Großunternehmer S. vor dem aus?

Verlagerung der Postengespäche in das Internet.

Großunternehmer S. vor dem aus?

Beitragvon hjm » 15.07.2004, 19:06

Das jüngste Gerücht:

Der umstrittene Hamburger Taxiunternehmer S., Besitzer vieler Dutzend Taxen, wollte dieser Tage seine Konzession verlängern. Er begab sich in die Taxistelle der Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung (vormals Baubehörde) und legte s e i n e Umsatzzahlen vor. Der zuständige Beamte soll ihm daraufhin die Verlängerung der Konzession verweigert haben, mit der Begründung, die im Verlängerungsantrag angegebenen Umsätze seien zu niedrig (= Verstoß gegen die Betriebspflicht).

S. soll daraufhin zunächst die Amtsstube verlassen haben, aber nur um wenige Tage später mit einem neuen Antrag vorstellig zu werden, auf dem die Umsatz-Zahlen deutlich nach oben korrigiert waren. Dieser Umstand weckte nun das Mißtrauen des Beamten, der daraufhin Rückfrage mit dem für S. zuständigen Finanzamt hielt. Das Finanzamt konnte die neuen Zahlen jedoch nicht bestätigen.

Es ergibt sich nun der Verdacht, das S. in erheblichem Umfang Steuern hinterzogen hat. Erschwerend für S. kommt hinzu, das sein Rechtsanwalt Ö. in Urlaub ist.

Aber S. wäre nicht S. wenn die Geschichte jetzt schon zu Ende wäre.
Und noch ist das ganze nur ein Gerücht.

/hjm
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HURRA

Beitragvon Sadegh » 16.07.2004, 11:19

Endlich hat die Behörde mal etwas richtig gemacht.
WEITER SO :!: :!: :!: :D :D
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Beitragvon Martin Berndt » 16.07.2004, 19:15

Immer mit der Ruhe! Ob die Behörde ausnahmsweise mal was richtig gemacht hat, wird sich zeigen. Zu niedrige Umsätze allein können bei dieser Geschäftslage kein Argument für den Konzessionsentzug sein, denn die Umsätze sind bei allen zu niedrig, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können. Folglich müßte die Behörde alle Konzessionen einsammeln. Dann würde es aber lautes Geschrei geben und sogar linientreue Opportunisten würden die Frage nach der Mitschuld der Behörde (z.B. beim Tarif) stellen. Die Behörde muss also schon bessere Argumente haben, um notfalls vor Gericht bestehen zu können. Nur wo soll sie die hernehmen? Hat sie sich doch bisher für die wirtschaftliche Lage und die dazu gehörenden Zahlen kaum interessiert!

Sollte es stimmen, dass S. den einen Tag solche Zahlen und den anderen Tag andere vorgelegt hat, wäre das allerdings ziemlich dämlich. Dies paßt aber nicht zu seinem Image.

Auch die Freude mancher Leser hier über das Aus eines Großunternehmers dürfte etwas voreilig sein. Verschwindet der eine, kommt der nächste groß raus!

Solange nicht mittels Gutachten detaillierte Zahlen auf dem Tisch kommen, wird sich daran nichts ändern. Vor diesen Zahlen hat aber auch die Behörde Angst!

Gespannt bin ich aber trotzdem, weil S. sich nachweislich nichts gefallen läßt. Mal schauen, wie er nun reagiert und wie am Ende die Behörde dasteht. :shock:

PS: Lieber Großunternehmer S., an Deiner Stelle würde ich den Anwalt wechseln! Eine Begründung möchte ich hier nicht veröffentlichen! : 8)

PPS: Mein lieber hjm, woher hast Du denn diese ziemlich ausgeschmückten Gerüchte? Du hast ja spitzere Ohren als ich! :wink:
Martin Berndt
 

S. ist weg vom Fenster

Beitragvon arne13 » 18.07.2004, 04:59

Es stimmt!!!! Herr S. hat letzte Woche alle seine Autos von der Straße geholt :D :D :D :D und den Fahrern mit Hinweis auf die im September auslaufende Konzession frislos gekündigt.

Vielleicht konnte ich deshalb am Stein am Samstag gegen 23.30 gleich als siebter anfangen :shock: :shock: :shock:
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Beitragvon Jörn » 18.07.2004, 10:08

Ich habe mich schon so oft in meiner Taxi-Karriere gefragt, wie blöd manche Unternehmer eigentlich sind!
Aber hintereinander verschiedene Zahlen vorzulegen, grenzt ja schon an derartige Idiotie, daß sich einem die Gehirnzellen kräuseln!
Außerdem bestätigt das Ganze meine Meinung, daß die Kleinen, die mit einer oder zwei Wagen herumfahren, eh praktisch nichts zu hinterziehen haben, daß der wirklich kriminelle Teil in unserem Gewerbe (wie in anderen Leben auch!) sich dort abspielt, wo eigentlich so viel Geld ist, daß die das eigentlich gar nicht nötig haben sollten!
Aber: Gier erzeugt Gier!
Eine alte Weisheit!

Unser Problem sind die Großunternehmer, die ja auch der Hauptgrund für die ständig sinkende Qualität in unserem Gewerbe sind, da sie ja unbedingt ihre Wagen besetzen müssen, egal wie qualifiziert der Fahrer ist!
Und in den Verbänden, die ja mit dem Fahrerunterricht und den ärztlichen Untersuchungen einen Haufen Kohle machen, haben diese auch übergroßen Einfluß!

P.S.: Laßt uns einen heben auf den Beamten, der mal nicht allen diesen Sprüchen geglaubt hat! Leider gibt es viel zu wenig von ihnen.

2.P.S.: Laßt uns flächendeckend das Fiskal-Taxameter einführen! Dann erübrigt sich dieses Problem von allein!
Und ich bin felsenfest davon überzeugt, daß die Kleinen davon NUR profitieren können!
Jörn
 

Beitragvon Crazytaxi Freak » 18.07.2004, 11:49

Einen Freund von mir, der bei S. FUHR, traf ich gestern am Steuer einer Kutsche eines anderen Unternehmers.
Erstmals!
Leider hörte ich das Gerücht über S. erst später und konnte meinen Freund nicht mehr fragen.
Was haben der Commodore C64 und der Rock And Roll gemeinsam?
Genau, beide sind uralt und trotzdem nicht totzukriegen, jaaaa...
Crazytaxi Freak
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Beitragvon Martin Berndt » 18.07.2004, 17:47

:shock:
Zuletzt geändert von Martin Berndt am 18.07.2004, 18:08, insgesamt 2-mal geändert.
Martin Berndt
 

Beitragvon Martin Berndt » 18.07.2004, 18:00

...und den Fahrern mit Hinweis auf die im September auslaufende Konzession frislos gekündigt.


Also, wenn die Konzession noch bis September gültig ist, dann muss man nicht fristlos kündigen! In der Gerüchteküche werden viele unverdauliche Speisen zubereitet! 8)

Und in den Verbänden, die ja mit dem Fahrerunterricht und den ärztlichen Untersuchungen einen Haufen Kohle machen, haben diese auch übergroßen Einfluß!


Als Häuptling eines Verbandes, der nicht selbst ausbildet und deshalb als einziger in der Prüfungskommission wirklich unabhängig ist, muss ich gegen diese Verallgemeinerung scharf protestieren! :evil:

Laßt uns einen heben auf den Beamten, der ...


Oh Jörn! :roll:[/quote]

Einen Freund von mir, der bei S. FUHR, traf ich gestern am Steuer einer Kutsche eines anderen Unternehmers.


Sag ich doch! Bald sind sie alle wieder da! Wovon sollen sie auch leben? Das Arbeitslosengeld reicht bei den eingezahlten Abgaben nicht zum Leben. Also muss schnell ein neuer Arbeitgeber her. Und davon gibt´s ja genug! :mrgreen:
Martin Berndt
 

Beitragvon arne13 » 18.07.2004, 22:00

Fu**, man muss ja in diesem Forum echt schnell sein, um seine Antwort zu tippen.

@martin
Ich habe das erste mal am Donnerstag von dem "Gerücht" gehört, und war auch sehr skeptisch. Ich habe schon zu vieles an Gerüchten in diesem Gewerbe vernommen, um blauäugig zu sein. Aber dies ist kein Gerücht, es ist fakt. Meine Quellen sind Fahrer von Herrn S., die allesamt mit Hinweis auf die nicht verlängerte Konzession entlassen worden und wieso er seine Wagen schon jetzt von der Straße holt, kann ich dir auch nicht sagen aber es ist halt so.

Ich finde, dass ist doch mal seit Jahren eine wirklich positive Nachricht für das Hamburger Taxengewerbe. Ich glaube zwar nicht, dass urplötzlich hundert Wagen weniger Wagen auf der Strasse sein werden, aber ein paar von seinen Kapalken dürften es schwer haben einen neuen Unternehmer zu finden und die anderen Vermieter kriegen vielleicht kalte Füße. :evil: :evil:

Arne

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Beitragvon Jörn » 19.07.2004, 08:04

Lieber Martin!

Natürlich meine ich nicht dich und den HTV! Daß ihr korrekt arbeitet, ist mir selbstredend bewußt.
Aber die anderen nehmen doch nur ungern Abschied von diesen Pfründen, wenn ich mich nicht irre!?

Das dürfte auch der Grund sein, daß die nicht endlich mal in die Hacken kommen und sich vereinigen!
Aber dann würde ja gelten, daß man auch ein paar Posten weniger zum Verteilen hätte!

Und die Sache mit dem 'Heben'?
Ich hoffe, du meinst es so, wie ich es sehe? Denn ich denke mir mal in meinem jugendlichen Leichtsinn, daß diese Art Beamte ziemlich selten geworden sind, oder schon immer waren!
Man denke mal an die beiden Zoll-Inspektoren vor Jahren im Freihafen mit den Landmaschinen-(Panzern)! Beide wurden, laut Deutschlandfunk, in den Innendienst versetzt, und die Panzer sind dort, wo sie hinsollten (in Israel)!
Jörn
 

Beitragvon Martin Berndt » 22.07.2004, 10:42

Mein lieber Jörn,

Beamte sind auch nicht anders gestrickt als andere Menschen, nehmen wir zum Vergleich z.B. mal Genossen einer gewissen Funkvermittlung. Zwar steht in § 58 der Hamburgischen Verfassung, dass sie ihre Aufgabe " unparteiisch und ohne Rücksicht auf die Person nur nach sachlichen Gesichtspunkten" wahrnehmen sollen, aber wir kennen ja beide die Realität.
Um so länger ich die Geschichte von Herrn S. bedenke, um so mehr tut er mir eigentlich leid. Hat er sich doch nur im Rahmen des Möglichen bewegt. Gebastelt haben diesen Rahmen andere. Da er offensichtlich nicht so gute "Beziehungen" wie diese anderen hat, muss er nun als Bauernopfer herhalten. Ich würde viel lieber einen heben, wenn diesen anderen das Handwerk gelegt wird. Da wird erstmal aber nichts draus. Wie gesagt: gute Beziehungen muss man haben. Darauf einen Bananen-Brandy! :?
Martin Berndt
 

Beitragvon rosebud » 22.07.2004, 23:03

Lieber Martin,
diesmal gehst Du zu weit mit Deinen Äußerungen.
Der Unternehmer S. ist nicht zu vergleichen mit den Leuten, von denen Du meinst, den Rahmen gestrickt zu haben.
Der Unternehmer S. hat seine Taxen stundenweise, tageweise, monatlich vermietet.
Er hat mit seinen Tätigkeiten auch Dir die Suppe dünn gemacht. Er hat indiskutables Personal auf die Straße geschickt, das auch Deinen Ruf verdorben hat.
Bitte stelle ihn nicht auf die gleiche Stufe mit ehrlich arbeitenden Taxenunternehmern, die in dem von wem auch immer gestrickten Rahmen arbeiten.

Grüße vom Schlitten
rosebud
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Beitragvon Jörn » 23.07.2004, 08:10

Nun. Ganz so gut hat er es dann wohl doch nicht angestellt.

Aber wie sagen die alten Chinesen?

"Auch der geschickteste Affe fällt mal vom Baum!"

Und das ist auch gut so! Ich habe jedenfalls kein Mitleid mit ihm und gratuliere trotz allem dem Beamten!
Jörn
 

Der »Pate« gibt auf

Beitragvon Martin Berndt » 27.07.2004, 12:51

von OLAF WUNDER

Ermittlungen gegen Nikolai Sevenard nach großer Razzia

Er ist der Mann, von dem es heißt, er sei der "Pate" der Hamburger Taxi-Mafia: Der Russe Nikolai Sevenard (43), der 1994 als Fahrer anfing und innerhalb von zehn Jahren zum größten Hamburger Taxi-Unternehmer aufstieg. 146 Fahrzeuge waren für ihn zuletzt unterwegs. Jetzt nicht mehr. Vergangene Woche stellte Sevenard seinen Betrieb ein. Alle Fahrzeuge hat er verkauft. Nach Polen, Litauen, Georgien. 200 Fahrer sind entlassen. "Die Behörden und die Polizei haben mich kaputtgemacht", sagt er.

Sevenard - das unschuldige Opfer? Schwere Vorwürfe werden erhoben gegen den Mann, der ursprünglich Arzt war, mit einer iranischen Frau verheiratet ist, einen Sohn hat und eine Dogge, so groß wie ein Kalb. Ein gefährlicher Mann sei er, heißt es in der Branche. Einer, der seine Fahrer auch schon mal bedrohe. Vor allem aber soll Sevenard zu den Taxi-Unternehmern zählen, die Hamburg in den vergangenen Jahren um 142 Millionen Euro betrogen haben.

"Die jagen mich, als würde ich Plutonium verschieben", sagt Sevenard und erzählt von der Durchsuchungsaktion im vergangenen Jahr. 130 Beamte stellten seinen Betrieb an der Marienthaler Straße und die Wohnungen sämtlicher Fahrer auf den Kopf. Jeder wurde verhört: "Wie viele Stunden pro Tag fahren Sie wirklich Taxi? Wie viel haben Sie wirklich verdient?" Auf den Konten Sevenards stellten die Steuerfahnder 150 000 Euro sicher und schöpften das Geld ab.

Beim Aufstieg zu Hamburgs Taxi-König soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Schwarzarbeit. Und Steuerhinterziehung. Deshalb ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Sevenard. Und wegen "angewandter körperlicher Gewalt". Sevenard soll einen Fahrer an den Kragen genommen und vor die Tür gesetzt haben. Der Grund: Er konnte oder wollte die 280 Euro Wochenmiete nicht zahlen.

Für die Staatsanwaltschaft stellt sich das "Geschäftsmodell" des Taxi-Doktors so dar: Sevenard stellte die Fahrer nur zum Schein an. In Wahrheit vermietete er die Fahrzeuge zu einem Tagessatz von 40 Euro. Immer montags mussten die Subunternehmer 280 Euro bei ihm abliefern. Wie viel Umsatz sie tatsächlich machten, wie lange sie wirklich hinterm Steuer saßen? Das habe Sevenard nicht interessiert. Wahrscheinlich seien es aber bis zu 16 Stunden täglich gewesen. Gemeldet wurden nur acht. Entsprechend niedrige Umsätze und Löhne habe Sevenard angegeben. Damit es nicht auffällt, habe er die Tachos manipuliert.

War es so? Sevenard schmunzelt. Jahrelang habe doch keiner was gesagt. "Ganz normal, dass auch mal ein paar Stunden länger gefahren wurde ..." Dass es sich bei den 280 Euro um Miete gehandelt hat (Taxi-Vermietung ist illegal!), bestreitet er. "Das war der Mindestumsatz, den ein Fahrer reinholen sollte. Mehr nicht." Wie viele Stunden ein Fahrer wirklich auf der Straße gewesen sei, wisse er nicht. "Wenn die mir sagen, es waren acht, muss ich denen glauben. Ich kann nicht 146 Autos überwachen." Und wieder schmunzelt er.

Lange haben Hamburgs Taxifahrer den Erfolg Sevenards bestaunt. Dem Russen gelang es, Gewinne einzufahren, wo andere nur rote Zahlen schrieben. Das Erfolgsrezept: Der Russe kaufte uralte Taxen vom Typ Mercedes W 124 billig auf, machte sie in seiner Werkstatt zurecht - und ließ sie auf die Kunden los. Die fürs Gewerbe zuständige Stadtentwicklungsbehörde, aber auch Konkurrenten betrachteten das mit Argwohn.

"Ich bin denen ein Dorn im Auge gewesen", sagt Sevenard und greift zu einem dicken Stapel Papier - die vielen hundert Seiten Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft. "Ab 1. August ist Schwarzarbeit ein Straftatbestand. Und da ich nicht in den Knast gehen will, gebe ich jetzt lieber auf."

In Hamburg bleiben will der "Taxi-Pate" dennoch. Seine Werkstatt an der Marienthaler Straße behält er. "Wenn Sie also mal was am Auto haben", bietet er seinem Gast an, "kommen Sie vorbei."
Martin Berndt
 

Beitragvon hjm » 27.07.2004, 21:18

TAXI-MAFIA | 28.07.2004

Nach dem Rückzug des “Taxi-Paten„:
OLAF WUNDER

Gewerbe greift die Behörde scharf an

Heftige Kritik an der Stadtentwicklungsbehörde übt Martin Berndt, Chef des Hamburger Taxenverbandes (HTV). Anlass: der so genannte "Pate" der Taxi-Mafia, Nikolai Sevenard. Die MOPO hatte gestern berichtet, dass der Russe - immerhin Besitzer von zuletzt 146 Taxen - seinen Betrieb aufgegeben hat und damit dem Druck der Strafverfolgungsbehörden gewichen ist. Sevenard wird Steuerhinterziehung vorgeworfen.

HTV-Chef Berndt gibt der zuständigen Stadtentwicklungsbehörde die Schuld daran, dass Taxiunternehmer heutzutage in Hamburg nicht mehr überleben können, wenn sie legal arbeiten. Dass Sevenard seine Taxen offensichtlich an die Fahrer vermietet hat, sei lange bekannt. Aber die Behörde habe diese Hinweise einfach ignoriert. Sie interessiere sich überhaupt nicht für das Gewerbe.

"Sevenard hat nur die Spielräume, die ihm unsere Aufsichtsbehörde gab, geschickt genutzt." Er sei ein Bauernopfer. "Sein Fehler bestand darin, der Größte zu werden. Dabei gibt es noch viele Kollegen, die im Ruf stehen, genauso zu arbeiten wie er. Unserer Branche ist nicht damit gedient, wenn alle Jahre wieder der ,Erfolgreichste' von ihnen geschlachtet wird, sich an den Verhältnissen aber nichts ändert."

Zwar habe die Behörde endlich ein Gutachten zur Situation des Taxi-Gewerbes in Auftrag gegeben. Die entscheidende Frage aber, ob die laxe Konzessionsvergabe die Taxi-Unternehmer an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat, sei dabei geschickt ausgespart worden. Berndt: "Es muss endlich ein Konzessionsstopp her."

http://www.mopo.de/nachrichten/102_panorama_62416.html
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Beitragvon Jörn » 27.07.2004, 21:41

Mein lieber Martin!

Hier muß ich jetzt aber auch dich mal heftigst kritisieren!
Wir sollten wirklich ALLE froh sein, daß wir diesen Herren endlich los sind! Seine Methoden innerhalb unseres Geschäftes waren eindeutig nicht nur zweideutig! Seine Art, seine Fahrzeuge zu vermieten, waren Sklavenhaltertum par excellence!
Miete zahlen, Spritkosten tragen und auch noch die Sozialabgaben selber löhnen (ähnliches findet man sonst nur bei den Kurieren!) waren ein derartiger Druck, daß die 'Fahrer' eigentlich rund um die Uhr arbeiten mußten!

ES IST EIN SEGEN, DASS HERR S. AUS DEM GESCHÄFT IST!

Endlich einer der Sklaventreiber, wie wir sie sonst eigentlich nur noch im Rahmen der Zentrale finden, die sich nach einem Teil des Names unserer Heimatstadt nennt, weniger!
HURRAH!

Jetzt sollte es noch den anderen Großunternehmern an den Kragen gehen, deren Namen ich hier nicht zu nennen brauche, die aber jeder kennt!
Dann wären wir schon einen Schritt weiter!

P.S. Aber natürlich ist es die Schuld der Behörden, daß es derartige Auswüchse überhaupt geben kann!
Der Gesetzgeber ist gefordert, derartige Gestzeslücken SOFORT zu schließen!
Außerdem sollten Größenordnungen wie diese innerhalb eines Gewerbes, wie dem unsrigen, sowieso nicht zugelassen werden!
Ich plädiere für maximal 5 Wagen! Mehr nicht!
Denn die Erfahrung zeigt, daß man ab dieser Zahl, vielerlei Möglichkeiten hat, am Fiskus vorbei zu arbeiten!

Und das FISKALTAXAMETER muß her! UMGEHEND!
Jörn
 

Beitragvon Martin Berndt » 27.07.2004, 23:05

Lieber Jörn, gib´s mir!

Nur - so war mein Beitrag nicht zu verstehen. Ich wollte nicht sagen, dass ich Mitleid mit S. habe. Vielmehr sollte auf die Verantwortung der Behörde an S´s jahrelangen ungestörtem Wachstum hingewiesen werden. Ändert sich an der Arbeitsweise der Behörde nichts, wird S. bald von einem anderen ersetzt. Du, als alter Hase, erinnerst dich doch bestimmt an seine Vorgänger. Die Versäumnisse der Behörde lassen sich auch nicht mit Gesetzeslücken entschuldigen, vielmehr gibt es eine Umsetzungslücke. Hier muss sich etwas ändern, sonst ist der Fall S. nichts weiter als ein Spektakel um Handlungsfähigkeit vorzutäuschen.
Aber mal so am Rande: Irgendwie ist unser Russe doch ziemlich cool! 8) Jedenfalls ist er mir trotz all seiner Fehler sympatischer als ein gewisser Jürgen K.. Oder hast du Herrn K. schon mal Schmunzeln sehen? :wink:
Martin Berndt
 

Beitragvon hjm » 28.07.2004, 00:05

Lieber Martin!

ich möchte Dich mal wieder heftigst knuddeln!
Du hast die Sache auf den PUNKT gebracht: KONZESSIONSSTOPP !!!

Lieber Jörn,

Dich muss ich leider etwas schütteln, hey!

Es macht keinen Sinn, gegen Großunternehmen zu Felde zu ziehen, nur weil sie groß sind.

Die von Dir angepeilte Maximalgröße von 5 Wagen macht keinen Sinn, weil ein Betrieb mit 5 Wagen einen bürokratischen Apparat erfordert, den 4 oder 5 Wagen nicht erwirtschaften. Drei Wagen kann man „nebenbei“ verwalten, vier schon nicht mehr – das ist meine eigene Erfahrung. Vier oder fünf Wagen sind daher eine eher unwirtschaftliche Betriebsgröße. Mit zehn Wagen lohnt sich hingegen eine eigene Werkstatt.

Du schreibst:
„Jetzt sollte es noch den anderen Großunternehmern an den Kragen gehen, deren Namen ich hier nicht zu nennen brauche, die aber jeder kennt!
Dann wären wir schon einen Schritt weiter!“

Ich denke:
Wir wären nur scheinbar einen Schritt weiter, denn die „Lücke“ wird schon bald durch neue Betriebe geschlossen. An der eigentlichen Misere, den zu geringen Umsätzen und damit dem Zwang, der schieren Not zur Abgabenhinterziehung würde sich auf Dauer NICHTS ändern.

Du schreibst:
“Und das FISKALTAXAMETER muß her! UMGEHEND!“

Ich denke:
Eine ehrliche Buchführung ist eine feine Sache. Doch leider gibt es dafür derzeit keine wirtschaftliche Grundlage. Falls das Gewerbe oder die Politik den Fiskaltaxameter will, so muß die Frage erlaubt sein, was mit anderen Branchen geschehen soll.
Martin hat in jedem Fall die minimalen Voraussetzung für ein derartiges Vorhaben auf den PUNKT gebracht:

KONZESSIONSSTOPP !!!

/hjm

PS am Martin:
Deine Einschätzung in Bezug auf S. teile ich. Der Typ ist cool und machte im großen Stil was - so oder so ähnlich - (fast) alle im kleinen machen.
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Beitragvon Bull » 28.07.2004, 00:11

Dr. Nikolai, dem der Sack gewiss nicht so weit nach unten hängt wie er sagte, gab an die Arbeitszeiten seiner Mieter nicht wirklich zu kennen. Wie war das noch mit einer Fahrtenbuchpflicht in der Schicht- und Kilometerbeginn sowie deren jeweiliges Ende zu notieren sind?
Mit geführten Fahrtenbüchern hätte er so schon mal nicht diese Sorge. Denn über die Richtigkeit der lückenlosen Eintragungen sind die Mieter verantwortlich.
Aber die Behauptung, vor dem 1.8 noch aufzugeben, da er keine Lust hast nach Bautzen zu ziehen, ist für uns Taxler doch schon ein Schuldeingeständnis. Wie er demnach noch eine Werkstatt betreiben kann, bleibt MIR schleierhaft, betrachte man das "deutsche" Beispiel W&M.
Wäre er doch besser Boxer geworden :mrgreen: oder FC St.PauliBesitzer! :wink:

Achja, es heisst, nächstes Jahr kriegt das deutsche Taxi- und Mietwagengewerbe von der EU eine unumgängliche Arbeitszeitüberwachung diktiert, nach der wir wirklich nur noch 8(!) im Auto verbringen dürfen. In Frankreich gebe es jene Überwachung bereits. Wer mehr darüber weiss, bitte schön.

Für mich ist klar, jene Arbeitszeitüberwachung + Fiskaltaxameter = weit mehr als die 25% Preissteigerung(ausgehend vom heutigen Hamburger Tarif) für den Kunden, damit EINJEDER im Taxigewerbe in dieser Stadt und diesem Land seinen heutigen Lebensstandard halten kann. Nicht nur hier werden die Preise für Personenbeförderung im Vergleich zu heute explodieren, ob die HansaFührung das möchte und die Kunden das können oder nicht. Und die FahrerLöhne sind nicht unbegrenzt senkbar. Auch bei zugezogenen nicht! Denn sonst fangen sie an Geld zu kosten, im aller weitesten Sinne...

@Jörn: Du fuhrst doch selber mal vor Jahren für einen der ganz Grossen! Der ist wahrscheinlich heute noch von Deinen Umsätzen Hotelbesitzer in.....(ich habs vergessen und will hier nicht rummspinn!)
Der soll zwar kein Sklaventreiber gewesen sein, aber ehrlicher wie der Herr Dr. war er doch uck nich! Der Unterschied ist: Dein Exchef liegt jetzt in der Sonne, der Dr. nicht, denn er war nich schnell genug :mrgreen: stimmt´s :?:

@Martin:der "böhse Onkel" Jürgen brauch auch nicht zu Schmunzeln! Der Ehrenvorsitzende lächelt dafür umso sympatischer in der BildHamburg :D
Will Oma dagegen an grinsen, und die Reeperbahn Sonnabendnacht einwärtz durch ihren affenzirkus am Stein wieder mal blockieren?

Die Behörde befand jahrelang die Unterlagen des Herrn Dr. für ok! Geh die doch mal an! Keine Handhabe, keine Chance, ihnen ist nichts rechtswidriges nachzuweisen :!:stimmt´s :?: So, was :?: :!:
Bei HFT MB z.B (Jörn u.co wissen wer das ist und Du bestimmt auch) waren die Unterlagen nicht ok! Und er "flog" :!:
Man muss anscheinend schon tiefer ins Klo greifen.......
Bull
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Beitragvon Martin Berndt » 28.07.2004, 13:40

Mein lieber Bull,

du hast es begriffen: Ehrliche Arbeit in diesem Gewerbe führt zu notwendigen drastischen Preiserhöhungen - oder umgekehrt- wer´s billig will, soll vorrechnen, wie es legal funktionieren kann (oder den Mund halten). Nichts anderes versuche ich seit 4 Jahren deutlich zu machen.

Die Problemfälle in diesem Gewerbe, in Verwaltung und Politik ( Ich vermeide das Wort, das mir auf der Zunge liegt, weil ich nicht wieder verklagt werden möchte!), das sind für mich die Leute, die uns die aktuellen Rahmenbedingungen diktieren, obwohl sie uns seit Jahren überprüfbare Zahlen schuldig geblieben sind. Dagegen ist S. wirklich nur ein ganz kleines Licht. Aber verlaß dich drauf, wir sind am Ball! Unsere Tarif-Klage braucht sicher noch etwas Zeit, aber am Ausgang besteht kein Zweifel. Und dann bekommen einige Leute Probleme.

Das Lächeln des pensionierten Fremdenlegionärs soll übrigens nicht überall gut angekommen sein. Auf dem "Acker" kocht es! Mit der "Ehre" ist das auch so eine Sache. Eine "Ehrenmitgliedschaft" hat er ja schon eingebüßt! :wink:

PS: Wer oder was ist "Oma"?
Martin Berndt
 

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