch die Botanik zieht und es zu nichts bringt!

Benutzeravatar
Foxhound
Vielschreiber
Beiträge: 326
Registriert: 29.01.2011, 20:16
Wohnort: Zwenkau

Beitrag von Foxhound » 25.04.2011, 16:58

Nach zwei Monaten kann ich wohl kaum wirklich mitreden, ich kann aber sehr wohl meine Eindrücke schildern.

Warum fahre ich Taxi? Ich hatte einfach keine Lust, mur von einem Bürostuhl-Jockey auf dem Arbeitsamt sagen zu lassen, wozu ich qualifiziert bin, in welchem Dumpinglohnjob ich gehen soll und vor allem das ich ja sowieso nur ein faules Schwein bin ... Wenn's nach Klischees ginge, würde ich schon lange mit dem Bier in der Pranke vorm Konsum stehen.

Ich begann im Jahr 2006 meine Ausbildung zum Bürokaufmann. Drei Wochen lang, dann ging die Firma pleite. Und weil das das Arbeitsamt dachte, ich hätte diese Firma ruiniert (so kams jedenfalls rüber) steckte man mich kurzfristig in eine "Berufsvorbereitende (Zwangs-)Maßnahme", was nichts anderes heißt als Sinnlos-Beschäftigungs-Therapie mit Jugendstraftätern und Brandstiftern. Ich war dort der einzige mit Realschulabschluss und auch der einzige der seinen Namen fehlerfrei schreiben konnte. Nach diesem Jahr hatte ich dank besagter Clientel übrigens mehr Prellungen als ein Crashtest-Dummy und eine leicht schiefe Nase (ich glaube jeder Kommentar erübrigt sich). Diese ganzen Blessuren haben mich letztendlich auch den Wehrdienst gekostet.

2007 fing ich dann über den Berufsbildungsverein eine neue Ausbildung an, wieder als Bürokaufmann, da ich dank meiner Praktikas am Amtsgericht reinschnuppern konnte. Tja, wie es halt so ist: Überbetriebliche Ausbildung mit Praktikas, Berufschule 55 km entfernt. Die Ausbildung war nicht bezahlt, ich erhielt lediglich Kilometergeld.

2010-2011 8 Monate Nationalbibliothek, fest angestellt, aber eben nur befristet, da hatte ich 1.200 netto. Mein Abteilungsleider wollte uns behalten, aber der Direktor brauchte das Geld für die neuen Aufzüge.

Ich hatte also die Wahl: Schnell einen Job suchen oder Hartz IV. Also P-Schein gemacht. Ich werde sehen, was die Zukunft bringt. Im Moment bin ich erstmal froh, dass ich im September wieder meine Freundin besuchen kann und den Jeep nicht verkaufen muss.

Und wenn mich jemand fragt wie das so ist als Taxifahrer sage ich einfach nur: "Ich fahre kostenlos einen neuen Mercedes ... " :wink:
"Es ist okay, eine Benzinschleuder zu fahren, wenn du damit Puppen aufreißt!" - Al Bundy

Bild

Benutzeravatar
Hedon
User
Beiträge: 31
Registriert: 15.06.2005, 22:37
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Hedon » 25.04.2011, 17:41

Foxhound hat geschrieben: Und wenn mich jemand fragt wie das so ist als Taxifahrer sage ich einfach nur: "Ich fahre kostenlos einen neuen Mercedes ... " :wink:
Wie ich solche Fragen von Fahrgästen hasse. Ich frage sie doch auch nicht ständig. was und wieso sie das tun was sie halt so tun. Manchmal, wenn mich einer dieser Mittelschichtspießer fragt, wieso ich Taxi fahre, antworte ich gespielt betreten:

"Das Leben ist dazwischen gekommen... [3 sek Pause]... 2 Jahre Knast."

Ist zwar erstunken und erlogen aber im allgemeinen hat man dann für den Rest der Fahrt seine Ruhe
:wink:

Benutzeravatar
Taxihasi
Vielschreiber
Beiträge: 966
Registriert: 28.10.2010, 22:22
Wohnort: Hagen

Beitrag von Taxihasi » 25.04.2011, 17:56

Spinnst du?! Damit stellst du ja die Taxifahrer in genau das Licht, was sie nicht wollen!!!

Während meiner Taxizeit bin ich das auch gefragt worden, meine Antwort war immer: "aus Überzeugung!"

Wenn mich das Bekannte gefragt haben, die meinen Lebenslauf kennen und wissen, dass ich 8 Jahre in der Versicherung gearbeitet habe, im Büro, habe ich immer gesagt:"ich brauchte mal wieder was Ehrliches!!" :wink:
Wenn ich Benz fahren will, dann nehm' ich mir ein Taxi...


Wer nicht kann, was er will, muß wollen, was er kann. L. da Vinci

Taxi Georg

Beitrag von Taxi Georg » 25.04.2011, 18:01

Mein Vater erzählt nirgens rum, dass ich Taxifahrer bin.
Der schämt sich dafür!

Er erzählt, dass ich Drogendealer bin! :D :D :D*









*ist nur spass!

Antworten