Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Personenbeförderungsrecht, Taxitarife.
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jr
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Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von jr » 03.01.2014, 21:36

Da andernorts gerade Pflichtfahrgebietsdefinitionen im Fokus stehen, möchte ich ich hier eine andere Tarifseltsamkeit zur Diskussion stellen. Über die Formulierung bin ich vor Jahren mal gestolpert und wurde jetzt beim Aktualisieren meiner Tarifsammlung wieder auf sie aufmerksam.
Taxitarif der Stadt Landau hat geschrieben:
(2) Jede Fahrt ist auf dem für den Fahrgast preisgünstigsten Weg durchzuführen, soweit nicht der Fahrgast ausdrücklich die Zurücklegung einer anderen Strecke verlangt.

Wattwurm
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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von Wattwurm » 03.01.2014, 22:16

Taxitarif der Stadt Landau hat geschrieben:
(2) Jede Fahrt ist auf dem für den Fahrgast preisgünstigsten Weg durchzuführen, soweit nicht der Fahrgast ausdrücklich die Zurücklegung einer anderen Strecke verlangt.
Mein Vorschlag wäre: Jede Fahrt ist auf dem kurzmöglichstem Weg durchzuführen, soweit nicht der Fahrgast ausdrücklich die Zurücklegung einer anderen Strecke verlangt.

Für den Fahrgast die preisgünstigste Strecke, das kann auch eine unbefestigte Knüppelpiste sein, bei dem ich mir meine Federbeine breche, die Stoßdämpfer ruiniere und mir die Radkappen wegfliegen! Die für den Fahrgast preisgünstigste Strecke kann auch über eine morsche vom Holzwurm zerfressene Holzbrücke über die Hunte führen!

Die preisgünstigste Strecke .... eine etwas unglückliche Formulierung!

Juskwe
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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von Juskwe » 03.01.2014, 22:22

Geschickte Formulierung um den Taxifahrer auch noch für Staus verantwortlich zu machen.
Wenn es keine Karenzminute gibt, dann muss der kürzeste Weg nicht der preisgünstigste sein.

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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von Juskwe » 03.01.2014, 22:23

Geschickte Formulierung um den Taxifahrer auch noch für Staus verantwortlich zu machen.
Wenn es keine Karenzminute gibt, dann muss der kürzeste Weg nicht der preisgünstigste sein.

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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von am » 04.01.2014, 00:11

Ich finde die Regelung den Erfordernissen entsprechend gut.

Sie ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll.
Es gibt kein gefährliches Halbwissen, aber zu viele schlechte Informationen.

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Thomas-Michael Blinten
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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von Thomas-Michael Blinten » 04.01.2014, 00:54

Wattwurm hat geschrieben:....Die preisgünstigste Strecke .... eine etwas unglückliche Formulierung!
Nun, ich biete meinen Kunden immer die kurze, die schnelle oder die ökonomische Strecke zur Auswahl an....funktioniert wunderbar und hat noch nie Probleme gegeben.
Allerdings haben wir hier auch keine morschen Brücken über irgendwelche Wummen oder Knüppelpisten mit Achsbruchgarantie :wink:

Letztendlich ist dem Kunden egal ob die Strecke nun 50 m länger oder kürzer ist, wenn er sagt er möchte die kürzeste Strecke fahren meint er damit:
Schnell und Preiswert, alles andere ist Haarspalterei.
Ich habe noch nie erlebt das mich einer wegen 100 m verklagt hat, solange er schnell und zum angemessenen Preis zum Ziel kam.
„Alle sind irre, aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht wird Philosoph genannt" (Ambrose Bierce)

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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von TWG » 04.01.2014, 01:25

Hallo,

ich fahr zwar noch längst nicht solange wie TMB, hab aber hier im gleichen Dorf die Erfahrung gemacht, wenn FG meint, er kennt sich aus, wählt er zu 90% die teuerste mögliche Strecke.
Am besten sind die "fahr mal los, ich zeig dir den Weg, die Strasse kennst du sowieso nicht!" Hat schon zu 30km Autobahnrundfahrten geführt, wo man auch einfach 8km durch die Stadt fahren könnte.
Aber der FG ist König und seine Strecke mein Befehl!
Pflicht ist natürlich, grundsätzlich vor Fahrtbeginn den FG zu fragen, welche Strecke er fahren möchte!
Bei ausländischen Messegästen fahr ich grundsätzlich nach Navi, (im w212 gut für FG zu erkennen), hab damit nur gute Erfahrung gemacht ("oh, you driving with GPS, its okay"), kommt immer gut beim TIP.
Vor allem, wenn er beim Hinweg 35,-€ bezahlt hat und auf dem Rückweg nur 27,50 € auf der Uhr stehen! Das er auf dem Hinweg im Stau gestanden hat, auf dem Rückweg nicht, wird den meisten Messegästen eh nicht klar.

Gruß aus Düsseldorf
Thomas

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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von bonscott » 04.01.2014, 03:31

jr hat geschrieben:
Taxitarif der Stadt Landau hat geschrieben:
(2) Jede Fahrt ist auf dem für den Fahrgast preisgünstigsten Weg durchzuführen, soweit nicht der Fahrgast ausdrücklich die Zurücklegung einer anderen Strecke verlangt.
Im Prinzip hieße das Fahrrad fahren oder den Bus nehmen. Als "Weg" kann man ja auch die Art der Beförderung ansehen.
Zuletzt geändert von bonscott am 04.01.2014, 03:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von jr » 04.01.2014, 05:35

Wohl dem, der immer das passende Equipment dabei hat. ;-)

Ich sehe in der Landauer Formulierung einen Verstoß gegen das Bestimmtheitsgebot. Der Fahrer kann die Vorgabe der Verordnung nicht erfüllen, da der Zeitfaktor einfließt, auf den er keinen Einfluß hat. Allein die Forderung nach dem kürzesten Weg (koste er im Endeffekt, was er wolle) könnte dem abhelfen. Wenn die Tarifordnung vom Fahrer verlangt, den Fahrgast in Fällen eines absehbar krassen Mißverhältnisses zwischen kürzestem und preisgünstigsten Weg auf die Alternativen aufmerksam zu machen, mag das aber zweckmäßig sein.

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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von pauline » 04.01.2014, 11:58

Ich sehe in der Landauer Formulierung einen Verstoß gegen das Bestimmtheitsgebot
Ich auch. Insbesondere bei Auseinandersetzungen zwischen Kunde und Kutscher über den korrekten Fahrpreis. Dass ein anderer Weg preiswerter oder teurer gewesen wäre, lässt sich schlicht nicht beweisen. Ein Schlichter wäre hier auf Vermutungen angewiesen. Und diese sind nun mal nicht justitiabel.
Ein verantwortungsvoller Dienstleister sollte von sich aus die für den Kunden günstigste Variante wählen. In Hamburg ist dies aufgrund der Karenzminute (fast) immer der kürzeste Weg. Wenn Landau zum Beispiel eine historische Altstadt mit engen und vollgeparkten Gassen hat, sieht das natürlich anders aus.

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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von der Clown » 04.01.2014, 21:16

Die Landauer Formulierung ist weniger beachtenswert, weil es sich meistens um minimale Abweichungen handeln kann und juristisch aus Mangel am öffentlichen Interesse eingestellt wird. Und sofern die Behörde sich trotzdem die Mühe zur Klärung machen sollte und ein Gericht der Klage statt gibt, dann berufe ich mich auf die zweite Bedingung der Formulierung und poche auf die Absprache mit dem Kunden. Es gibt keine Ton- oder Bildaufzeichnungen im Taxi und somit steht Aussage gegen Aussage.
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Re: Taxitarif: Preisgünstigster Weg

Beitrag von nightrider » 04.01.2014, 21:38

Meistens heißt die Formulierung in der Taxiordnung:

Wird nichts anderes vereinbart hat der Taxifahrer den kürzesten zumutbaren, erlaubten Weg zu nehmen.

Das bedeutet vor allem keine gesperrten Strassen, und auch keine unzumutbaren, wie Feldwege usw... In der Praxis gibt es nur wenige Kunden die sich beschweren und denen sage ich ganz einfach sagen sie wie sie fahren wollen/würden, dann machen wir das so, aber ohne Wald- und Wiesenwege, meistens kommt dann ein viel weiterer Weg heraus.

Doch Kunden wie Fahrer sind „Gewohnheitstiere” jeder fährt meistens gewohnte Routen und jede Abweichung wird subjektiv als Umweg empfunden.

Neulich wollte ein Kunde von einem Ender der Stadt zum Anderen, da er nichts gesagt hat bin ich statt über die Autobahn Nachts um 2 wo nichts los war durch das Stadtgebiet gefahren. Mittendrin meinte er das ist aber ein ganz schöner Umweg, ich sagte nur warten wir es ab.
Am Ziel angekommen stellte der Fahrgast fest, „das war jetzt sogar 1,50 Euro billiger als sonst, wenn ein Kollege die Autobahn nimmt”. Er sagte noch, „so kann man sich täuschen” gab ein gutes Trinkgeld und verabschiedete sich. ;-)
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