Die Taxianzahl in Berlin

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miamivice
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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von miamivice » 21.09.2018, 01:49

Löwenzahn hat geschrieben:Ja Gott hat es so gewollt, dass der Taximarkt Konkurrenz bekommt. Und mal ganz ehrlich, es ist schon dummdreist den Fahrgästen verbieten zu wollen, sich per App ein Mietwagen zu bestellen.
Damit wechseln Sie in das Lager von Travis Kalanick über: "Ein A.rschloch namens Taxi." Ein Mietwagen, der im Vergleich zu Taxen etwas billiger Taxidienstleistungen erbringt, ist ein Billig-Taxi. Ein Kunde, der ein Billigtaxi per App an den regulären Taxen vorbei ordert, profitiert von Gesetzesdeformationen. UBER funktioniert u.a. dadurch, weil es A.rschlöcher gibt, die das Taxigewerbe verraten und ausverkaufen.

Das Taxigewerbe bekommt normalerweise dadurch Konkurrenz, daß neue Taxikonzessionen ausgegeben werden und mit denselben modernste Fahrzeuge angeschafft werden. Als "dummdreist" erscheint vielmehr anzunehmen Kalanick hätte Taxifahren neu erfunden.

Gott will nicht, daß das Taxigewerbe Elendskonkurrenz bekommt, damit das Taxigewerbe weiter destabilisiert. Gott haßt Dumping und Verslumung.

Warum sollten Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Bus, Bahn Elendskonkurrenz bekommen? Worin liegt der evolutionäre Vorgang?

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von Löwenzahn » 21.09.2018, 10:29

Und Sie befinden sich in das andere Lager, welches Konkurrenz auslöschen will.

Es ist dummdreist Konkurrenz zu vernichten. Es ist intelligenter sich gegen Konkurrenz zu behaupten. Das tun Mietwagen Apps derzeit ziemlich erfolgreich.

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von Löwenzahn » 21.09.2018, 11:56

Die Stärken der Taxifahrer liegen vor allem in der Ortskunde. Solange dieses Merkmal in den Köpfen jedes Fahrers hängen bleibt, wird das Gewerbe auch Beständigkeit haben.

Für Kunden bleibt Taxi deshalb attraktiv, weil vor allem Terminfahrten eingehalten werden. Ein Mietwagenfahrer hat ein wesentliches Defizit: Er lernt nicht aus seinen Touren. Er merkt sich nicht, welche Strecken man schneller fahren kann und welche nicht. Er merkt sich keine Baustellen. Er merkt sich auch keine Bodenbeschaffenheiten wie Kopfsteinflaster und wie man diese komfortabel bewältigt. Er merkt sich nicht wann man sich in welche Fahrspur einreiht um noch schneller Folgekreuzungen zu bewerkstelligen. Und er wird sich bestimmt auch nicht merken, wann man bremst und wann man beschleunigt.

Kurzum: Der Verkehr wird einen Mietwagenfahrer ausbremsen. Zügig und dabei angenehm fahren nur Taxifahrer.

Es gilt also Qualität zu sichern.

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von miamivice » 21.09.2018, 12:07

Löwenzahn hat geschrieben:Es ist dummdreist Konkurrenz zu vernichten. Es ist intelligenter sich gegen Konkurrenz zu behaupten. Das tun Mietwagen Apps derzeit ziemlich erfolgreich.
UBER ist kein klassischer Konkurrent, sondern Raubtaxi in Form der Taxitarifunterbietung. Taxigewerbe sieht keine Konkurrenz im Sinne einer billigen Raubkopie vor. Taxigewerbe steht auch ohne Konkurrenz unter Erfolgsdruck, weil es ÖPNV ist. Warum sollte Taxi verschwinden und UBER nachrücken? Weil es für Geiz-ist-geil-Kunden billiger ist? Verleiht eine internationale Taxibestell-App das Recht alteingesessene Taxifunkzentralen auszuschalten? Eine Mietwagen-App, welche Billigtaxis herbeiordert, ist eine Billig-Taxi-App. Es ist neuerdings "Recht" und "Gesetz" als Billigheimer-Taxi das offizielle Taxigewerbe "herauszufordern" bzw. zu "ergänzen". Taxitarif-Unterbietung sei innovativ, sei der Inbegriff fairen Wettbewerbs. Soll das offizielle Taxigewerbe "Innovations"-Weltmeister werden indem es wiederum UBER-Raubtaxen unterbietet? Ist das Inbegriff von "Behauptung" gegen "Konkurrenz"? In einem funktionierenden Rechtsstaat sollte eine internationale Heuschrecke nicht in den ÖPNV eingreifen können.

Lieber Löwenzahn, Kalanick bzw. Nachfolger sind Meister im Umgang mit dummdreisten Besserwisser-Deutschen. Erstere verspeisen letzere zum Frühstück.

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von miamivice » 21.09.2018, 12:28

Löwenzahn hat geschrieben:Ein Mietwagenfahrer hat ein wesentliches Defizit: Er lernt nicht aus seinen Touren. Er merkt sich nicht, welche Strecken man schneller fahren kann und welche nicht. Er merkt sich keine Baustellen. Er merkt sich auch keine Bodenbeschaffenheiten wie Kopfsteinflaster und wie man diese komfortabel bewältigt. Er merkt sich nicht wann man sich in welche Fahrspur einreiht um noch schneller Folgekreuzungen zu bewerkstelligen. Und er wird sich bestimmt auch nicht merken, wann man bremst und wann man beschleunigt.

Kurzum: Der Verkehr wird einen Mietwagenfahrer ausbremsen. Zügig und dabei angenehm fahren nur Taxifahrer.
Interessante Theorie, Löwenzahn. Kurzum, Mietwagenfahrer seien dümmer als Taxifahrer. Für die Heute-Show erscheint es nicht witzig genug, für den Praxisalltag ist es unsinnig, für Juristen aber könnte es Inspirationsquell sein. Vielleicht lernt der Jurist aufgrund Ihrer grundlegenden Feststellungen besser zwischen Mietwagen und Taxi zu unterscheiden.

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von Löwenzahn » 21.09.2018, 17:12

Dümmer vielleicht... Bequemer auf jeden Fall!

Ein Taxifahrer muss die Ortskundeprüfung ablegen. Ein Taxifahrer muss wissen, wie man am schnellsten zum Sektor kommt. Warum? Weil die Kunden spontan bestellen.

Du glaubst doch nicht etwa allen Ernstes, dass sich ein Mietwagenfahrer das Wissen aneignet, was sich ein Taxifahrer im Vorfeld aneignen muss.

Es wäre mir auch neu, dass sich ein Mietwagenfahrer Strategien entwickelt, wie er den Tag bestreitet.

Man darf die Intelligenz durchaus mal vergleichen. Aber Fakt ist, dass Taxifahrer engagierter sind. Und dieses Engagement ist ein weiteres Qualitätsmerkmal.

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Beitrag von miamivice » 27.06.2019, 08:46

Ein Kontrolle der Taxameterstände in einem Mehrwagenbetrieb am 24.6. und 27.6.19 lieferte u.a. folgende Ergebnisse für ein und dasselbe Taxi:
  • Gesamte Arbeitszeit----13 Stunden 58 Minuten
    Taxameterpausen--------5 Stunden 32 Minuten
    Gesamtkilometer--------163
    Besetztkilometer---------93
    Touren----------------------18
    Bruttoumsatz-------------244,40 €

    Gesamte Arbeitszeit----13 Stunden 32 Minuten
    Taxameterpausen--------4 Stunden 46 Minuten
    Gesamtkilometer--------170
    Besetztkilometer--------111
    Touren----------------------15
    Bruttoumsatz------------264,90 €
Mit dem Kopf durch die Wand könnte man sagen. Solche Schichtabschreiber sieht man nun öfters in rechtsfreien UBER-Zeiten. Auf den ersten Blick scheinen die Umsätze nicht schlecht. Tatsächlich schafft der Fahrer (es dürfte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit bei beiden Schichten um denselben Fahrer handeln) in beiden Schichten nicht einmal 20 Euro Bruttoumsatz pro Stunde, er erreicht damit nicht den Mindestlohn. Die Zwangspausen von 5 Stunden 32 Minuten und 4 Stunden 46 Minuten haben mit einem geregelten Arbeitsalltag nichts zu tun. Solchermaßen staatlich verordnetes Siechtum erfüllt diverse Straftatbestände. Der Taxameter zeichnet auch die Schichtenanzahl auf, welche hier nicht angegeben wird. Offenbar waren mit diesem Taxi vom 22.6.19 oder 23.6.19 bis 27.6.19 früh eben nur diese zwei Schichten absolviert worden. Es ist anzunehmen, daß der Fahrer die Marathon-Schichten nicht an aufeinanderfolgenden Tagen gefahren ist.
Zuletzt geändert von miamivice am 27.06.2019, 08:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von sivas » 27.06.2019, 09:57

Kilometerpfennig: 150 | 156 Cent
Hin-Rück Verhältnis: 1,33 | 1,88
Fahrtstrecke pro Tour: 5,17 | 7,40 km
Umsatz pro Stunde: 17,50 | 19,57 €

Die Fahrdaten sind ok, eher sogar sehr gut. Die dafür aufgebrachte Zeit ist allerdings viel zu lang > die meiste Zeit gestanden ? > Hinweis auf Taxen Über-Angebot.
Dem können die Unternehmer dergestalt entgegensteuern, dass sie weniger Taxen auf die Straße setzen. Nur, wer fängt damit an ? ... gibt womöglich Konzessionen zurück.
Das Siechtum ist nicht staatlich verordnet ! Die Unternehmer bestimmen darüber, der Staat lässt es nur zu. Warum wohl ?

Die Taxameterpausen sind zu hinterfragen, waren es tatsächliche Pausen ? in welcher Stückelung ?

Interessant ist auch die Beantwortung folgender Fragen:
- Wo kamen die Fahrten her ?
- Wieviel davon waren (von Kassen bezahlte) Krankenfahrten ?
Zuletzt geändert von sivas am 27.06.2019, 10:29, insgesamt 8-mal geändert.

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Jim Bo
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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von Jim Bo » 27.06.2019, 23:55

Welcher Taxifahrer arbeitet denn freiwillig knapp 14 Stunden? Hat der kein Privatleben?

taxipost
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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von taxipost » 01.07.2019, 07:57

miamivice hat geschrieben:Ein Kontrolle der Taxameterstände in einem Mehrwagenbetrieb am 24.6. und 27.6.19 lieferte u.a. folgende Ergebnisse für ein und dasselbe Taxi:
  • Gesamte Arbeitszeit----13 Stunden 58 Minuten
    Taxameterpausen--------5 Stunden 32 Minuten
    Gesamtkilometer--------163
    Besetztkilometer---------93
    Touren----------------------18
    Bruttoumsatz-------------244,40 €

    Gesamte Arbeitszeit----13 Stunden 32 Minuten
    Taxameterpausen--------4 Stunden 46 Minuten
    Gesamtkilometer--------170
    Besetztkilometer--------111
    Touren----------------------15
    Bruttoumsatz------------264,90 €
    ...
was willst bei diesen temperaturen auch sonst machen, ausser
4 stunden mittagssiesta...

die berliner sen.verwalt.finanz. hat bereits vor jahren bestätigt,
taxameter ist kein gerät der arb.zeiterfassung.
wenn sich der AN nicht beschwert,
dass ihm arbeitszeit als pause angerechnet wurde,
dann wird er wohl pause gemacht haben.

in der heutigen zeit ist es normal,
dass AN sich zur pause am system abmelden, zb. raucherpausen,
und diese dann von der arb.zeit abgezogen werden.

der eugh erwartet sogar,
dass sowas durchgeführt wird.

oder vermutest du unter den 4-5 std. etwas anderes ?
betonung liegt auf "vermutest du".
Zuletzt geändert von taxipost am 01.07.2019, 07:59, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von KlareWorte » 01.07.2019, 08:55

Ich kenne keine Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor, die solche Pausenzeiten freiwillig machen bzw. tatsächlich nicht arbeiten. Da solche Pausenzeiten eher ungewöhnlich sind, werden diese im Arbeitsvertrag auch sicherlich erfasst sein.......

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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von taxipost » 03.07.2019, 06:25

welche pausen meinst du ?
miamivice hat hier nur "irgendwas" aus dem taxameter gepostet.
wir wissen nicht, welche pausenzeiten dem AN vom gehalt abgezogen wurden.

4-5 ist nur eine vermutung.
eine naheliegende vermutung.

ich vermute,
dass taxifahrer im "nachrückbereich airport DUS " pause machen.
Zuletzt geändert von taxipost am 03.07.2019, 06:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Taxianzahl in Berlin

Beitrag von miamivice » 26.07.2019, 14:19

Vom Thread "Klage gegen MOIA" hierher übertragen:
taxipost hat geschrieben:in B sind die konz.zahlen nicht rückläufig.
die zahl der taxen ist seit jahren konstant, mehr oder weniger.
die behörde hat also keinen grund einen ordentlichen antrag abzulehenen.

oder bist du der meinung,
dass du der einzige mit durchblick bist ?
Ich bin der Meinung, daß einige mit geradezu querulatorischem Nicht-Durchblick Threads notorisch überblähen. Es besteht geistige Verwandtschaft zum fürchterlichen deutschen Juristen.

Aus dem berliner Taxigutachten von Linne+Krause vom Juni 2016:
5.1.4 Umsatz pro Stunde

Eine betriebswirtschaftlich bedeutsame Kennziffer bildet der Stundenerlös – insbesondere seit Einführung des Mindestlohns.

Erlös pro Stunde: Im Durchschnitt erzielten Berliner Taxis 2015 einen Stundenerlös von netto ca. 15,90 €. Vor der Tarifanpassung hatte der Wert noch bei knapp 13,90 € gelegen; danach war er auf knapp 16,40 € gestiegen. Auch wenn der Wert für das erste Halbjahr mit methodischer Unsicherheit behaftet ist, wird doch die Wirkung der Tarifanpassung erkennbar.
• Wettbewerbsverzerrung: Darüber hinaus dokumentieren die niedrigeren Stundenumsätze auch die massive Wettbewerbsverzerrung auf dem Berliner Taximarkt.
5.1.5 Umsatz pro Schicht

• Erlös pro Schicht: Im Durchschnitt kamen Berliner Taxis 2015 auf einen Schichtumsatz von netto ca. 135 €. Typische Berliner Taxischichten schließen mit Nettoerlösen zwischen 100 € und 160 €.
• Berlin vs. Hamburg: Während Berliner Taxifahrer pro Schicht netto ca. 135 € einfahren, liegt der Hamburger Wert bei ca. 162 €. Hier zeigt sich erneut der wirtschaftliche Abstand zwischen dem Taxigewerbe beider Metropolen. Typische Hamburger Schichten schließen mit Erlösen zwischen 120 € und 260 € ab
5.2 Kosten

• Semiprofessionelle: Bei der semiprofessionellen Mehrheit der Berliner Taxibetriebe wird die Problematik deutlich zu niedriger Personalkosten erkennbar: Mit ca. 11.500 € wird hier nur ein kleiner Teil der eigentlich erforderlichen Personalkosten steuerlich angeben. Auch die ± 18.000 € Personalkosten der semiprofessionellen Betriebe mit fünf oder mehr Taxis sind wesentlich zu niedrig und schließen einen ordnungsgemäßen Geschäftsgang praktisch aus, weil mit dem Betrag noch nicht einmal eine volle Schicht pro Fahrzeug zu finanzieren ist.
5.3 Überschuss

• Jahresüberschuss: Von 2012 bis 2014 erwirtschafteten professionelle Berliner Taxis im Mittel einen Überschuss von lediglich ca. 5.400 € – ein völlig unzureichender Wert. Zur Einordnung: Die Armutsgefährdungsgrenze für alleinlebende Erwachsene lag in den letzten Jahren bei ca. 11.750 €!
• Einordnung / BZP-Musterdaten: Aufschlussreich ist der Vergleich mit den Musterdaten, die der BZP – der Dachverband des deutschen Taxi- und Mietwagengewerbes – veröffentlicht. Der BZP-Wert markiert aus Gutachtersicht den absoluten Mindestüberschuss, der für einen Alleinfahrerbetrieb erforderlich ist. Von 2012 bis 2014 lag dieser Wert für einen Alleinfahrer bei ca. 19.800 €. Mit ca. 21.500 € liegen Berliner Alleinfahrer leicht über diesem Wert. Der Unterhalt einer Familie ist auf diese Weise jedoch kaum zu finanzieren.
• Mehrfahrzeugbetriebe: Betriebswirtschaftlich problematisch ist auch die Lage der größeren professionellen Mehrfahrzeugbetriebe. In Berlin erzielten insbesondere größere Unternehmen mit mehr als 16 Taxis 2012 bis 2015 allenfalls eine „schwarze Null“ – im Durchschnitt ca. 1.300 € pro Fahrzeug. Ein akzeptables Einkommensniveau, eine angemessene Kapitalverzinsung oder ein angemessener Zuschlag für das unternehmerische Risiko sind auf diesem Niveau nicht zu erzielen.
• Semiprofessionelle: Wenig anders ist (vorgeblich) die Situation semiprofessioneller Betriebe, deren Gewinne sich ebenfalls kaum über der Null-Linie bewegen. Wie auch bei ihren professionellen Wettbewerbern, ist bei den Semiprofessionellen die Ebene betriebswirtschaftlich sinnvollen Handelns schon nicht mehr gegeben.
5.4 Altersvorsorge

• Geringes Niveau: Ca. 44% der auskunftsbereiten professionellen Berliner Taxiunternehmer haben zwar eine Altersvorsorge, legen aber monatlich weniger als 300 € zurück – ein Betrag, der ebenfalls spätere Altersarmut vorprogrammiert.
7.1 Schattenwirtschaft

• Einmalige Konstellation: Mit Blick auf die Schattenwirtschaft ist die Lage des Berliner Taxigewerbes bundesweit einmalig: Während anderenorts die Mehrheit gesetzesnaher Betriebe einer Minderheit irregulärer Betriebe gegenübersteht, sind regulär arbeitende Betriebe in Berlin zu einer Restgröße geworden: Nur noch knapp jedes vierte Berliner Taxi wird in einem Betrieb eingesetzt, der noch als betriebswirtschaftlich plausibel betrachtet werden kann! Anders formuliert: Die übergroße Mehrheit der Berliner Taxis (ca. 77%) werden von irregulär arbeitenden Unternehmen betrieben.
• Verdrängungswettbewerb: Die wenigen noch regulär arbeitenden Taxibetriebe sind einem dramatischen Verdrängungswettbewerb ausgesetzt, der in erster Linie um die Ressource „Fahrpersonal“ ausgetragen wird. Zugang zu Fahrpersonal hat derjenige Unternehmer, der seinen Fahrern Zugriff auf Schwarzeinnahmen und – mit Hilfe unzutreffender Lohnnachweise – Zugriff auf staatliche Transferleistungen verschafft.
• Zugang zu Transferleistungen: Die Analyse zahlreicher Jahresabschlüsse legt den alarmierenden Schluss nahe, dass der primäre Geschäftszweck vieler Berliner Taxibetriebe nicht die Personenbeförderung ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der eigentliche Geschäftszweck vieler Großbetriebe darin besteht, einerseits den eigenen "Gewinn" zu maximieren und gleichzeitig den Fahrern kollektiven Zugang zu Schwarzgeld und Transferleistungen zu verschaffen. Kontrollen des Zolls zeigen immer wieder, dass unverhältnismäßig viele Taxifahrer als sogenannte Aufstocker gemeldet sind.
7.1.2 Angebotsfaktoren

Einer starken Nachfrage steht auf dem Berliner Taximarkt ein problematisches Angebot gegenüber, das mutmaßlich auch auf Steuerhinterziehung und die kollektive Erschleichung von Sozialleistungen abzielt. Deutlich wird weiterhin: Legalität erzeugt Qualität und umgekehrt. Die Folgen der Schattenwirtschaft sind auch an der Flottenqualität abzulesen.
• Steigender Wettbewerbsdruck: Die Zahl der Berliner Taxis ist in den letzten Jahren stark gestiegen – im Wesentlichen getrieben durch irregulär geführte Betriebe. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Mietwagen rapide gewachsen – seit 2007 um mehr als 50%. Trotz verschärfter Aufsicht durch das LABO, hat sich der Wettbewerbsdruck in den letzten Jahren dramatisch erhöht. Nach Fahrzeugen hat sich die Berliner Taxi- und Mietwagenflotte seit 2007 um gut 1.900 Einheiten vergrößert – etwa so viele Taxis wie zurzeit zusammen auf den Straßen von Köln (ca. 1.200 Taxis) und Stuttgart (ca. 700 Taxis) fahren.
• Zeitliche Auslastung: Wesentlich geringer ist dagegen die zeitliche Auslastung. In Berlin ergibt die Auswertung der Fiskaltaxameterdaten einen zeitlichen Besetztanteil von gut 27% – ähnlich wie zurzeit in Hamburg (ca. 26% bis 28%). Das wirtschaftliche Maximum dürfte bei ca. 40% liegen und wird in Hamburg von einigen besonders leistungsstarken Betrieben auch erreicht. Die unzureichende zeitliche Auslastung bildet ein zentrales wirtschaftliches Problem des gesamten deutschen Taxigewerbes.
7.1.3 Betriebswirtschaftliche Faktoren

Extremer Wettbewerbsdruck und massive Schattenwirtschaft lassen auf dem Berliner Taximarkt eine bundesweit einmalige betriebswirtschaftliche Schieflage entstehen. Die steuerlich erklärten Nettoumsätze auch der professionellen Berliner Taxibetriebe rangieren auf einem Niveau, das den Substanzerhalt und ein Arbeiten im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen problematisch macht. Für semiprofessionelle Betriebe ist ein Auskommen in der Regel nur unter der Voraussetzung von Schwarzerlösen und / oder der Inanspruchnahme von Transferleistungen durch die
Fahrer erklärbar.
• Erlös pro Schicht: Diese Schwäche wird auch bei den Schichterlösen deutlich. Im Durchschnitt kamen Berliner Taxis 2015 auf einen Schichtumsatz von ca. 135 €. Typische Berliner Taxischichten schließen mit Nettoerlösen zwischen 100 € und 160 € ab. Typische Hamburger Schichten schließen dagegen mit Erlösen zwischen 120 € und 260 € und mit durchschnittlich ca.162 € ab (..).
7.2 Handlungsempfehlungen

Das Berliner Taxigewerbe befindet sich in einer bundesweit beispiellosen Schieflage. Durch ein deutlich erkennbares Aufsichts- und Vollzugsdefizit konnten sich flächendeckend rechtswidrige Strukturen entwickeln, die mittels Steuerhinterziehung und Sozialbetrug die öffentlichen Kassen in hohem Maße schädigen und eine beispiellose Wettbewerbsverzerrung hervorbringen.
7.2.1 Ansatzpunkt Schwachstellen

• Maßnahme Ursachenanalyse: Mangelnde personelle Kapazitäten und fehlende betriebswirtschaftliche Qualifikation können aber die bisherige Wirkungslosigkeit des Hamburger Modells in Berlin nicht vollständig erklären. Quasi unter den Augen der Berliner Behörden ist seit Einführung des Hamburger Modells die Zahl der Taxis und Mietwagen insbesondere in der Gruppe der "Intensivtäterbetriebe" gestiegen. Es ist unerlässlich herauszuarbeiten, welche Strukturen und welche Mechanismen zur Wirkungslosigkeit geführt haben.

Vor diesem Hintergrund zieht man zu Unrecht vergebene Konzessionen ein und erlaubt keine Discounttaxis, welche eine zusätzliche "beispiellose Wettbewerbsverzerrung hervorbringen", das Gewerbe noch weiter nach unten ziehen und als Slum festzementieren.

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Beitrag von miamivice » 22.08.2019, 08:44

Es werden Fiskaltaxameter-Daten aus einem Mehrwagentaxibetrieb präsentiert, notiert am 21. und 22. August 2019, wobei es sich immer um verschiedene Fahrzeuge handelt:
  • Gesamte Arbeitszeit-----9 Stunden 38 Minuten
    Taxameterpausen--------3 Stunden 54 Minuten
    Gesamtkilometer---------94
    Besetztkilometer---------41
    Touren----------------------10
    Bruttoumsatz--------------118,80 €

    Gesamte Arbeitszeit-----7 Stunden 49 Minuten
    Taxameterpausen--------1 Stunden 31 Minuten
    Gesamtkilometer--------135
    Besetztkilometer---------57
    Touren----------------------9
    Bruttoumsatz-------------138,30€

    Gesamte Arbeitszeit-----6 Stunden 18 Minuten
    Taxameterpausen--------2 Stunden 42 Minuten
    Gesamtkilometer--------90
    Besetztkilometer--------53
    Touren----------------------7
    Bruttoumsatz------------124,50 €

    Gesamte Arbeitszeit----10 Stunden 55 Minuten
    Taxameterpausen--------4 Stunden 52 Minuten
    Gesamtkilometer--------115
    Besetztkilometer---------58
    Touren---------------------10
    Bruttoumsatz------------147,20 €

    Gesamte Arbeitszeit-----8 Stunden 35 Minuten
    Taxameterpausen--------4 Stunden 7 Minuten
    Gesamtkilometer--------105
    Besetztkilometer---------47
    Touren----------------------4
    Bruttoumsatz-------------99,00 €

    Gesamte Arbeitszeit-----8 Stunden 11 Minuten
    Taxameterpausen--------4 Stunden 3 Minuten
    Gesamtkilometer--------82
    Besetztkilometer--------39
    Touren----------------------8
    Bruttoumsatz------------107,80 €

    Gesamte Arbeitszeit----14 Stunden 33 Minuten
    Taxameterpausen--------7 Stunden 2 Minuten
    Gesamtkilometer--------140
    Besetztkilometer---------82
    Touren----------------------12
    Bruttoumsatz------------203,00 €

    Gesamte Arbeitszeit-----5 Stunden 51 Minuten
    Taxameterpausen--------2 Stunden 42 Minuten
    Gesamtkilometer--------53
    Besetztkilometer--------36
    Touren----------------------2
    Bruttoumsatz------------69,40 €

    Gesamte Arbeitszeit-----5 Stunden 50 Minuten
    Taxameterpausen--------1 Stunden 34 Minuten
    Gesamtkilometer--------65
    Besetztkilometer--------24
    Touren----------------------5
    Bruttoumsatz------------67,50 €

    Gesamte Arbeitszeit-----8 Stunden 56 Minuten
    Taxameterpausen--------1 Stunden 53 Minuten
    Gesamtkilometer--------109
    Besetztkilometer---------54
    Touren-----------------------7
    Bruttoumsatz------------128,10 €

    Gesamte Arbeitszeit-----8 Stunden 45 Minuten
    Taxameterpausen--------2 Stunden 57 Minuten
    Gesamtkilometer--------98
    Besetztkilometer--------59
    Touren----------------------9
    Bruttoumsatz------------145,90 €

    Gesamte Arbeitszeit----10 Stunden 30 Minuten
    Taxameterpausen--------5 Stunden 53 Minuten
    Gesamtkilometer--------102
    Besetztkilometer---------67
    Touren-----------------------4
    Bruttoumsatz------------129,80 €

    Gesamte Arbeitszeit-----9 Stunden 19 Minuten
    Taxameterpausen--------4 Stunden 50 Minuten
    Gesamtkilometer--------120
    Besetztkilometer---------59
    Touren-----------------------8
    Bruttoumsatz-------------139,40 €
Siechtum und Verslumung in Vollendung. Solche desaströsen Zahlen in dieser Masse, Ausschließlichkeit, Rechtswidrigkeit, Perspektivlosigkeit und Erbärmlichkeit habe ich in meiner langen Praxis als Taxifahrer noch nie gesehen. Diese Zahlen sind ein Offenbarungseid. Veruracht werde solche Zahlen durch den Besserwisser-Juristen, welcher UBER ins Land läßt und welcher von "Funktionsfähigkeit" faselt, aber nicht weiß was "Funktionsfähigkeit" in der Praxis darstellt. Oben angegebene Daten weiß der Besserwisser-Jurist freilich nicht zu deuten. Um so besser weiß er den Rechtsraum mit an den Haaren herbeigezogenen Urteilen und Beschlüssen zu verschmutzen. Der Jurist verschiebt - unmündig und berufskriminell - Begriffe, die er nicht mit Leben zu füllen weiß. Der fürchterliche deutsche Jurist ist eine wandelnde Gefahr für das Gemeinwesen.
Zuletzt geändert von miamivice am 22.08.2019, 08:50, insgesamt 1-mal geändert.

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