Pooling-Index und Pooling-Quote

Der virtuelle Taxitreff.

Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon IK » 20.06.2019, 21:12

sivas hat geschrieben:Ivicas Ansatz hat halt den Nachteil, dass die Daten umständlich zu beschaffen sind.


Das gilt nicht für MOIA.
Wenn man selber mit MOIA fährt, hat man zuerst eigene Daten. Will man MOIA insgesamt beurteilen, was angeblich der Plan ist, dann ist das auch kein Problem. MOIA ist laut Genehmigung verpflichtet alle Beförderungsaufträge zu dokumentieren, mit Zeitangaben, Wagen, sowie Start und Ziel.

Konkret kann das für ein MOIA am heutigen Tag so aussehen:
Gestartet um 06 Uhr und Schluss im Depot um 24 Uhr.
Gefahrene Kilometer 300 KM
Erledigte Beförderungsaufträge 30
Summe der Längen aller Beförderungsaufträgen nach Google Maps 200 KM

Pooling-Quote = 200 / 300 = 0,66 Aufträge pro geleisteten KM mit dem Fahrzeug an dem Tag.

Auf diese Weise kann man die ganze MOIA Flotte täglich auswerten anstatt zwei Jahre zu warten.
Auswertung just in time.
Innovativ!!! Oder?
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon Thomas-Michael Blinten » 20.06.2019, 22:58

gringo hat geschrieben:Interessant. Hast Du ne Quelle?

Leider nein, war eine Reportage im öffentliche-rechtlichen Fernsehen. Es ging um Alygator und MOIA
Zuletzt geändert von Thomas-Michael Blinten am 20.06.2019, 22:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon gringo » 20.06.2019, 23:39

IK hat geschrieben:
gringo hat geschrieben:
sivas hat geschrieben:Ivicas Ansatz hat halt den Nachteil, dass die Daten umständlich zu beschaffen sind.

... und so eine kleine Anzahl von Fahrten macht da eh keinen Sinn.
Ab einer Menge von 1000 Untersuchungsfahrten kann man es gelten lassen.
Jedenfalls eine Untersuchung die seriös sein will
Und dann bitte Daten von einem unabhängigen Institut und nicht von einem Taxiunternehmer.

Alles andere sind Glücksspielergebnisse.


Größe der Stichprobe
Um die Systematik der Auswertung zu definieren brauchst du gar keine einzige Fahrt. Zuerst muss du wissen WAS du messen willst, dann kommt die Frage WIE diese Vermessung ablaufen soll und am Ende stellt sich die Frage, wofür das Ergebnis steht. Ein Pooling-Index oder Pooling-Quote sollen eine Aussage darüber treffen, wie effektiv ein Beförderungsmittel verschiedenen Beförderungsaufträgen ausführen kann. Erst am Ende steht die Frage der Stichprobengröße ...

Für die Feststellung, dass ein Privat-PKW Pooling-Quote von 1 hat, braucht man gar keine Stichprobe, weil das auf der Hand liegt. Bei MOIA braucht man eine Stichprobe. Die kleinste Stichprobe ist 1 und fas Ergebnis ist mit Fehlern behaftet, Aber jede weitere Fahrt verbessert die Genauigkeit. Mittlerweile habe ich alleine 20 Fahrten und das Ergebnis ist vom Tag zu Tag eindeutiger und stabiler.

Die Nebelkerze „Größe der Stichprobe“ kling klug, ist aber nicht, denn am Anfang geht es nicht darum was an der fünften Stelle hinter dem Komma steht, sondern was überhaupt vor dem Komma ist. Im Moment ist bei MOIA dauerhaft ein Null vorne. Und das alleine ist schon schockierend, wenn man sich an den Versprechen orientiert.

Taxiunternehmer als Auswerter
Das ist wieder Wording eines Taxihassers, der die Spur in der Debatte nicht halten kann, sondern auf die Minderwertigkeit des Taxifahrers hinweisen muss. Zur Info: Ich habe in Rahmen meines Studiums Statistik belegt und kann in diesem Bereich kompetent mitreden. Aber auch ohne dieser Prüfung, könnte ich mir dieses Wissen aneignen. Gilt auch für andere Kollegen.

Wenn dich diese Debatte überfordert, frag einfach nach, oder halte dich zurück. Altkluge Beiträge sind überflüssig wie ein Kropf.


JA! nochmals und immer wieder gerne der Hinweis: Ich bin kein Taxihasser.
Ich bin Taxifahrer ohne das Taxi für mich eine Religion ist. Für mich ist es so gesehen keine Gotteslästerung Dinge zu hinterfragen.

MEIN Statistikprofessor hatte uns damals nach den Klausuren ans Herz gelegt: Und nun vergessen Sie bitte alles was sie hier gelernt haben. Statistiken werden stets immer, wirklich immer hübsch von den Interessengruppen so hingerechnet wie man es gerne hätte. Schauen Sie also hin von wem die Statistiken kommen und wer und welche Interessen dahinter stecken. Und weiter: Auch unter den Statistikern gibt es überproportional viele Rosinenpicker aus den Stichproben in die eine und auch in die andere Richtung.
Und lieber IK: Auch Statistiken von MOIA schenke ich genausowenig Glauben. Und schon gar nicht nach so kurzer Zeit.

Nenne mich doch zukünftig zur Abwechslung auch mal MOIA Hasser. Dann ist das nicht so langweilig. - Naja und "altklug" ? Klingt witzig bei einem alten Mann.
Aber ich will ja nicht meckern. Kein Wort von Sperren den Taxihasser hier . NEIN! Ich soll jetzt nur die Klappe halten. du bist echt süss. Wir machen also Fortschritte :))

Und tatsächlich ich habe jetzt eine Frage: "Woher bekommst Du die Länge der Leerfahrten von MOIA. Ich bitte um eine ernsthafte Antwort.
Zuletzt geändert von gringo am 20.06.2019, 23:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon gringo » 20.06.2019, 23:53

Thomas-Michael Blinten hat geschrieben:
gringo hat geschrieben:Interessant. Hast Du ne Quelle?

Leider nein, war eine Reportage im öffentliche-rechtlichen Fernsehen. Es ging um Alygator und MOIA

Danke Thomas
80% Ist ja ganz schön viel.
Ich frage mich woher die anderen 20% kämen.
Ein Teil könnten ja auch Ex Selbstfahrer mit eigenem Auto sein.
Sieht also, wenn man dieser Reportage glauben schenken kann, gar nicht so schlecht aus für Taxi.
Aber wie ich schon anderen Orts sagte: Es ist einfach zu früh jetzt schon aussagekräftige Einschätzungen zu treffen.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon sivas » 21.06.2019, 08:50

Ivica,
hab mal das Beispiel 1 durchgerechnet:

Niendorfer Mark
Ernst-Horn-Straße | 7,3 km | 0 Einheiten | 0 Personen | Kategorie A / A
Kottwitz/Bismarckstraße | 5,3 km | 1 Einheit | 1 Person | Kategorie B / B
Gärtnerstraße |0,8 km | 2 Einheiten | 3 Personen | Kategorie C / D
Mollerstraße | 2,9 km | 1 Einheit | 2 Personen | Kategorie B / C

Die Pooling-Quote Pq (bezieht sich auf Einheiten, erster Kategorie-Wert) wäre Σ (C,D,..) / Σ (B,C,D,..)
Pq = ( 0,8 km ) / ( 5,3 km + 2,9 km + 0,8 km ) = 0,8 / 9,0 = 0,09 > Pq = 0,09
Dies ist ein sehr schlechter Wert ! was aber auch klar ist, von 9 Besetzt-Kilometern wurden nur 800 Meter gepoolt.

Die Effektivität Ef (bezieht sich auf Personen, zweiter Kategorie-Wert) ergibt sich aus Σ (B+2C+3D+..) / Σ (A+B+C+D+..)
Ef = ( 5,3 km + 2 * 2,9 km + 3 * 0,8 km ) / ( 7,3 km + 5,3 km + 2,9 km + 0,8 km ) = 13,5 / 16,3 = 0,83 > Ef = 0,83
Die Effektivität hat einen sehr hohen Wert ! weil auf 16,3 gefahrenen Kilometern 13,5 Personenkilometer erbracht wurden.

Trotzdem wäre das Taxi effektiver gewesen, weil die Zahl der maximalen Sitzplätze besser dem Bedarf entspräche und damit der Aufwand/die Kosten kleiner ist/sind. Moia ist 'übermotorisiert' !
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon sivas » 21.06.2019, 10:03

Steh ich am Bahnhof, lade | 1 | 2 | 3 | 4 | Personen ein und fahre sie ins 5,3 km entfernt gelegene Hotel, danach wieder zum Bahnhof zurück.

Die Pooling-Quote Pq ist gleich Null, weil gar nicht gepoolt wurde, die Fahrgäste bildeten eine (wirtschaftliche) Einheit.

Die Effizienz ändert sich aber, sie drückt das Verhältnis von den gefahrenen Personenkilometern zu den gefahrenen Gesamtkilometern aus.
Ef nimmt die Werte | 0,5 | 1,0 | 1,5 | 2,0 | an.

Wie sieht's aus, wenn gepoolt wurde, mehrere Personen, durch egal was auch immer, zusammengeführt wurden ? Die Effizienz bleibt gleich.
Auf alle Fälle haben die Taxifahrer dann weniger Einnahmen ! ... Poolen ist schlecht !
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon sivas » 21.06.2019, 10:19

Die Effizienz kann maximal den Wert der maximal zulässig zu befördernden Fahrgäste annehmen.
die effektive Effizienz ergibt sich aus dem Verhältnis von tatsächlicher zu maximaler Effizienz.
Nur so ein weiterer Gedanke ... efEf = Ef / Efmax :lol:
_______

Wenn sich Inscheniöre unterhalten, benutzen die oft den Bergiff 'rot' (kommt aus der Mathematik, wird wie rott gesprochen).
Unterhalten sich zwei: "rot-rot" ... "Nein ! rot-rot-rot"
Kommt ein Dritter hinzu: "Ihr liegt falsch ! einfach rot ist richtig".

Bei uns gibt's ab sofort 'eff-eff-eff' :mrgreen:
Zuletzt geändert von sivas am 21.06.2019, 10:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon IK » 21.06.2019, 12:44

@sivas
Jetzt habe ich verstanden, wie dein Index rechnet. Man kann es so machen, aber man verliert dabei das große Ganze aus den Augen. Was ist das "große Ganze" eigentlich?

Die Pooling-Dienste lobpreisen sich selbes oder werden von den Politikern bejubelt, weil sie

DEN VERKEHR REDUZIEREN

Sie sagen, dass Privat-PKW ineffizient ist, denn ein Privat-PKW führ pro gefahrenen Kilometer immer nur einen einzigen Auftrag aus. Damit ist die Referenz, an der sich alle zu messen haben. Dazu kommt, dass ein Privat-PKW keine Anfahrt hat und wenn noch dazu elektrisch fährt, dann ist die Welt vor dem Untergang gerettet, was aber hier nicht weiter vertieft werden soll. Es geht um Pooling-Quote und diese ist beim Privat-PKW immer 1.

Der Pooling-Dienste wie MOIA und CleverShutlle versprechen besser als Privat-PKW zu sein. Das bedeutet, sie wollen effizienter sein, also mehr als einen Auftrag pro gefahren Kilometer ausführen, obwohl sie Leerfahrten und Anfahrten haben. Dieses Versprechen wird immer wieder wiederholt und wir sollten sie hier beim Wort nehmen. Auch die Politiker, die das ständig wiederholen.

Der Pooling-Index muss diese behauptete Effizienz des Poolings ausdrücken.
Wie wir das an unseren Beispielen sehen, sieht das nach einer Mission Imposible aus.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon am » 21.06.2019, 13:38

9 Offtopics gelöscht
Es gibt kein gefährliches Halbwissen, aber zu viele schlechte Informationen.
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Pooling-Quote und Effizienz

Beitragvon sivas » 21.06.2019, 14:01

Ivica,

vergleiche Moia nicht mit Privat-PKWs, vergleiche sie mit Taxen.

Privat-PKWs haben i.d.R immer die Pooling-Quote = Null ! weil sie gar nicht poolen, keine verschiedenen wirtschaftlichen Einheiten befördern, die Mitfahrenden bleiben meist zusammen (Familienausflug). Poolen mit dem Privat-PKW tue ich, wenn ich einen Anhalter mitnehme oder erst meine Frau zur Arbeit fahre, dann mich selbst. Bin ich Rentner und fahre danach wieder nach Hause, habe ich nicht gepoolt.
In der Effizienz glänzen sie auch nicht. Wenn die Mutter die Tochter zur Krippe bringt, fährt sie leer wieder zurück. Beim Abholen dasselbe. Und: für 'ne dreiviertelstunde Fahrt, steht das Auto 11 ¼ Stunden rum ... und nimmt den Fahrrädern den dringend benötigten Verkehrsraum weg. Auch ist die Effizienz schlecht, weil das Fahrzeug mehr Personen transportieren könnte. 90 % der Pendler fahren alleine !

Auch bei der Berechnung des Pooling-Index's ziehst Du Privat-PKWs ran. Es ist doch völlig egal, wie groß die kürzeste Strecke wäre, entscheidend ist, was hinten rauskommt: Moia fährt den längeren Weg !
Bei meiner Berechnung wird dieser berücksichtigt.

Taxi forever ! :wink:
Zuletzt geändert von sivas am 21.06.2019, 14:18, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon Mamil » 21.06.2019, 14:46

Man kann die Pooling-Quote auch darüber definieren, wie sie von den Algorithmen “verstanden“ wird. Das kommt auch IKs präferierter Definition am nächsten.

Um Fahrten bündeln zu können, bedarf es eines sog. Teilbarkeitsnetzwerks. Die Teilbarkeit bezieht sich auf einen Datensatz, der einer Fahrt zugeordnet wird. Zu diesen Daten einer Fahrt gehören Start- und Endpunkt, geschätzte Fahrtdauer, sowie ein Zeitfenster innerhalb dessen die Fahrt stattfinden muss (Hinweis: Fahrten sind nicht Personen. Eine Fahrt kann mehrere Personen beinhalten).
n-Fahrten sind dann teilbar, wenn für n-Fahrten gilt, alle Fahrten werden mit einem Fahrzeug durchgeführt und keine Fahrt verletzt die Zeitfenster-Restriktion einer anderen Fahrt, wobei die Anfahrtszeit nach der Zuweisung eines Fahrzeugs zur ersten der n-Fahrten mitberücksichtigt werden muss.
(Es sei hier nur am Rande erwähnt, dass hier zwei Probleme gelöst werden müssen. Das “Travelling Salesman Problem“ für die schnellste Route und das “Pickup and Delivery Problem with Time Windows“ für die Zuweisung zu einem Fahrzeug.)
Führt man sich das vor Augen, wird klar weshalb MOIA auf eine große Zahl von Fahrzeugen und auf eine gute Distribution der Fahrzeuge innerhalb des Gebiets angewiesen ist (die Fahrzeuge müssen leer herumkreisen). Starten alle immer vom Depot aus, war's das mit der Teilbarkeit und der Pooling-Quote. M.a.W sagt die Pooling-Quote von MOIA nichts darüber aus, ob der Individualverkehr mit PKW reduziert wurde. Sie sagt nur etwas darüber aus, wie gut MOIA die internen Fahrtanfragen bündeln konnte. Ob und welche Fahrten dadurch ersetzt wurden, kann nur durch eine zusätzliche externe Information ermittelt werden. Indizien für einen Erfolg bei der Reduktion des Individualverkehrs mit PKW wären z.B. Umsatzrückgänge an Tankstellen und in Parkhäusern rund um das Bediengebiet, die mit der Zunahme der Fahrten bei MOIA korrelieren.
Zuletzt geändert von Mamil am 21.06.2019, 15:24, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon alsterblick » 21.06.2019, 15:55

@sivas »Privat-PKWs haben i.d.R immer die Pooling-Quote = Null ! weil sie gar nicht poolen, keine verschiedenen wirtschaftlichen Einheiten befördern, die......

Da hast Du in gewisserweise nicht unrecht. Jedoch würde ich „Pooling-Quote = Null“ nur bei EINER Pers. im Pkw gelten lassen. Sofern zwei oder mehr Pers. im Pkw unterwegs, ist das schon pooling, auch wenn solche als Gruppe Start und Ziel gemeinsam haben. Das ist trotzdem Pooling, weil sich mehrere Leute eine „Fahreinheit“ teilen und diese „Fahreinheit“ z.B. 5 Pers zu 100% nutzen(Pkw).
Prozentzahlen wären dabei sogar aussagegenauer, weil alle belegbaren Plätze auf der gesamten km-Strecke berücksichtigt wären.

In sofern
@arne13
Wenn 4 Mann ein MOIA bestellen, um zusammen zum Kiez zu fahren, ist dies definitiv kein Pooling! Sie würden auch zusammen in einem Auto sitzen oder Bus oder Taxe.

ist eine 4Pers Bestellung durchaus doch ein Pooling, denn diese 4 Pers. tragen zu einer erhöhten „Moia-Teilfahrabschnitts-PoolingQuote“ bei. Würden z.B. bereits 2 weitere Passagiere im MOIA mit demselben Ziel „Kiez“ sitzen, beträgt sogar die „Moia-Teilfahrabschnitts-Effizienz“ volle 100% und infolge würde MOIA die Gebietsfrequenz anpassen/erhöhen.

Das gilt ja auch für den ÖPNV. Wenn der Bus abschnittsbezogen zu klein ist, wird entweder die Fahrfrequenz erhöht oder es kommt ein dickerer Bus zum Einsatz. Ob da nun Großfamilien, Paare, Einzelpersonen just mitfahren, wird überhaupt auch gar nicht ermittelt. Allein relevant ist der spürbare Sitzladefaktor.

Alle ÖPNV km-Fahrstrecken zusammen inkl. Leerfahrten (ab/bis Betriebshof) und „Logistik“ verursachen Kosten und insofern wäre der Anteil Kostendeckung (zur selbstragenden Wirtschaftlichkeit des ÖPNV) ein weiterer Indikator zur Effizienz des ÖPNV. In HH liegt dieser offenbar sogar bei knapp 80% (ich war bisher von weniger Prozent ausgegangen, kann das aber jetzt nicht im Details inkl. Sparten/öffentl. Elbfähren usw. untersuchen, sorry).

Jetzt behaupte ich mal, dass MOIA selbst und insbesondere in einem geplanten hochfrequenten Stadium (1000 Wagen/Flächensystemverfügbarkeit) nicht annähernd jemals auch nur 5% seiner Kosten erwirtschaften wird, weil der Sitzladefaktor und insgesamte Fahrerlöse zu gering bleiben. Selbst wenn MOIA pro besetzen Sitz/je km/Fahrgast (weiterhin trotz pooling) sogar den Taxifahrpreis bekäme, hätte MOIA nicht einmal 20% seiner Kosten erwirtschaftet.
Ganz davon zu schweigen, dass kaum jemand auch nur den halben Taxifahrpreis für MOIA zu entrichten bereit wäre.
MOIA zielt auf massive Subventionen der Stadt HH oder betreibt einfach eine disruptive Spielwiese zur persönlichen Bereicherung des CEO bei einem Jahreseinkommen von ca 1-2Mill.

Es gäbe durchaus eine dezentrale effizientere eAlternative zu eMOIA.
Zuletzt geändert von alsterblick am 21.06.2019, 16:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pooling-Quote und Effizienz

Beitragvon IK » 21.06.2019, 16:32

sivas hat geschrieben:Privat-PKWs haben i.d.R immer die Pooling-Quote = Null !


Das kann man machen, aber dann hast du das Problem, dass die MOIA-Fahrten einen negativen Pooling haben. An sich ist es egal, wo man den Referenzpunkt ansiedelt. Der kann auch 10 oder 100 sein. Wichtig ist, dass man einen hat und dass man dann alle Verkehrsmittel an diesem Punkt misst. Wie aus meinen Beispielen rauskommt, kann MOIA nicht mal ansatzweise in den Bereich des Referenzpunktes kommen. Dabei haben wir die Umsteiger von Fahrrad, Bus oder Bahn in die Rechnung eingepriesen.

sivas hat geschrieben:vergleiche Moia nicht mit Privat-PKWs, vergleiche sie mit Taxen

Genau das habe ich auch getan. Schau hier nach: viewtopic.php?f=2&t=12006#p237618

Taxi schneidet schlechter als Privat-PKW ab. Aber das Taxi hat seine Daseinsberechtigung aus vielen anderen Gründen und bei dem kann man die Tatsache hinnehmen, dass es schlechter poolt als Privat-PKW.

sivas hat geschrieben:Wenn die Mutter die Tochter zur Krippe bringt, fährt sie leer wieder zurück.

Mir geht es nicht darum, warum die Menschen den einen oder den anderen Beförderungswunsch haben, sondern lediglich darum, wie effizient die Verkehrsmittel diese Beförderungswünsche ausführen. Und das soll die Pooling-Quote ausdrücken. Denn theoretisch kann die Helikopter-Mutter ihr Kind auch mit MOIA zur Kita bringen. Und dann wieder zurück nach Hause mit MOIA fahren. Hier ist die Frage, ob das für Verkehr besser oder schlechter ist. Und dass sollen die Zahlen ausdrücken.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon IK » 21.06.2019, 16:42

Mamil hat geschrieben: Ob und welche Fahrten dadurch ersetzt wurden, kann nur durch eine zusätzliche externe Information ermittelt werden. Indizien für einen Erfolg bei der Reduktion des Individualverkehrs mit PKW wären z.B. Umsatzrückgänge an Tankstellen und in Parkhäusern rund um das Bediengebiet, die mit der Zunahme der Fahrten bei MOIA korrelieren.


Ja, das stimmt. Allerdings bedarf es hier einer riesigen Auswertung und einer soliden Datenerhebung, welche noch vor dem "Experiment" festgelegt wurde. Danach sieht es nicht aus. Mir ist nicht bekannt, dass man vor der MOIA-Einführung die Variablen definiert hat, welche man während des Experiments messen wird. Ich denke, dass man es gar nicht mal geplant hat. Die Idee war, lass uns das machen und nachher schreiben wir ein Bericht in dem steht, oh wie schöne ist das MOIA. Das kommt indirekt raus, wenn man sich die verantwortlichen Hamburger Politiker anhört. Die Zahlen sind sehr lästig.

Deswegen will ich, dass Pooling-Quote jetzt festgesetzt wird. In der Wissenschaft würde man kaum jemanden erst nehmen, der einen Experiment macht, ohne vorher die Variablen präzise zu definieren. Oder anders, man kann das machen, aber man macht es dann als eine Voruntersuchung, für welche man dann nicht 1.000 sondern 10 MOIAs braucht. Erst dann würde man den echten Experiment starten, bei dem alle im voraus definierten Variablen auch zeitnah ausgewertet werden. So wie jetzt, führt nirgendwo hin und kann als Experiment gar nicht ernst genommen werden.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon IK » 21.06.2019, 16:52

Mamil hat geschrieben: M.a.W sagt die Pooling-Quote von MOIA nichts darüber aus, ob der Individualverkehr mit PKW reduziert wurde.


Das sehe ich anders. Mal angenommen, es würde sich zeigen, dass ein MOIA Fahrzeug, der im Schnitt pro Tag 250 KM fährt, Fahraufträge von der Gesamtlänge von 750 KM (Summe aller Beförderungswünsche nach KM laut Google). Hier müsste man anerkennen, dass MOIA eine Pooling-Quote von 3 erreicht hat, was sehr beeindrucken wäre. Wir wollen erstmal außer Acht lassen, dass es Umsteiger von der Bus und Bahn sein könnten.

Da 1.000 Fahrzeuge von MOIA in einer wachsenden Stadt mit 800.000 Fahrzeugen nur wenig Einfluss ausüben können, auch wenn das Poolen perfekt funktionieren würde, fragt man sich, mit welcher Methode diese Auswirkung auf Verkehr ermittelt werden sollte oder könnte. Wie muss ein Zählung organisiert werden, damit die Daten für die Auswertungszwecke objektiv ermittelt werden? Wir bewegen uns hier im Promillenbereich und das ist nicht messbar.

Mit einem Pooling-Index flankiert durch belastbare Umfrage der MOIA Kunden, womit sie sonst fahren würden, wenn es MOIA nicht geben würde, könnte man sehr guten Einblick in die Effizienz des Poolings bekommen. Aber will das wirklich jemand im Hamburger Rathaus?
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon IK » 21.06.2019, 17:09

@Alsterblick

Ich teile deine Ausführung, was die Wirtschaftlichkeit von MOIA angeht, aber nicht was den Pooling angeht.

Du vergisst, dass MOIA die Autos aus dem Verkehr ziehen will. Dieses Versprechen ist der Dreh- und Angelpunkt der ganzen politischen Debatte und das muss bei der Definition eines Pooling-Indexes berücksichtigt werden. Von daher spielt die Zahl der Personen pro Auftrag oder Beförderung keine Rolle.

Ein Beispiel:
Wir sind 12 Personen, welche in ein Restaurant in Schnellsen wollen. Wir fahren mit zwei Fahrzeugen:

1. Privat PKW mit 6 Sitzen und
2. Ein MOIA auch 6 Sitze

Hier stellt sich die Frage, wer belastet den Verkehr mehr? Privat-PKW oder MOIA?

Geht es jetzt nur nach der Personenzahl, sind beide PKWs gleich effizient. Aber haben sie gleiche Auswirkung auf den Verkehr? Die Antwort ist NEIN: Ein MOIA hat immer Anfahrt und Abfahrt und verursacht dadurch für den gleiche Auftrag mehr Kilometer und damit mehr Verkehr.

An diesem Beispiel sieht man, dass Pooling-Faktor mit der Personenzahl nichts zu tun hat, sondern lediglich mit der Zahl der Beförderungsaufträge.
Zuletzt geändert von IK am 21.06.2019, 17:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon sivas » 21.06.2019, 17:16

Hab grad 'ne Friseurfahrt gemacht, 5,80 €, nette Leute, hab 7 € gekriegt.
Da wurde nix gepoolt !
Durch das Mitfahren von 2 Personen wurde die Effizienz erhöht.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon Jim Bo » 21.06.2019, 17:21

4 Personen, die sich nicht kennen, aber den gleichen Start und Ziel haben, ergeben demnach ein Poolindex von 4.

Der Poolindex ist eine Grundlage für die Moia Klage? Wobei ich den jetzt als Vorschrift verstehe. Hier wird dieser als Relationsrechnung dargestellt.

Ich halte ihn jedoch für eine Wahrscheinlichkeitsrechnung
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon sivas » 21.06.2019, 17:36

Bei mir würde das einen Index von 1 ergeben, 100 % der Strecke gepoolt. Mit wieviel Personen ist dabei egal.
Viele Personen erhöhen aber die Effizienz. Die läge in dem Fall bei 4.
Zuletzt geändert von sivas am 21.06.2019, 17:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pooling-Index und Pooling-Quote

Beitragvon Jim Bo » 21.06.2019, 20:42

Logisch, wenn man es radikal so sieht, dass Gesamtkilometer und Besetztkilometer mit mehreren Fahrgäste prozentual ins Verhältnis gesetzt werden soll. Das meine ich ja mit Relation. Ich finde, das kann man machen, wenn der Kunde Tage vorher seine Tour bestellt. Dann kann Moia seine Fahrzeuge mit Aufträge besetzen und daraus lässt sich gezielt ein konkreter Poolindex für das Verhältnis berechnen.

Die Praxis ist aber so, dass der Fahrgast per App seine Tour spontan bestellt. Oder etwa nicht.
Der Faktor Kunde und seine Beweggründe, warum er Moia nutzt, spielen für den Poolindex sehr wohl eine Rolle. Denn wie wahrscheinlich ist es, dass ein Fahrgast an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit ein Moia Fahrzeug bestellt, damit der Poolindex hoch ist?

Aber ich lass es näher drauf einzugehen. Am wartet bestimmt nur drauf, meinen Beitrag als off-topic zu löschen.
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