Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

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Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von Interessant » 10.10.2024, 19:29

Lohnt es sich im Jahre 2024 noch ein Taxiunternehmen zu gründen/zu expandieren?

Ich habe die Möglichkeit einen kleinen Betrieb zu übernehmen (1x Konzession) und spiele mit dem Gedanken das Unternehmen durch den Erwerb neuer Konzessionen zu erweitern. Die Grundidee ist es potenziell erst einmal 3 weitere Fahrzeuge anzuschaffen (u.a Rollstuhlgerechte Fahrzeuge um den Fokus auch auf Krankenfahrten zu setzen). Das ganze würde in einer relativ kleinen/mittelgroßen Stadt stattfinden (ca. 250.000 Einwohner), in der das Geschäft ganz gut läuft. Auch Abends (am Wochenende) besteht Bedarf, da es hier einige Clubs gibt welche das Nachtgeschäft am laufen halten. Aktuell gibt es hier kein Uber, aber mir ist bewusst das sich das jederzeit ändern kann. Wie ich bereits erwähnt habe, möchte ich den Fokus auf Krankenfahrten setzen & eventuell im Laufe der Zeit expandieren und Mietwagenkonzessionen zulegen, um auch Liegend/Tragestuhlfahrten anbieten (unqualifizierter Krankentransport). Die Idee ist es also erstmal ins Taxigeschäft einzusteigen & im Laufe der Zeit das ganze mit dem (unqualifizierten)Krankentransport zu kombinieren. In dieser Stadt gibt es sehr viele alte Leute & natürlich auch einige Krankenfahrdienste. Die Nachfrage ist jedoch enorm hoch & die Fahrdienste haben viel zu tun und sind oftmals ausgelastet. Ist das ganze lukrativ und lohnt es sich überhaupt, wenn man selbst nicht fährt und sich nur auf die unternehmerischen Tätigkeiten fokussiert. Mir ist bewusst, dass es relativ schwierig ist passendes Personal zu finden, dennoch würde ich mich über eure Meinungen freuen!

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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von KehrenTAXI » 12.10.2024, 10:41

Wenn du nicht selber fahren möchtest, wirst du nicht geeignet sein, dein Personal zu führen. Auch wenn der Umsatz hoch ist, fressen dich die Kosten auf. Der Personaleinsatz ist nicht zu finanzieren. Ich rate dir ab.
freundlichst ;-)

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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von Talbot » 12.10.2024, 12:00

Haben seit über 30 Jahren Taxi. Ich fahre ohne Lohn, mein Mann (Gründer) zahlt sich Mindestlohn, Büroarbeiten bezahlt er sich nicht. Die Kassenverträge, vor allem AOK sind grausam. DAK wollte uns zu Betrug auffordern (Fahren im Pflichtfahrgebiet unter dem Taxitarif) Und woher bekommst du Personal, vor allem für die Nachtfahrten - denn mit Taxi hast du 7 Tage die Woche 24 Stunden Pflicht. Urlaub habe ich seit 18 Jahren nicht mehr gemacht! Viel Spaß beim Träumen!

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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von Oldtimer » 12.10.2024, 12:07

Hi,

anders ausgedrückt: Wenn du keine praktische Fahrerfahrung hast, solltest du dir diese erst mal aneignen, damit du weisst, wovon du redest.
Fahrpersonal mit Erfahrung wächst in der Tat nicht auf den Bäumen, und da jeder halbwegs gesunde Mensch heutzutage den Taxischein nachgeworfen bekommt, kannst du dir die Qualifizierung der eventuellen Berwerber sicher vorstellen.

Was die Krankenbeförderung als solche betrifft, ist es ein echtes Highlight, sich mit den Kassen um Preise zu streiten. Die damit verbundene Verwaltung ist für einen Einzelunternehmer nicht mehr zu stemmen, und qualifiziertes Büropersonal ist teuer.

Fazit: Wenn überhaupt, dann mit einer Taxe erst mal ein, zwei Jahre fahren und umfassende Kenntnisse und Erfahrungen sammeln.

Ansonsten kann ich den Kollegen nur beipflichten. Leider.

Grüsse, Ulli
Zuletzt geändert von Oldtimer am 12.10.2024, 12:10, insgesamt 2-mal geändert.

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C.L.
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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von C.L. » 14.10.2024, 08:08

Hallo,
ich würde das so formulieren wollen:
Aktuell ist es doch weder erwünscht, noch lukrativ, sich als Kleinbetrieb im besten Deutschland aller Zeiten selbständig zu machen. Die Bürokratie ufert immer mehr aus, deine Steuern und Abgaben werden von Schreibtischtätern in der Verwaltung verballert. Niemand dankt es dir, dass du 60 Stunden in der Woche für ein Almosen arbeitest.

Dazu sind Fahrzeuge aktuell teurer denn je und alles, was so dazu gehört ebenfalls. Mein Kumpel zahlt immer noch 350€ pro Monat für seine Taxi Versicherung. Gutes Personal ist fast unmöglich zu finden, alles Glücksritter ohne Bezug zu diesem Job. Die Zukunft im Gewerbe gehört, auch hofiert von der Politik, Großkonzernen und wir kleinen Krauter sollen schnellstmöglich verschwinden. Gerne auch im Bürgergeld, weil die aktuelle Regierung Umverteilung priorisiert.

Ich mache noch ein paar Jahre weiter, auch weil meine Kosten für den Betrieb wirklich ganz unten angekommen sind, ansonsten lass da bloß die Finger von.

Grüße C.L.
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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von KehrenTAXI » 14.10.2024, 12:00

Das kann man grundsätzlich so nicht sagen. Es kommt auf die Betriebsgröße und auf die Branche an. Je kleiner, je feiner.

Man kann nicht nach Regulierung schreien und dann Regulierung ablehnen.
Zuletzt geändert von KehrenTAXI am 14.10.2024, 12:01, insgesamt 1-mal geändert.
freundlichst ;-)

Stefan Kehren


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Scotty6986
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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von Scotty6986 » 15.10.2024, 19:34

Ich kann auch nur maximal davon abraten. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb bestehend aus Vater und Sohn, Betrieb seit 1980. Wo mein alter Herr zwischen 1980 - 2010 noch gut leben konnte, geht es RAPIDE Bergab mit dem Gewerbe. Was früher Wohneigentum war, reicht heute nicht mal mehr für Miete.
Immer mehr kontrolle für ein paar Mücken, immer mehr Bürokratie, immer weniger in der Tasche. Betriebskosten am Anschlag, Reingewinn praktisch gleich null. Willst du neue Fahrer die dir nicht alle 2 Wochen die Karre in den A*** fahren, Träum weiter. Die auf die man sich verlassen kann, wirste nicht mehr finden, weil diese nun in anderen Branchen zuhause sind. Findest du doch fähige und brauchbare Mitarbeiter, geht unter 16€ die Stunde plus Feiertags - und Nachtzuschläge, garnichts mehr. Wer stellt sich bei der Jobauswahl noch für 12,50€ die Stunde hin und liefert dann noch gute Umsätze? Träumerei. Leider. Sei so schlau, und erkenne das Problem, bevor du mitten drin steckst. Einmal drin, kommst nur sehr schwer wieder raus, besonders wenn du dir gleich mehrere Fahrzeuge und Konzessionen ans Bein nagelst. Dann ziehste das Bein nur noch hinterher...


Grüße Scotty
Zuletzt geändert von Scotty6986 am 15.10.2024, 19:35, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße Scotty

Timeus
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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von Timeus » 05.03.2026, 14:54

Servus alle miteinander,

wir haben nun das Jahr 2026 und ich spiele mit dem Gedanken schon seit längerer Zeit, in das Taxi-Geschäft einzusteigen. Oftmals habe ich von Fahrern und Unternehmern gehört, dass sich die Arbeit wohl nicht mehr lohnen bzw. rentieren würde, wenn man die Zahlen mit den Jahren zuvor vergleiche: keine direkte konkurrenz wie UBER, Bolt und Co.

Ich persönlich sehe es jedoch anders. Es kann auch eventuell daran liegen, dass ich vor Corona und der großen Konkurrenz nicht gefahren bin und demnach keinen Anhaltspunkt habe, jedoch ist es das, was ich sehe, für mich wiederum ausreichend bis lukrativ.

Ich selbst fahre jetzt seit 2 Jahren aktiv Taxi und habe mir einen guten Überblick verschaffen können, wie das Geschäft im Grunde funktioniert. Ein recht solides Umfeld habe ich mir in der Zwischenzeit ebenfalls aufbauen können. Die Sachkundeprüfung habe ich Anfang Dezember erfolgreich bestanden.

Seit Anfang 2026, wie jeder bereits weiß, ist die Pflicht eines Fiskaltamaters vorgeschrieben, welches ich ebenfalls gutheiße, um Schwarzarbeit oder Sozialversicherungsbetrug zu unterbinden. Aus diesem Grund jedoch verkaufen viele Unternehmer ihre Konzessionen, da sie keine Probleme mit dem Finanzamt oder den zuständigen Behörden erlangen möchten. Wäre theoretisch nicht nötig, wenn man über die Jahre alles richtig und sauber dokumentiert hätte. Naja, eine Tür schließt sich für den einen und öffnet wiederum eine neue für den anderen.

Ich plane eine GbR mit einem Kollegen zu gründen und wir stehen nun vor der Debatte, ob wir ein Gewerbe mit 2 oder 3 Konzessionen gründen sollten. Dabei würde ich gerne euren Rat einholen.
Kurze Infos zu unserer Wenigkeit: ich kann durchaus ein fahrzeug übernehmen oder eben als "springer" dienen, falls der eine oder andere mitarbeiter mal gerade ausfällt. der Kollege könnte abends auch immer mal wieder einspringen, nicht so oft wie ich, jedoch des öfteren.

Einige Randinformationen zu den beiden Fällen:

Fall 1, 2 Konzessionen (wollte mir auf die frage, ob ich doch eine BWA sehen könnte, nichts vorlegen)

Beide Fahrzeug abbezahlt, Fiskal eingebaut.

Fahrzeug 1: 300.000 km runter
Fahrzeug 2: 200.000 km runter

1.) 3 Mitarbeiter, davon 2 Vollzeit und einer als Aushilfe beschäftigt
2.) Ein Fahrzeug hat fixe Schulfahrten ( 5 tage die Woche)
3.) Kfz Versicherungen pendeln sich insgesamt auf 600 euro pro monat ein
4.) Gebühren der Zentrale, 600 euro/m


Fall 2: 3 Konzessionen ( wollte mir selbst die BWA auf anhieb vorlegen)

Alle Fahrzeuge abbezahlt, Fiskal eingebaut.

Fahrzeug 1: 300.000 km runter
Fahrzeug 2: 300.000 km runter
Fahrzeug 3: 300.000 km runter

1.) 6 Mitarbeiter, davon 5 Vollzeit und einer als Aushilfe beschäftigt
2.) Keine festen schul oder krankenfahrten
3.) Kfz Versicherungen pendeln sich insgesamt auf 1600 euro pro monat ein
4.) Gebühren der Zentrale, 1000 €/m

DIe Variablen Kosten enthalte ich euch, da diese im Wesentlichen immer vorliegen werden.

Preislich tut sich da nicht viel, Aufpreis einer Konzession eben.

Meine Frage wäre nun, welches Paket mehr Sinn machen würde? Mich persönlich spricht Fall 2 mehr an, da dieser alles schwarz auf weiß vorlegen kann. der erste Fall wiederum macht mich etwas stutzig. Meine einzige Sorge ist um ehrlich zu sein, von den massiven Fixkosten überrollt zu werden, wenn zeitgleich mal 3 Fahrer ausfallen sollten. Ja, mir ist im klaren, dass es das Unternehmerrisiko darstellt. Jedoch würde ich mal von den erfahrenen Hasen gerne die Meinung einholen.

Für eure Mühen und Hilfe bedanke ich mich im Voraus.

LG Jan

KehrenTAXI
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Re: Taxiunternehmen/Krankenfahrdienst im Jahr 2024 gründen?

Beitrag von KehrenTAXI » 06.03.2026, 09:26

Keines von beiden.

Es gibt keine fixen Kunden. Die Kundschaft ist beweglich und sie kann wechseln. Bzw. gerade bei Schülerverkehren geht es um Ausschreibungen. Du kannst diese Kunden nicht problemlos übernehmen! Diese sind auch immer zeitlich begrenzt. Bei 5 Vollzeitlern würde ich mit 12.500,00 € pro Monat sicher kalkulieren, die du liegen haben solltest. Aushilfen arbeiten nahezu alle illegal. Kfz -Versicherungen steigen drastisch seit Jahren an. Noch krasser ist es nach selbstverschuldeten Unfällen. Meist lohnt sich dann nur der Schadenrückkauf. Also, selbst zahlen. Die Schäden an den Fahrzeugen sind extrem teuer zu beseitigen. Und die kommen. Überlege dir einfach, ob du denkst, dass du dir selbst deine Arbeitskraft in deinem jetztigen Arbeitsplatz finanzieren könntest, bzw. ob dein Unternemer etwas daran verdienen kann, wenn du und dieser sauber abrechnet. Inkl. Rücklagenbildung. Wie wird sich der Markt entwickeln? Optimismus alleine ist gut aber reicht leider nicht. Dann, viel Glück und Erfolg!
freundlichst ;-)

Stefan Kehren


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