Bezahlte Wartezeit - Karenzminute
Bezahlte Wartezeit - Karenzminute
Damit ich es nicht nochmal schreiben muss, kopier ich mal etwas von mir hierher und ergänze es noch. Es wurde ja schon viel darüber diskutiert und einige haben Tests oder Versuche unternommen, wie viel Umsatz dadurch verloren geht.
Doch ist der Ansatz wirklich richtig und geht es wirklich nur darum?
Auf den Kunden irgendwo zu warten und dafür nicht bezahlt zu werden geht natürlich nicht in Ordnung. Doch sollten wir wirklich die durch Stau bedingte Wartezeit entlohnt bekommen?
Dazu stell ich mal ein paar Fragen:
Was denkt der Kunde über unsere Preisstruktur?
Warum soll der Unternehmer/Fahrer ein Anrecht darauf haben, den Preis unserer Dienstleistung direkt an seinen Gewinn/Lohn zu koppeln?
Wie kalkulieren andere Branchen heutzutage ihre Preise?
Warum möchten einige unbedingt, dass der Kunde jede Mehrarbeit bezahlt, obwohl er weniger erhält, durch längere Fahrzeiten?
Warum ist es unseren Unternehmern nicht richtig möglich eine Mischkalkulation für ihren Betrieb anzulegen, um den besten Preis zu bestimmen?
Welche gewerbeeigenen Strukturen und Veränderungen verhindern unsere Unternehmer daran vernünftig kalkulieren zu können?
Was sagen unsere Behörden dazu?(Wenn jemand etwas Schriftliches hat, bitte her damit.)
Ich persönlich halte die direkte Koppelung des Fahrpreises an die Entlohnung oder alleine schon die Überlegung darüber für einen Fehler.
Die Entlohnung des AN ist einzig und allein mit dem AG zu verhandeln. Wenn Arbeitnehmer sich in die Tarife einmischen sollten, dann nur deswegen, weil sie mitkalkuliert haben und wissen, dass die Löhne nicht mehr ausreichen und eine regelmäßige inflationäre Steigerung oder Ähnliches in Gefahr ist.
Einzelunternehmer haben ebenso keinen Anspruch auf direkte Entlohnung durch den Tarif. Ihr Lohn ist ihr Gewinn und der entsteht durch fleißiges Kalkulieren und Wirtschaften, sonst können sie sich ja gleich anstellen lassen.
Dass aus unserer Einkommensnot die Forderung nach immer bezahlter Wartezeit gestellt wird, kann man ja verstehen, doch bringt es unser Gewerbe irgendwie nach vorne? Oder verpufft diese Art der Bezahlung nicht wie jede andere Tarifänderung nach kurzer Zeit?
*edit aus o mach ö
Doch ist der Ansatz wirklich richtig und geht es wirklich nur darum?
Auf den Kunden irgendwo zu warten und dafür nicht bezahlt zu werden geht natürlich nicht in Ordnung. Doch sollten wir wirklich die durch Stau bedingte Wartezeit entlohnt bekommen?
Dazu stell ich mal ein paar Fragen:
Was denkt der Kunde über unsere Preisstruktur?
Warum soll der Unternehmer/Fahrer ein Anrecht darauf haben, den Preis unserer Dienstleistung direkt an seinen Gewinn/Lohn zu koppeln?
Wie kalkulieren andere Branchen heutzutage ihre Preise?
Warum möchten einige unbedingt, dass der Kunde jede Mehrarbeit bezahlt, obwohl er weniger erhält, durch längere Fahrzeiten?
Warum ist es unseren Unternehmern nicht richtig möglich eine Mischkalkulation für ihren Betrieb anzulegen, um den besten Preis zu bestimmen?
Welche gewerbeeigenen Strukturen und Veränderungen verhindern unsere Unternehmer daran vernünftig kalkulieren zu können?
Was sagen unsere Behörden dazu?(Wenn jemand etwas Schriftliches hat, bitte her damit.)
Ich persönlich halte die direkte Koppelung des Fahrpreises an die Entlohnung oder alleine schon die Überlegung darüber für einen Fehler.
Die Entlohnung des AN ist einzig und allein mit dem AG zu verhandeln. Wenn Arbeitnehmer sich in die Tarife einmischen sollten, dann nur deswegen, weil sie mitkalkuliert haben und wissen, dass die Löhne nicht mehr ausreichen und eine regelmäßige inflationäre Steigerung oder Ähnliches in Gefahr ist.
Einzelunternehmer haben ebenso keinen Anspruch auf direkte Entlohnung durch den Tarif. Ihr Lohn ist ihr Gewinn und der entsteht durch fleißiges Kalkulieren und Wirtschaften, sonst können sie sich ja gleich anstellen lassen.
Dass aus unserer Einkommensnot die Forderung nach immer bezahlter Wartezeit gestellt wird, kann man ja verstehen, doch bringt es unser Gewerbe irgendwie nach vorne? Oder verpufft diese Art der Bezahlung nicht wie jede andere Tarifänderung nach kurzer Zeit?
*edit aus o mach ö
Ich will mal einen Punkt rausgreifen:
1. Aufwand an Arbeitszeit => üblicherweise fließt das in Lohn des ausführenden Leistungserbringers;
2. Aufwand an Maschinenzeit => Abschreibung, Betriebskosten der Maschine,
Rücklagen für Reparatur und Ersatz.
Selbst bei weitgehend gleichen Arbeitseinheiten kann durch besondere Umstände (ein Beispiel: Ausbau des Anlassers
erschwert durch verrostete Schrauben) ein höheres Arbeitsentgelt entstehen.
Analog dazu muss der höhere Zeitaufwand durch z.B. Stau für die Strecke x => y ein höheres Entgelt erzielen.
Ist doch schon so oft gesagt worden!
Das Entgelt für Arbeitsleistung entsteht aus zwei Komponenten:Warum möchten einige unbedingt, dass der Kunde jede Mehrarbeit bezahlt, obwohl er weniger erhält, durch längere Fahrzeiten?
1. Aufwand an Arbeitszeit => üblicherweise fließt das in Lohn des ausführenden Leistungserbringers;
2. Aufwand an Maschinenzeit => Abschreibung, Betriebskosten der Maschine,
Rücklagen für Reparatur und Ersatz.
Selbst bei weitgehend gleichen Arbeitseinheiten kann durch besondere Umstände (ein Beispiel: Ausbau des Anlassers
erschwert durch verrostete Schrauben) ein höheres Arbeitsentgelt entstehen.
Analog dazu muss der höhere Zeitaufwand durch z.B. Stau für die Strecke x => y ein höheres Entgelt erzielen.
Ist doch schon so oft gesagt worden!
Es ist so bequem, unmündig zu sein. (Immanuel Kant)
Klar wurde dies schon oft gesagt, trotzdem hat es mit der Entlohnung des ANs nichts zu tun.
Du hast dich in der Sache festgefahren und das ist nicht gut für eine vernünftige Preiskalkulation und dass resultiert daraus, dass du noch in "Prozenten" denkst.
Der Arbeitgeber hat dir die Zeit zu bezahlen, nicht aber zwangsläufig jeder Kunde. Diese Denkweise resultiert einzig und allein aus unserem jetzigem weitverbreiteten Lohnmodell.
Kleines Beispiel aus dem öffentlichen Dienst. Zahlt irgendjemand für seine Konzessionsverlängerung mehr, weil der Sachbearbeiter mehr Zeit braucht, weil Unterlagen nachgereicht werden müssen oder anderweitig für den Bearbeiter Mehraufwand anfällt?
Du hast dich in der Sache festgefahren und das ist nicht gut für eine vernünftige Preiskalkulation und dass resultiert daraus, dass du noch in "Prozenten" denkst.
Der Arbeitgeber hat dir die Zeit zu bezahlen, nicht aber zwangsläufig jeder Kunde. Diese Denkweise resultiert einzig und allein aus unserem jetzigem weitverbreiteten Lohnmodell.
Kleines Beispiel aus dem öffentlichen Dienst. Zahlt irgendjemand für seine Konzessionsverlängerung mehr, weil der Sachbearbeiter mehr Zeit braucht, weil Unterlagen nachgereicht werden müssen oder anderweitig für den Bearbeiter Mehraufwand anfällt?
Wenn ich dich richtig verstehe, filou, ist das dein Ansatz: der Kunde bezahlt für die abgerufene Leistung immer denselben Preis, unabhängig von der benötigten Zeit, vielleicht auch unabhängig vom Weg. Das freut den Kunden. Der angestellte Fahrer oder die angestellte Fahrerin bekommt die Arbeitsleistung bezahlt (Stundenlohn, Festgehalt, wie in fast allen Berufen). Jetzt muss also ein Preis gefunden werden, der nach Abzug aller Kosten (Lohn, Auto, Sprit etcpp.) noch einen kleinen Unternehmergewinn abwirft.
-
Schmidt-Taxi
Langsam rea, wir wollen doch realistisch bleiben. Du und vielleicht auch eichi sollten vielleicht noch mal alle Fragen von mir lesen.reasoner hat geschrieben:Wenn ich dich richtig verstehe, filou, ist das dein Ansatz: der Kunde bezahlt für die abgerufene Leistung immer denselben Preis, unabhängig von der benötigten Zeit, vielleicht auch unabhängig vom Weg. Das freut den Kunden.
Dass ist dann wieder realistisch.reasoner hat geschrieben:Der angestellte Fahrer oder die angestellte Fahrerin bekommt die Arbeitsleistung bezahlt (Stundenlohn, Festgehalt, wie in fast allen Berufen). Jetzt muss also ein Preis gefunden werden, der nach Abzug aller Kosten (Lohn, Auto, Sprit etcpp.) noch einen kleinen Unternehmergewinn abwirft.
Es geht darum, dass der AN den Verantwortlichen für seinen Lohn auslässt, wenn er über den Tarif seine Arbeitszeit vergütet bekommen will. Er bläst sozusagen ins gleiche Horn wie Einzelunternehmer und macht es dem Mehrwagenunternehmer leicht zu kalkulieren oder nimmt ihm sogar die Kalkulation und Risiko ab und erschwert gleichzeitig einen für den Kunden gerechten Tarif zu finden.
Re: Bezahlte Wartezeit - Karenzminute
Frag doch mal die Mietwagenunternehmen wie die über eine Karenzminute denkenFilou hat geschrieben: Wie kalkulieren andere Branchen heutzutage ihre Preise?
Falsch, Filou!
Ich bin weder festgefahren oder sonst irgendwas (ganz im Gegentum
), ich habe beschrieben, wie der Preis
zustande kommt, den ein Kunde für eine "maschinenunterstützte Dienstleistung" zu zahlen hätte.
Stell dir vor, du bestellst dir jemanden, der dir mir einem kleinen Bagger in deinem Garten
eine Garagenzufahrt schafft.
Der "Maschinen-Anteil" wird kleiner, wenn du statt dessen einen Friseur zum Haareschneiden zu dir kommen
lässt, die Schere wird günstiger sein als der Bagger
So sollte der Preis fürs Taxefahren kalkuliert werden, nur auf die Wegstrecke zu schauen ist falsch!
In Bezug auf meine Lebensarbeitszeit ist der Taxenanteil so gering, dass ich durchaus einen sehr breiten Blickwinkel habe.
Ich habe Erfahrung als Arbeiter, Angestellter, Selbstständiger und Taxifahrer (wo zählt der eigentlich rein, angestellt, Arbeiter, ???)
Also... man kann mir manches vorwerfen, einen engen Blickwinkel bestimmt nicht!
Ich bin weder festgefahren oder sonst irgendwas (ganz im Gegentum
zustande kommt, den ein Kunde für eine "maschinenunterstützte Dienstleistung" zu zahlen hätte.
Stell dir vor, du bestellst dir jemanden, der dir mir einem kleinen Bagger in deinem Garten
eine Garagenzufahrt schafft.
Der "Maschinen-Anteil" wird kleiner, wenn du statt dessen einen Friseur zum Haareschneiden zu dir kommen
lässt, die Schere wird günstiger sein als der Bagger
So sollte der Preis fürs Taxefahren kalkuliert werden, nur auf die Wegstrecke zu schauen ist falsch!
In Bezug auf meine Lebensarbeitszeit ist der Taxenanteil so gering, dass ich durchaus einen sehr breiten Blickwinkel habe.
Ich habe Erfahrung als Arbeiter, Angestellter, Selbstständiger und Taxifahrer (wo zählt der eigentlich rein, angestellt, Arbeiter, ???)
Also... man kann mir manches vorwerfen, einen engen Blickwinkel bestimmt nicht!
Es ist so bequem, unmündig zu sein. (Immanuel Kant)
@eichi
Der Kunde zahlt dir nicht deinen Lohn, sondern dem Unternehmer seine Dienstleistung incl. Lohn oder Gewinn. Der Unternehmer zahlt dir dann deinen Lohn, den du mit ihm ausgehandelt hast.
Deine Beispiele haben mit deinem Lohn als Angestellten überhaupt nix zu tun.
Wie der Unternehmer seinen Preis festlegt, ist allein seine Sache, bei uns eben noch Sache der Behörden und ihren Anhörungspartnern. Da kannst du als AN-Vertreter vielleicht auf die KM hinweisen, aber alleine bei einer ungünstigen Gesamtkalkulation zu Lasten der AN hättest du vielleicht Mitspracherecht.
Ob Festpreise, Kilometerpreise mit oder ohne bezahlte Wartezeit sollte alleine der Markt entscheiden. Was gibt am meisten her. Womit können wir am meisten den "Reibach" machen. Ich leg mich da selbst nicht fest, ich bin Arbeitnehmer, ich würde erst auf die Barrikaden gehen, wenn mein Lohn insgesamt sinkt und die Unternehmer den Markt nicht richtig analysiert haben.
Wenn du mir beweisen kannst, dass man ohne Karenzminute mehr erwirtschaften kann als mit einem anderen Tarifmodell, dann immer her damit. Jeder Euro, den du für deinen Unternehmer mehr einfährst, nimmt dir am Ende wieder ein anderer Weg.
Die bezahlte Wartezeit ist eine reine Gefühlsangelegenheit, für den Fahrer besser, für den Kunden schlechter.
Ich habe bezahlte Wartezeit in unserem Tarif und es macht vielleicht vom Gefühl her etwas aus, manchmal, doch am Ende hab ich nicht mehr in der Lohntüte.
Wenn Tariferhöhungen anstehen und man Kostensteigerungen von x% abdecken will, meinst du wirklich, wenn die eingeführte bezahlte Wartezeit schon die x% abdeckt, erhöht man trotzdem die anderen Tarifbestandteile um eben diese x%?
Das Thema ist komplexer, als nur darauf zu bestehen, dass man als AN oder EU die drei Minuten im Stau bezahlt bekommt.
Morgen weiter.
Der Kunde zahlt dir nicht deinen Lohn, sondern dem Unternehmer seine Dienstleistung incl. Lohn oder Gewinn. Der Unternehmer zahlt dir dann deinen Lohn, den du mit ihm ausgehandelt hast.
Deine Beispiele haben mit deinem Lohn als Angestellten überhaupt nix zu tun.
Wie der Unternehmer seinen Preis festlegt, ist allein seine Sache, bei uns eben noch Sache der Behörden und ihren Anhörungspartnern. Da kannst du als AN-Vertreter vielleicht auf die KM hinweisen, aber alleine bei einer ungünstigen Gesamtkalkulation zu Lasten der AN hättest du vielleicht Mitspracherecht.
Ob Festpreise, Kilometerpreise mit oder ohne bezahlte Wartezeit sollte alleine der Markt entscheiden. Was gibt am meisten her. Womit können wir am meisten den "Reibach" machen. Ich leg mich da selbst nicht fest, ich bin Arbeitnehmer, ich würde erst auf die Barrikaden gehen, wenn mein Lohn insgesamt sinkt und die Unternehmer den Markt nicht richtig analysiert haben.
Wenn du mir beweisen kannst, dass man ohne Karenzminute mehr erwirtschaften kann als mit einem anderen Tarifmodell, dann immer her damit. Jeder Euro, den du für deinen Unternehmer mehr einfährst, nimmt dir am Ende wieder ein anderer Weg.
Die bezahlte Wartezeit ist eine reine Gefühlsangelegenheit, für den Fahrer besser, für den Kunden schlechter.
Ich habe bezahlte Wartezeit in unserem Tarif und es macht vielleicht vom Gefühl her etwas aus, manchmal, doch am Ende hab ich nicht mehr in der Lohntüte.
Wenn Tariferhöhungen anstehen und man Kostensteigerungen von x% abdecken will, meinst du wirklich, wenn die eingeführte bezahlte Wartezeit schon die x% abdeckt, erhöht man trotzdem die anderen Tarifbestandteile um eben diese x%?
Das Thema ist komplexer, als nur darauf zu bestehen, dass man als AN oder EU die drei Minuten im Stau bezahlt bekommt.
Morgen weiter.
Ach doch noch mal, dein Beispiel mit dem Friseur ist so passend. Da gibt es Festpreise. Ich selbst sitze aber manchmal 10 Minuten auf dem Stuhl und an anderen Tagen 30. Alles für den gleichen Preis. Was nun? Und jetzt komm mir nicht damit, dass AN im Friseurhandwerk noch weniger verdienen. Wenn nach Zeit abgerechnet werden würde, verdiente eine Friseuse nicht einen Euro mehr.
- homer
- Vielschreiber
- Beiträge: 1737
- Registriert: 10.03.2005, 11:04
- Wohnort: 1.Wohnsitz : Norwegen / 2. Wohnsitz : Hamburch
Um das Gesichtsfeld vielleicht ein klein wenig zu erweitern verweise ich noch einmal auf meinen
Beitrag über den seit dem 01.09.2011 für ganz Norwegen neu eingeführten Taxitarif :
http://www.taxiforum.de/forum/viewtopic.php?t=6736
Dort geht man - durchaus erfolgreich, allerdings auch mit überall limitierten Konzessionszahlen -
einen genau entgegengesetzten Weg.
Norwegen kannte ohnehin nie eine Karenzminute und berechnete schon immer Wartezeiten,
einschliesslich der verkehrsbedingten Wartezeiten.
Neu ist, dass seit September jetzt sogar beide Preisfaktoren immer zugleich
berechnet werden,
d.h. da hat sich die Wartezeit zu einem ständig durchlaufenden Stundenpreis gemausert.
Konkret : selbst wenn da ein besetztes Taxi mit 130 über eines der wenigen Stückchen
Autobahn huscht, läuft neben dem km-Preis zusätzlich auch noch der Zeit-Preis (also die frühere Wartezeit).
Sorum kann das unter bestimmten Voraussetzungen anderswo also auch funktionieren
Beitrag über den seit dem 01.09.2011 für ganz Norwegen neu eingeführten Taxitarif :
Dort geht man - durchaus erfolgreich, allerdings auch mit überall limitierten Konzessionszahlen -
einen genau entgegengesetzten Weg.
Norwegen kannte ohnehin nie eine Karenzminute und berechnete schon immer Wartezeiten,
einschliesslich der verkehrsbedingten Wartezeiten.
Neu ist, dass seit September jetzt sogar beide Preisfaktoren immer zugleich
berechnet werden,
d.h. da hat sich die Wartezeit zu einem ständig durchlaufenden Stundenpreis gemausert.
Konkret : selbst wenn da ein besetztes Taxi mit 130 über eines der wenigen Stückchen
Autobahn huscht, läuft neben dem km-Preis zusätzlich auch noch der Zeit-Preis (also die frühere Wartezeit).
Sorum kann das unter bestimmten Voraussetzungen anderswo also auch funktionieren
-
plusminus0
- Vielschreiber
- Beiträge: 859
- Registriert: 23.01.2011, 11:04
- Wohnort: Hamburg
Das ist die entscheidende Frage, aber sie ist leider am Grünen Tisch nicht zu beantworten. Ich persönlich tendiere zwar zur Beibehaltung der jetzigen Regelung mit Karenzminute. Aber letztendlich würden erst über längere Zeiträume durchgeführte Versuche mit unterschiedlichen Tarifmodellen zeigen, wie für uns ein Umsatzmaximum erzielt werden kann. Ein schwieriges Thema.Filou hat geschrieben:Was gibt am meisten her
-
roter stern
- Vielschreiber
- Beiträge: 667
- Registriert: 17.06.2004, 10:21
- Wohnort: Hamburg
Kollegen
Nur ca. 5 % der hamburger Kunden haben eine Erklärung dafür, dass
der Hinweg zum Flughafen von der City kommend 2 € mehr kostet
als der Rückweg (Bubu´s Imbiß Kurve).
Die zehnprozentige Fahrpreisdifferenz wird einfach akzeptiert.Unreflektiert.
Wenn ich Kunden befrage ob ich eine längere Route fahren soll zwecks
Zeitersparnis, zu 85 Prozent kommt das o.K. postwendend.
Time is cash - Time is money
Zumindest bei den Kunden.
Sollte auch für uns gelten.
so long
roter stern
20 € Umsatz pro Stunde - vollversteuert und mit KV Beiträgen -
dafür kriegt man sonst nur einen arbeitslosen Gärtner mit Handrasenmäher - schwarz natürlich
Nur ca. 5 % der hamburger Kunden haben eine Erklärung dafür, dass
der Hinweg zum Flughafen von der City kommend 2 € mehr kostet
als der Rückweg (Bubu´s Imbiß Kurve).
Die zehnprozentige Fahrpreisdifferenz wird einfach akzeptiert.Unreflektiert.
Wenn ich Kunden befrage ob ich eine längere Route fahren soll zwecks
Zeitersparnis, zu 85 Prozent kommt das o.K. postwendend.
Time is cash - Time is money
Zumindest bei den Kunden.
Sollte auch für uns gelten.
so long
roter stern
20 € Umsatz pro Stunde - vollversteuert und mit KV Beiträgen -
dafür kriegt man sonst nur einen arbeitslosen Gärtner mit Handrasenmäher - schwarz natürlich
Genau, schnell fahren = viel Geld und langsam fahren = wenig Geld. Aber das habe ich bestimmt falsch verstanden, so wie dieser Kommentator:roter stern hat geschrieben:Time is cash - Time is money
Wo bleiben eigentlich die Karenzzeitabschaffungsbefürworter unter den Fahrern, wenn einmal Stundenlöhne die Regel sind? Bis dahin hat ohnehin Filou recht, denn nicht der Preis pro Einheit ist entscheidend sondern das Durchsetzen des ganzen Pakets am Markt. Wenn der wie in Norwegen das Zahlen für Zeit und Strecke hinnimmt, sehe ich kein Problem. Mit den langjährigen Bemühungen, die Integration der Taxen in den ÖPNV zu stärken, dürfte das aber wenig kompatibel sein. Dort kommt es vor allem auf Transparenz an.Taxitarife sind schon merkwürdig. Wenn die Rheinbahn es genauso machen würde, hinge an der Haltestelle ein Plakat: "Den Preis für die Fahrt sagen wir Ihnen erst hinterher. Und wenn wir im Stau stehen und nicht pünktlich am Ziel sind, müssen Sie einen Zuschlag bezahlen." Ob das ein Erfolgsmodell wäre?
http://www.rp-online.de/region-duesseld ... -1.1313112
Zu ersterem kann ich nichts sagen, zu zweitem ein klares Ja. Das zeigen die zahlreichen Kleinkriege rund um Tarifänderungen allerorts. Da werden durchaus auch mal völlig absurde Anträge gestellt, nur um dem Konkurrenten vor Ort zu nerven. Genervt sind damit vor allem aber auch die zuständigen Verwaltungsleute. Es hat durchaus Gründe, warum immer wieder Änderungsverfahren gestoppt werden. Eine zielgerichtete Rechnung im Sinne von "Was erwarten wir unterm Strich von einem anderen Tarif?" habe ich noch nicht gesehen. Der Normalfall besteht aus einer einfachen oder gar auf wenige Punkte reduzierten Kostenentwicklungsaufstellung. Businesspläne sehen anders aus.Filou hat geschrieben:Behindert die freie Konzessionsvergabe wie in Hamburg oder Berlin und die Uneinigkeit innerhalb einer Betriebsgemeinde unter den Unternehmern eine vernünftige Preiskalkulation?
-
taxidriver_007
- User
- Beiträge: 144
- Registriert: 01.09.2004, 22:06
- Wohnort: Düsseldorf
Zitat filou:
"Auf den Kunden irgendwo zu warten und dafür nicht bezahlt zu werden geht natürlich nicht in Ordnung. Doch sollten wir wirklich die durch Stau bedingte Wartezeit entlohnt bekommen?"
Wir warten auf die Kunden, OHNE dafür bezahlt zu werden, das ist OK.
Die durch Stau bedingte Wartezeit bezahlt zu bekommen?
Eindeutig: JA !
Ich fahre nicht zum Spass durch die Gegend.
Ich liebe es auch nicht im Stau zu stehen.
Dem Kunden bleibt die Wahl, ob kurz oder schnell, beides geht nicht.
Manchmal geht auch schnell nicht.
Der Kunde kann gerne aussteigen und zu Fuß weitergehen, ich muss dann noch aus dem Stau rauskommen.
Erfahrungen aus einer Messestadt.
Arbeit für lau gibt es nicht. Es tut mir ja selbst manchmal leid, aber so ist das nunmal. Der Kunde ist meistens selbst im Bilde, was gerade abgeht in der Stadt.
"Auf den Kunden irgendwo zu warten und dafür nicht bezahlt zu werden geht natürlich nicht in Ordnung. Doch sollten wir wirklich die durch Stau bedingte Wartezeit entlohnt bekommen?"
Wir warten auf die Kunden, OHNE dafür bezahlt zu werden, das ist OK.
Die durch Stau bedingte Wartezeit bezahlt zu bekommen?
Eindeutig: JA !
Ich fahre nicht zum Spass durch die Gegend.
Ich liebe es auch nicht im Stau zu stehen.
Dem Kunden bleibt die Wahl, ob kurz oder schnell, beides geht nicht.
Manchmal geht auch schnell nicht.
Der Kunde kann gerne aussteigen und zu Fuß weitergehen, ich muss dann noch aus dem Stau rauskommen.
Erfahrungen aus einer Messestadt.
Arbeit für lau gibt es nicht. Es tut mir ja selbst manchmal leid, aber so ist das nunmal. Der Kunde ist meistens selbst im Bilde, was gerade abgeht in der Stadt.
Okay, ich oute mich als Verfechter des nachvollziehbaren Fahrpreises, in erster Instanz also pro Beibehaltung der unterdrückten Wartezeit für 1 Minute. Der nächste Schritt wäre dann tatsächlich ein Festpreis von A nach B. Der potentielle Fahrgast kann entscheiden, ob er für 12,80 € zum Theater fährt, oder eben nicht. Und zwar immer für 12,80 €. Das würde auch dazu beitragen, dass Anfänger im Taxi weniger schwitzen müssten, ob sie den richtigen Weg fahren; auch die Frage, ob man den schnelleren, etwas weiteren Weg nehmen soll, wäre obsolet.
Selbstversuche in Hamburg haben ergeben, dass die Karenzminute in etwa 20% an Umsatz kostet. Demzufolge müsste der Preis für den Kilometer etwa 20% über dem in einer wirtschaftlich vergleichbaren Stadt liegen. Liegt er aber nicht, das ist der Fehler.
Nun ist die Idee auch nicht neu, das PBefG nennt die Variante, die einen Festpreis möglich macht: Mietwagen.
Wie dem auch sei, wenn die Kundschaft das bestimmen könnte, hätten wir längst Festpreise. In unserer Zentrale haben wir ständig mit der Frage: "wieviel kostet das?" zu tun.
Selbstversuche in Hamburg haben ergeben, dass die Karenzminute in etwa 20% an Umsatz kostet. Demzufolge müsste der Preis für den Kilometer etwa 20% über dem in einer wirtschaftlich vergleichbaren Stadt liegen. Liegt er aber nicht, das ist der Fehler.
Nun ist die Idee auch nicht neu, das PBefG nennt die Variante, die einen Festpreis möglich macht: Mietwagen.
Wie dem auch sei, wenn die Kundschaft das bestimmen könnte, hätten wir längst Festpreise. In unserer Zentrale haben wir ständig mit der Frage: "wieviel kostet das?" zu tun.
@ Filou
Dein Vergleich mit den Festpreisen beim Friseur ist leider nicht stichhaltig!
Denn es gibt gute und schlechte Haarschnitte. Wenn die Friseurin sich mehr Mühe gibt und
auch noch das letzte zu lange Haar erwischt und alles akkurat und gleichmäßig schneidet dauert es
eben etwas länger. Und wenn es dann auch nach der ersten Nacht immer noch gut ausssieht, ist der
höhere Zeitaufwand => höhere Preis gerechtfertigt!
Nicht alle Kunden sind mit dem "Out-of-bed-Look" einverstanden!
Eberhards Wusch-Wusch gibts auch bei Friseuren!
Festpreis zum Flieger: So, für 20,00 zum Flieger, da wären wir, aussteigen bitte, zum Eingang
immer am Zaun entlang, diese Richtung bitte...
War hier irgendwo Ironie versteckt?
Dein Vergleich mit den Festpreisen beim Friseur ist leider nicht stichhaltig!
Denn es gibt gute und schlechte Haarschnitte. Wenn die Friseurin sich mehr Mühe gibt und
auch noch das letzte zu lange Haar erwischt und alles akkurat und gleichmäßig schneidet dauert es
eben etwas länger. Und wenn es dann auch nach der ersten Nacht immer noch gut ausssieht, ist der
höhere Zeitaufwand => höhere Preis gerechtfertigt!
Nicht alle Kunden sind mit dem "Out-of-bed-Look" einverstanden!
Eberhards Wusch-Wusch gibts auch bei Friseuren!
Festpreis zum Flieger: So, für 20,00 zum Flieger, da wären wir, aussteigen bitte, zum Eingang
immer am Zaun entlang, diese Richtung bitte...
War hier irgendwo Ironie versteckt?
Es ist so bequem, unmündig zu sein. (Immanuel Kant)
Ich zahl aber nicht mehr, ich sitze im gleichen Laden, mal länger mal kürzer, immer für den gleichen Preis. Den anderen Friseurladen, der vielleicht besser und teurer ist könnte ich mir aussuchen, kann ich in unserem Gewerbe aber nicht. Fahrt von A nach B schafft der andere Kollege auch nicht schneller und nur wenn doch wäre ich doch auch bereit mehr zu zahlen und nicht dafür, dass es länger dauert. Mehr Leistung(schneller) - mehr bezahlen. Bei uns teilweise - schlechtere Leistung - mehr bezahlen. Und keiner bei uns möchte sich an eine Gesamtkalkulation und Marktforschung wagen, noch darüber nachdenken, welche Strukturen dem teilweise im Weg stehen.eichi hat geschrieben:@ Filou
Dein Vergleich mit den Festpreisen beim Friseur ist leider nicht stichhaltig!
Denn es gibt gute und schlechte Haarschnitte. Wenn die Friseurin sich mehr Mühe gibt und
auch noch das letzte zu lange Haar erwischt und alles akkurat und gleichmäßig schneidet dauert es
eben etwas länger. Und wenn es dann auch nach der ersten Nacht immer noch gut ausssieht, ist der
höhere Zeitaufwand => höhere Preis gerechtfertigt!
Dass war dahingehend gemeint, dass ich als besetzte Taxe auf den Kunden irgendwo warten muss, Tankstelle, Einkaufen, Hotel einchecken etc..taxidriver_007 hat geschrieben:Zitat filou:
"Auf den Kunden irgendwo zu warten und dafür nicht bezahlt zu werden geht natürlich nicht in Ordnung. Doch sollten wir wirklich die durch Stau bedingte Wartezeit entlohnt bekommen?"
Wir warten auf die Kunden, OHNE dafür bezahlt zu werden, das ist OK.
