Jochen Lembke hat geschrieben:In jedem Fall, ich glaube das mit dem Tourette nicht so richtig und ich schmeiße jeden raus, der anfängt Burger in meinem Auto zu fressen und es auch auf Aufforderung nicht unterlässt und noch dazu laut rumschreit auf Kritik hin. Ob nun Tourette oder nicht.
Wie jetzt?
Jeder, der einen Burger im Taxi isst, hat Tourette?
Lasst mich von meiner letzten Tour Sonntagfrüh erzählen. Auf dem Tourenzettel wird am Ende stehen: "
Theaterwall-Sandkrug = 44,50€":
Zwei Jungspunde, zwei Mädels dabei, aufgegabelt um halb sechs. Louisa muss zuerst nach Hause, weil sie völlig aus der Richtung wohnt. Also zuerst in den Stadtnorden (mein "Heimatviertel" am Fliegerhorst), schön warten, bis Louisa im Haus ist. Ali und sein Kumpel sind begeistert, dass ich warte, bis sie drin ist.
Dann geht es in den Stadtsüden, das andere Mädel schläft schon selig. Die Sprache ist die übliche "Ghettosprach"-Mischung aus deutsch und türkisch, ich kontere mit Plattdeutsch und Funkhaus Europa.
Die Jungs haben aber noch Hunger, also geht's zum Burgerbrater an der Bremer Heerstr. (BAB Abfahrt OL-Osternburg). Die Jungs gehen rein, nicht nur die übliche Runde.
Sowas dauert natürlich seine Zeit und auf dem Cockpit liegt noch der Big Mac von dem Fahrgast, mit dem ich die "Runde" kurz zuvor schon einmal gedreht habe (der Inhaber eines Nobelrestaurants, ich konnte es nicht glauben), also lehne ich einen weiteren Burger ab.
Trotz laufender Uhr dauert es ewig, denn die Jungs kennen den Betriebsleiter (den kannte der erste Fahrgast auch) und quatschen und quatschen, zahlen ihre Riesentüten mit Karte, also mache ich mir wegen der Bezahlung schon mal gar keine Sorgen.
Über den Borchersweg geht es dann endlich nach Sandkrug. Ali, der vorne sitzt, isst mit spitzen Fingern ein paar Pommes, weil ich das Essen der Burger untersagt habe. Gut, Kinder muss man füttern, und da mein Tagfahrer mir das Auto am Freitag unbetankt und mindestens drei Tage ungesaugt hingestellt hat, ist mir das egal, denn ich werde das Auto eh genau so wieder abstellen.
Zuerst wird der Kumpel abgesetzt, hat auch noch fünf Euro, dann geht's zur Bank, denn bei mir kann man nicht mit Bankkarte bezahlen. Es geht so schnell, dass nicht einmal die Wartezeit zu laufen beginnt, weiter geht's zu einer fetten Hütte im besten Wohngebiet, wo es ohne maulen die 45 Tacken gibt und hinten aus dem Auto das hübscheste Mädel aussteigt (und mich allerliebst anlächelt), das ich in dieser Nacht gesehen habe. Zum Schluß gibt's meine Firmenkarte mit meinen Namen drauf.
Jochen, du hättest die Kids gar nicht mitgenommen, aber in Wirklichkeit waren sie total lieb und ich war mal wieder der "coolste" Taxifahrer, den sie je hatten...
(Für die Zahlenfreaks: abgerechnet habe ich einen Schnitt von 1.25 Euronen bei 320 gefahrenen Kilometern, 50,60€ Tip)