Frage zur Schichteinteilung

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Frage zur Schichteinteilung

Beitrag von rechercher » 16.08.2018, 14:49

hallo liebe leute,

ich befinde mich zurzeit in recherche zu einem romanprojekt. meine protagonistin ist taxifahrerin in frankfurt. sie arbeitet für ein kleines taxiunternehmen, allerdings fährt sie ohne zentralfunk. die autos stellt quasi der chef, die fahrer sind allerdings auf sich selbst angewiesen - sprich keine kundschaft per funk, sondern durch abklappern gut besuchter orte etc. handzeichen und so weiter. sie muss von dem, was sie aufs taxameter per kunde verdient 60% an ihren chef abtreten.
nun meine frage: ist es realistisch, dass es in diesem konzept eine art 'dienstplan' gibt, nach dem die fahrer für diesen taxiunternehmer in die einzelnen schichten eingeteilt werden? denn im grunde, da kein festgehalt, fahren die mitarbeiter ja auf eigene faust - könnte ja sein, dass da einfach jeder so viel und vor allem dann nur fährt, wenn es ihm passt?
falls aber doch mit dienst/schichtplan, kann es dann mal vorkommen, dass ein anruf vom chef kommt, mit der bitte, dass man morgen eine schicht übernimmt, weil ein anderer fahrer krank ist und sonst 'zu wenig autos auf der straße wären' (also autos von eben diesem unternehmen)?

vielen dank schonmal.
lg
rech

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Re: Frage zur Schichteinteilung

Beitrag von LRKN » 16.08.2018, 22:02

Es gibt Dienstpläne für angestellte Fahrer, wenn in der Regel auch mehrere Fahrer auf dem Auto sitzen. In Hamburg gibt es fast keine Taxis ohne Funk die nur von einem Angestellten gefahren werden. Das haben die örtlichen Behörden unterbunden. In Frankfurt kann es auch wegen dem Flughafen anders sein. Also wenn dort ein Angestellter alleine ein Taxi fährt gibt es eigentlich kein Schichtplan ausser, das der Fahrer einen Mindestumsatz fahren muss (sonst rechnet sich das nicht). Aber wann er fährt bleibt dann ihm überlassen.

In deinem Fall ist es also schon plausibel mit dem "ich fahre wann es mir passt".

Das der Chef dann anruft, weil einer Krank ist und ein anderer übernehmen soll, ist in Großstädten extrem unüblich. Im ländlichen kommt es vor. Aber wenn mich ein Chef anrufen würde um eine andere Schicht zu übernehmen, muss er das schon sehr gut begründen.

Es gibt aber angestellte "Springer" die eigentlich nichts anderes machen, als Schichten zu übernehmen. Die fahren unregelmäßig, machen das als Zweitjob oder nur temporär. Die rufen dann meist den Unternehmer an, fragen ob eine Schicht z.B. Samstagnacht frei ist und wenn da einer Krank ist übernimmt er die Schicht.

Ich hoffe ich konnte helfen und viel Glück beim schreiben.

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Re: Frage zur Schichteinteilung

Beitrag von Löwenzahn » 16.08.2018, 23:19

Ich glaube Taxi fahren ist kein Job um alt zu werden, sondern um zu sterben. :mrgreen: Metaphorisch gesprochen.

Ich meine damit, es gibt so viele Jobs, die man machen könnte. Stattdessen stürzt man sich in die Ausbeutung.
Zuletzt geändert von Löwenzahn am 16.08.2018, 23:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Frage zur Schichteinteilung

Beitrag von sivas » 17.08.2018, 01:39

Taxifahren ist ein Job, um mit ihm alt zu werden ... und dann zu sterben.

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Re: Frage zur Schichteinteilung

Beitrag von rechercher » 17.08.2018, 12:36

LRKN hat geschrieben:Es gibt Dienstpläne für angestellte Fahrer, wenn in der Regel auch mehrere Fahrer auf dem Auto sitzen. In Hamburg gibt es fast keine Taxis ohne Funk die nur von einem Angestellten gefahren werden. Das haben die örtlichen Behörden unterbunden. In Frankfurt kann es auch wegen dem Flughafen anders sein. Also wenn dort ein Angestellter alleine ein Taxi fährt gibt es eigentlich kein Schichtplan ausser, das der Fahrer einen Mindestumsatz fahren muss (sonst rechnet sich das nicht). Aber wann er fährt bleibt dann ihm überlassen.

In deinem Fall ist es also schon plausibel mit dem "ich fahre wann es mir passt".

Das der Chef dann anruft, weil einer Krank ist und ein anderer übernehmen soll, ist in Großstädten extrem unüblich. Im ländlichen kommt es vor. Aber wenn mich ein Chef anrufen würde um eine andere Schicht zu übernehmen, muss er das schon sehr gut begründen.

Es gibt aber angestellte "Springer" die eigentlich nichts anderes machen, als Schichten zu übernehmen. Die fahren unregelmäßig, machen das als Zweitjob oder nur temporär. Die rufen dann meist den Unternehmer an, fragen ob eine Schicht z.B. Samstagnacht frei ist und wenn da einer Krank ist übernimmt er die Schicht.

Ich hoffe ich konnte helfen und viel Glück beim schreiben.
hallo lrkn,

vielen dank für die hinweise, die ich gut gebrauchen kann. eine frage noch: angenommen, es ist im falle meiner protagonistin so und sie fährt als angestellte alleine ein taxi, wie sähe so ein geforderter mindestumsatz aus? in welcher höhe liegt der realistischerweise? und vor allem: ist eine abgabe von 60% an den chef nachvollziehbar - oder zu hoch/niedrig ...
und an die frankfurter fahrer: irgendwelche erfahrungen mit fahren ohne funk/bzw. ein taxi auf einen angestellten?

vielen dank nochmal.

rech

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Re: Frage zur Schichteinteilung

Beitrag von LRKN » 18.08.2018, 13:27

rechercher hat geschrieben:eine frage noch: angenommen, es ist im falle meiner protagonistin so und sie fährt als angestellte alleine ein taxi, wie sähe so ein geforderter mindestumsatz aus? in welcher höhe liegt der realistischerweise? und vor allem: ist eine abgabe von 60% an den chef nachvollziehbar - oder zu hoch/niedrig ...
und an die frankfurter fahrer: irgendwelche erfahrungen mit fahren ohne funk/bzw. ein taxi auf einen angestellten?
Das ist eine grundsätzlich eine Rechenaufgabe. Wenn du von 40% des Umsatzes ausgehst, die Dame sagen wir mal 10€ Brutto die Stunde verdienen will und 40 Stunden die Woche fährt dann kommst du auf 1.000€ Euro Mindestumsatz pro Woche. Was widerrum ca. 25€ Umsatz die Stunde bedeutet. Das ist meiner Erfahrung nach auf einem Taxi ohne Funk sehr schwer zu realisieren.

Die 60% halte ich für zu hoch aber noch im Rahmen was möglich ist. Realistischer bei Taxis ohne Funk sind eher 55%. Bei Ausbeuter-Unternehmer (wenn der Charakter darauf ausgelegt sein soll) könnte dies so durchgehen. Die beschäftigen dann auch gerne Fahrer die charakterlich schwach sind, illegal Beschäftigt werden (Schwarzarbeit) und sich nicht wehren (können). In dem Fall wäre es auch unwahrscheinlich, dass seine Fahrer nur 40 Stunden sie Woche fahren. 50-60 Stunden wären realistischer (was illegal ist aber immernoch praktiziert wird). Man muss auch sagen, dass eine einzelne Angestellte die nur 40 Stunden fährt den Wagen eigentlich nicht wirtschaftlich auslasten kann.

Wenn wir von einem realistischeren Umsatz von 18€/Stunde ausgehen, die Dame 2.000€ Brutto verdienen will und 40% bekommt musst du ca. 70 Stunden die Woche fahren.

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