Taxifahrer als Telefonisten

Löhne, Arbeitsbedingungen, Recht.

Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon taxihuschhusch » 09.11.2015, 16:55

In meiner Stadt treibt die Sparwut der Taxiunternehmer seltsame Blüte. Seit Einführung des Mindestlohns werden die Taxif des Telefondienstes auf die ahrer systematisch als Telefonisten missbraucht, um die Personalkosten für die Zentrale zu senken. Das geht so: Die Dienstzeiten der Taxizentrale werden immer weiter gestutzt. Eingehende Anrufe von potientiellen Kunden werden also immer mehr an die diensthabenden Taxen weitergeleitet. Die Fahrer müssen also die eingehenden Anrufe entgegennehmen, sie beantworten und über Funk an die Kollegen weitergeben, sofern sie selbst gerade unterwegs sind. Im Klartext heißt das: Taxifahrer befördern ihre Kunden, sollen sie unterhalten, müssen aber pro Fahrt aber oft mehrere andere Aufträge telefonisch entgegennehmen, sie beantworten, über Funk weitergeben und sich darum kümmern, dass diese Aufträge auch abgearbeitet werden. Wenn alle Taxen unterwegs sind, entsteht oft ein Stau von bis zu 10 Aufträgen. Wer hat welchen Auftrag übernommen, welche Aufträge sind noch offen? Hier stoßen die Taxler bei einer regulären 12-Stunden-Schicht (!!!!!) oft an ihre Grenzen, die Verkehrssicherheit ist absolut nicht mehr gewährleistet, da sich dieTaxler nicht genügend auf ihren ureigenen Job konzentrieren können, die Beförderung von Fahrgästen, sondern auch die telefonische Koordination von neuen Aufträgen über Funk und Telefon stemmen müssen - ein echter Skandal. Ist das überhaupt rechtens? 12 Stunden Schicht ohne Ruhepause, Verlagerung des Telefondienstes von der Zentrale auf die Fahrer? Oder muss erst wieder was passieren? Wer kann hier für Ordnung sorgen?
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon sivas » 10.11.2015, 02:04

taxihuschhusch hat geschrieben:Wer kann hier für Ordnung sorgen ?

was für eine Frage ... das Ordnungsamt natürlich !

Als Fahrgast würde ich nach dem zweiten Anruf den Fahrer bitten, doch keine Telefonate mehr zu führen. Andernfalls würde ich aussteigen. Es ist MEINE Gesundheit, die durch einen Unfall ruiniert wird.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Wattwurm » 10.11.2015, 06:44

Kleinere Zentralen arbeiten oft mit Push-To-Talk-Handys. Da geht der Anruf über eine Festnetznummer direkt ins Taxi. Über die Konfiguration kann man festlegen nach wieviel Freizeichen, z.B. 5 x Klingeln, der Anruf weitergeleitet wird. Bin ich mit einem Fahrgast besetzt, lasse ich das Telefon einfach klingeln, es wird dann die nächste Nummer eines anderen Kollegen angewählt. Ist auch dieser Kollege besetzt, wird auch der Anruf weitergeleitet und so weiter und so fort. Wie gesagt, so arbeiten viele Kleinzentralen. In Kleinzentralen sind 25 Anrufe innerhalb einer 10-minütigen Taxifahrt, ich will es mal so sagen, eher unüblich. Und in Großzentralen arbeiten immer noch Telefonistinnen. Das Bild was der Threadeinsteller zeichnet ist deutlich übertrieben. Im übrigen soll es Taxifahrer geben die ganz "geil" darauf sind, das die Anrufe bei ihm landen. Man kann dann wunderbar eine Tourenselektion vornehmen, in dem man den Kunden fragt wo denn die Fahrt hingehen soll. Mache ich auch immer so... :lol:

Wenn ich im Rahlstedter- Forum mitlese beschleicht mich immer das Gefühl ich bin im "Stürmer" gelandet. Deswegen bin ich da auch raus. Hier beschleicht mich das Gefühl ich lese im "Arbeiterkampf". Hier bin ich auch bald raus. Die Mitte ist uns komplett abhanden gekommen. Die Deutschen waren schon immer ein extremes Volk. Wie sagte Winston Chruchill: "Entweder die Deutschen liegen Dir artig und brav zu Füßen oder Du hast sie an der Gurgel". Entweder Gutmensch oder Nazi. Entweder Schwarz oder Weiß. Wenn alles im Leben sooooooo einfach wäre...

Die armen, armen, armen, von den schweinekapitalistischen Taxiunternehmern ausgebeuteten Fahrer....Jammer, Jaul, Mimimimi.... :roll:
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 10.11.2015, 07:05

Das ist ja mal der Oberhammer, was man hier liest.

Wenn ein Taxifahrer besetzt ist, dann hat man keine Telefonate zu führen. Das ist Belästigung für den Kunden, stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar und geht über den Aufgabenbereich eines Taxifahrer hinaus.

Als Kunde würde ich sofort aussteigen, den Taxifahrer mal fragen, ob er es noch rafft, was er hier tut und Beschwerde bei den Behörden einlegen.

Wenn man sich schon die Funkgebühren sparen will, dann kann der Chef auch selbst die Touren vermitteln.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon budspencerHD » 10.11.2015, 12:10

Wattwurm hat geschrieben:Kleinere Zentralen arbeiten oft mit Push-To-Talk-Handys. Da geht der Anruf über eine Festnetznummer direkt ins Taxi.


Das ist so nicht richtig: Push-to-talk bedeutet "drücken, um zu sprechen" - hier wird mit Handys/Smartphones der Funk abgebildet, nutzen wir seit Jahren, funzt super --> http://www.talk-ip.de
Wir nutzen den Parallelruf, der sowohl das Handy, als auch das Festnetztelefon gleichzeitig klingeln lässt und darüber hinaus könnte man eine Anrufweiterschaltung nach Zeit programmieren. Die sollte dann aber spätestens beim Chef oder in der Zentrale auflaufen, sofern der Fahrer nicht rangehen kann.

Löwenzahn hat geschrieben:Wenn ein Taxifahrer besetzt ist, dann hat man keine Telefonate zu führen. Das ist Belästigung für den Kunden, stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar und geht über den Aufgabenbereich eines Taxifahrer hinaus.


Das steht konkret wo? Wenn das Fahrzeug mit einer Freisprechanlage ausgerüstet ist und das Telefonieren an sich deswegen nicht ordnungswidrig ist, ist der Fahrer sehr wohl befähigt, ein Telefonat zu führen (selbst, wenn er besetzt ist). Bei uns ist das in gewissen Zeitfenstern gängige Praxis: Manchmal hat man bei 22.000 Einwohnern nur einen oder 2 Fahrer im Dienst und da ist es auch betriebswirtschaftlicher Sicht gar nicht möglich, noch eine dritte Arbeitskraft zu beschäftigen, bei 2 Anrufen in der Sunde ist das auch gar nicht nötig. Natürlich haben auch wir an Tagen, wo ein höheres Aufkommen zu erwarten ist, als das geschilderte, jemanden am Telefon. Als Betrieb in kleinen/mittleren Orten mit mehr oder weniger nur Bereitschaftsdienst und "hier und da" mal einem Auftrag ist das auch durchaus in Ordnung so. Bisher ist diese Handhabung bei uns noch nie von einem Fahrgast beanstandet worden. Klar - es kommt mal vor - dass es wider Erwarten öfter klingelt als gedacht, aber dann springt der Chef halt mit ein und übernimmt die Hotline...

Achso - und den Aufgabenbereich des Taxifahrers regelt bei uns der Arbeitsvertrag nebst diversen Dienstanweisungen. Allgemeinverbindlich kann man nicht sagen "Es geht über den Aufgabenbereich hinaus" --> Es ist immer die Sache, was AG und AN miteinander vereinbaren. Bei mir arbeiten Taxifahrer ab und an auch mal komplette Schichten als Disponent. Wenn ich eine Buchhaltungskraft einstelle, können wir ja auch vereinbaren, dass sie auch überhängende Fahrten übernimmt.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 10.11.2015, 12:46

Wozu eine Funkzentrale bezahlen. Kann doch der Taxifahrer machen.

Wozu selber arbeiten? Ist doch viel bequemer arbeiten zu lassen.

Bei dir soll der Taxifahrer sich auf die Straße konzentrieren, auf den Kunden konzentrieren und dann noch zusätzlich alle Aufträge koordinieren, ob er sie selbst oder ein Kollege fährt. Ist das richtig?

Ob kleine Provinz oder nicht, ist egal. Das sind Subunternehmer und keine Angestellten. Warum die allerdings nicht ihren eigenen Betrieb eröffnet haben, verstehe ich auch nicht so ganz.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon budspencerHD » 10.11.2015, 13:15

Löwenzahn hat geschrieben:Wozu eine Funkzentrale bezahlen. Kann doch der Taxifahrer machen.

Wozu selber arbeiten? Ist doch viel bequemer arbeiten zu lassen.


Ich verstehe nicht. Warum wird hier unsterstellt, man arbeite nicht selber? In meinem Unternehmen macht der Unternehmer die meisten Stunden aller.

Löwenzahn hat geschrieben:Ob kleine Provinz oder nicht, ist egal.

Ist es nur bedingt - Provinz ist in diesem Falle mit dem anfallenden Arbeitsaufkommen genannt worden. Ich gebe Dir ein Beispiel von Sonntag bis Donnerstag Abend 18-0 Uhr erreichen uns im Schnitt 5 Anrufe pro Tag (in 6 Stunden), wovon noch die Hälfte Vorbestellungen für den nächsten Tag sind. Soll ich einen Fahrer und einen Disponenten für die Zeit beschäftigen? Oder soll ich als Unternehmer 5 Tage die Woche noch um 0 Uhr ans Telefon gehen, während ich um 4 wieder raus muss, weil die ersten Dialysen anstehen? Werden dann die Dialysepatienten noch sicher befördert? Ist es zu viel verlangt, dass der Fahrer diese 5 Gespräche in 6 Stunden auf dem Mobilgerät annimmt? Ich sehe das nicht so, handhabe das seit ca. 10 Jahren so und jeder geht damit d´accord.

Löwenzahn hat geschrieben:Das sind Subunternehmer und keine Angestellten. Warum die allerdings nicht ihren eigenen Betrieb eröffnet haben, verstehe ich auch nicht so ganz.

Meine Mitarbeiter sind bei MIR sozialversicherungspflichtig oder als Minijobber angestellt und sind deswegen KEINE Subunternehmer sondern vor dem Gesetz Arbeitnehmer. Oder zielst Du jetzt auf den Eingangsthread ab? Da sehe ich das genauso - eine Zentrale ist doch in der Regel eine Genossenschaft, in der der Unternehmer als Mitglied durchaus Einflus nehmen kann, oder? Bei uns auf dem Land gibt es solche Zentralen-Zusammenschlüsse nicht...
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 10.11.2015, 14:12

Ich beziehe mich immer auf den Eingangsthread und habe dich mit rein gezogen, weil du gesagt hast, dass es nichts Ungewöhnliches ist, was ich wiederum so interpretiert habe, dass ihr es genauso macht.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Wattwurm » 10.11.2015, 19:58

In Kleinstadtzentralen ist das üblich das mit der Rufumleitung oder PTT gearbeitet wird. Zumindest ist das so in Schwachlastzeiten. In Starklastzeiten übernimmt der Unternehmer selbst oder seine Ehefrau häufig den Funk. Wo ist das Problem? So läuft das in kleinen Zentralen!

Weniger arbeiten, weniger leisten, aber mehr Geld verdienen und mehr Urlaub verlangen! Hallo? Geht´s noch? Schon mal den Begriff "Leistungsgesellschaft" gehört? Ich bin FÜR den Mindestlohn, ich bin FÜR die Einhaltung sozialer Mindeststandards. Ich bin FÜR den sozialen Frieden in Deutschland. Ich erwarte aber auch eine entsprechende Gegenleistung. Du kannst für Deine Leistung eine anständige Gegenleistung erwarten. Wenn Du Dich aber in die Reihe der Leistungsverweigerer einreihst, bekommst Du auch keine anständige Gegenleistung. Muß ja unheimlich schwer sein, das zu begreifen!
Zuletzt geändert von Wattwurm am 10.11.2015, 20:30, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 10.11.2015, 21:56

Wattwurm: Rangfolge beachten!

Angestellter, Chef, Staat.

Der Chef ist der Vorgesetzte vom Angestellten, der Staat ist aber der Vorgesetzte vom Chef.

Der Angestellte hat bisher unter dem Mindestlohn gearbeitet. Der Angestellte wurde bisher prozentual entlohnt. Es gab bereits öfter Gespräche über Lohnerhöhung. Das hat der Chef abgelehnt mit der Begründung: "Mehr Prozente gibt es nicht, kann ich mir nicht leisten, gibt der Tarif nicht her."

In Folge dessen hat der Staat ein Gesetz erlassen: "Jeder Angestellte muss 8,50 Euro die Stunde erhalten." Daraufhin haben sich die Chefs zu Wort gemeldet und sagen: "Dafür brauchen wir eine Tariferhöhung." Und die ist gekommen. Die Kunden bezahlen jetzt für die gleiche Fahrt deutlich mehr im Glauben, dass der Fahrer den Mindestlohn bekommt.

Leute, wir haben es mit vier Typen eines Unternehmers zu tun.

Typ A: Das sind alle Einwagenunternehmer, die keine Angestellten beschäftigen wollen, weil sie Angst vor dem Mindestlohngesetz haben und es nicht auf die Reihe bekommen eine brauchbare Kalkulation aufzustellen.

Typ B: Das sind Unternehmer, die selbst kein P-Schein mehr haben und sich davor fürchten Taxifahrer zu entlassen, weil genau die ihre Existenz aufrecht erhalten. Wenn diese Unternehmer Fahrer und Fahrzeuge reduzieren, wie wollen die dann ihren Lebensunterhalt bestreiten? Geht nicht. Sie wissen, dass sie den Mindestlohn auf die volle Arbeitszeit nicht bezahlen können, weil keiner von den Fahrern die 22 Euro Stundenschnitt schaffen. Also werden einfach weniger Stunden aufgeschrieben und schon passt es.

Typ C: Das sind die knallharten und eiskalten Unternehmer. Auch die fordern einen 22 Euro Stundenschnitt. Allerdings betrügen die nicht bei der Arbeitszeit. Weil sie selbst noch den P-Schein haben, werden einfach alle Fahrer rausgeschmissen, die den Schnitt nicht schaffen. Es ist denen egal, ob und wie die Angestellten den Schnitt schaffen. Was soll schon großartig passieren? Schlimmstenfalls mutieren sie zum Typ A.

Typ D: Das sind die Unternehmer, die darauf achten, ob der Taxifahrer Einsatzbereitschaft zeigt. Ob der den Stundenschnitt schafft ist zweitrangig. Wichtiger ist: man hat Aufträge, man hat Kunden, man hat Taxen die dafür erforderlich sind und die müssen besetzt werden. Man lässt es nicht zu die Kundschaft an die Konkurrenz abzudrücken. Man weiß auch, dass die nächsten Betriebsprüfungen anstehen. Bei Arbeitszeiten zu betrügen, bedeutet den Ruin. Also? Was macht man? Ganz einfach, man schraubt die Erwartungen runter und nimmt finanzielle Tiefschläge hin. Ein Mehrwagenbetrieb hat gegenüber einem Einwagenunternehmer einen entscheidenden Vorteil: Präsenz. Mehrere Taxen der eigenen Firma an einer Halte verdrängen andere Firmen, vor allem die EWU!

Denkt mal darüber nach.
Zuletzt geändert von Löwenzahn am 10.11.2015, 21:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon casi » 10.11.2015, 23:37

Es werden sich aber nur Typ A und Typ C am Markt behaupten.

Und beide werden auf deine Mitarbeit keinen Wert legen.

Du würdest eventuell noch bei Typ D unterkommen, aber den wird es wohl nicht mehr lange geben.

Und was machst du dann ? Richtig, du mutierst zu Typ A. :mrgreen:
Zuletzt geändert von casi am 11.11.2015, 06:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 11.11.2015, 06:24

Typ C wird sich ganz schön umgucken, wenn alle Angestellten zum Typ D abwandern. Dann kann er sich als Typ A seine Taxe selbst finanzieren und viele Leerkilometer verfahren, weil überall seine Ex - Fahrer die besten Plätze blockieren.

Typ D sind die einzigen Unternehmer, die begreifen werden, dass man alle Umsätze in einen Topf schmeißt und daraus sämtliche Betriebsausgaben tilgt. Da sie noch mehr Fahrer bekommen und die Typ A Unternehmer ihre Mehrarbeit nicht auf Dauer halten können, weil das an ihrer Gesundheit nagt, wird es für die Typ D Unternehmer selten zu finanziellen Niederschlägen kommen.

Die Angestellten der Typ B Unternehmer werden sich ebenfalls überlegen, ob sie länger unter Mindestlohn arbeiten, wenn sie erstmal mitbekommen, dass es Betriebe gibt, wo sie es besser haben und die Typ B Unternehmer sollten sich bereits heute überlegen, ob sie weiterhin auf den 22 Euro Stundenschnitt pochen. Ansonsten können sie sich schonmal warm anziehen. Wird ein kalter Winter.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Wattwurm » 11.11.2015, 07:57

Löwenzahn hat geschrieben:
Typ A: Das sind alle Einwagenunternehmer, die keine Angestellten beschäftigen wollen, weil sie Angst vor dem Mindestlohngesetz haben und es nicht auf die Reihe bekommen eine brauchbare Kalkulation aufzustellen.


Blödsinn. Ich hatte auch mal 2 Taxen und habe mit Personal gearbeitet. Aber wenn Dir Deine Fahrer 5 Minuten vor Schichtwechsel am Telefon mitteilen, das man sich zufällig gerade schlecht fühlt, das die schon lange nicht mehr gesehene Oma zu Hause auf dem Sofa sitzt, und Blablabla...dann vergeht einem die Lust mit Personal zu arbeiten. Und wenn Dir dann noch aus dem Handschuhfach ein Haschpfeifchen entgegenfällt dann hast Du entgültig die Faxen dicke von solchen Kapeiken!

"Ich habe keinen Hasch geraucht Chef. Ich gehe immer in den Wald suche mir eine bestimmte Sorte Giftpilze, die trockne ich im Backofen und rauche sie in der Pfeife."

Danke für Deine Ehrlichkeit, Du bist fristlos entlassen!
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 11.11.2015, 08:15

Habe ich irgendwann irgendwo behauptet, dass du die Kapeiken des Gewerbes beschäftigen sollst?

Einwagenunternehmer sind mal wieder typisch. Die machen ein paar schlechte Erfahrungen und schon wirft man die Flinte ins Korn. Kein Vertrauen ist das Eine. Ein gewisses Maß an Misstrauen kann auch gesund sein. Aber dann werden gleich alle über ein Kamm geschert.

Ich betone es noch mal: Mir ist es schnurz-piep-egal, ob ein Unternehmer mit 2000, 5000 oder 100 Mio pro Monat sich ein Lenz macht. Solange die Gesetze eingehalten werden. Die Typ B Unternehmer gehören als Erstes zur Besinnung gebracht. Nicht unbedingt wegrationalisiert, aber denen muss klar sein, dass dessen Angestellte ganz allein den Umsatz für ihre Firma, für ihre Existenz erwirtschaften.

Danach die Typ C Unternehmer. Ist ja schön, dass sie den Mindestlohn bezahlen, aber ihre Angestellten bis auf die Knochen auszubeuten, ohne sich selbst Gedanken zu machen wie er das schaffen kann, geht ja mal gar nicht.

Die Typ A Unternehmer werden auch irgendwann Interesse an Angestelltenbasis finden und sehen, wie einfach das Leben doch sein kann. Was sie jetzt daran hindert, sind die miserablen Umstände und wenn man ehrlich sein darf: ihr Ego. Komm, gebt's zu! Das ist ja mehr als offensichtlich.

Und Voilà, wir haben ein Monopol.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon budspencerHD » 11.11.2015, 08:47

Und jetzt komm ich wieder mit meinem Dorf um die Ecke...

Wir hatten am Ort mal Typ E - der hat nach und nach in umliegenden Orten alle Unternehmen aufgekauft und mit nur einer Buchhaltung (alles in einen Pott) weiterbetrieben hat. Dann hat er die Kontrolle komplett verloren und seine Mitarbeiter haben kräftig in alle Richtungen gewirtschaftet. Auch Leute von mir sind rübergegangen zum "SB-Laden". Das Ende vom Lied war, dass sich der Unternehmer von einigen "Niederlassungen" getrennt hat, um die Kontrolle wieder zu besitzen. Leider genau zum jahreswechsel, als auch der neue Tarif kam. Jetzt glauben einige Leute, ich hätte wegen Monopolstellung an der Preisschraube gedreht - dafür habe ich immer den zugehörigen Zeitungsartikel in laminierter Form dabei.

Ich zähle mich zum Typ F: Meine Leute müssen und mussten sich keine Gedanken zum Thema Mindestlohn machen, und ich mir keine Gedanken über die "22€ in der Stunde". (Auch vor dem Rückzug des Wettbewerbers nicht). Jetzt, wo wir praktisch alle Beförderungsdienstleistungen im Pfg durchführen, bemerken wir den Synergieeffekt des deutlich höheren Kilometerschnitts durch weniger Leerfahrten. Achja - 30 Tage Urlaub steht in jedem Vollzeit-Arbeitsvertrag. Und dennoch haben wir zu wenig Mitarbeiter - aber die vom "SB-Laden nebenan" nehm ich nicht (zurück).

Achja - und nun zurück zum Eingangsthema: Bei mir geht auch jeder Fahrer SELBSTVERSTÄNDLICH auch ans Mobiltelefon, wenn er die Hotline in schwachfrequenten Zeiten "mal" mitnehmen muss :-)
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 11.11.2015, 09:14

Deine Typen E und F sind auch nur Typ D Unternehmer, die es nur nicht verstehen, wie man es nachvollziehen kann, dass ein Taxifahrer Einsatzbereitschaft zeigt.

Würden die auf die Idee kommen ihre Taxen mit Sitzkontakten auszustatten und die Kilometerlisten abzugleichen, sehe die Sache schon ganz anders aus.

Euren Status Taxiunternehmer muss man sich erstmal verdienen. Das schaffen Einige, aber nicht alle. Der Rest will alles vor die Schuhe getragen bekommen, betrügt um geltende Gesetze und steckt sich Gelder in die eigene Taschen, die denen gar nicht zustehen. Fassungslos.

Ja, sorry, aber einer muss ja mal die Wahrheit ans Licht bringen.
Zuletzt geändert von Löwenzahn am 11.11.2015, 09:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon RaimundHH » 11.11.2015, 12:58

Moin,

@Löwenzahn
Als ich mich entschloß Typ A zu werden, hatten wir noch die D-Mark und der Mindestlohn
war Utopie. Gegen Angestellte habe ich mich entschieden nachdem ich
eventuelle Personalkosten/Umsätze kalkuliert habe; und damals wurde noch prozentual
ohne Anspruch auf Urlaub/Krankheit entlohnt. :!:

Grüße
RaimundHH
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Guter_Kollege » 11.11.2015, 13:19

taxihuschhusch hat geschrieben:Seit Einführung des Mindestlohns werden die Taxif des Telefondienstes auf die ahrer systematisch als Telefonisten missbraucht, um die Personalkosten für die Zentrale zu senken. Das geht so: Die Dienstzeiten der Taxizentrale werden immer weiter gestutzt. Eingehende Anrufe von potientiellen Kunden werden also immer mehr an die diensthabenden Taxen weitergeleitet. Die Fahrer müssen also die eingehenden Anrufe entgegennehmen, sie beantworten und über Funk an die Kollegen weitergeben, sofern sie selbst gerade unterwegs sind. Im Klartext heißt das: Taxifahrer befördern ihre Kunden, sollen sie unterhalten, müssen aber pro Fahrt aber oft mehrere andere Aufträge telefonisch entgegennehmen, sie beantworten, über Funk weitergeben und sich darum kümmern, dass diese Aufträge auch abgearbeitet werden.

Die Taxizentrale schafft sich also selber ab.
Im Prinzip ist das was Du beschreibst ein Pro-Text für eine taxifahrereigene APP.
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Guter_Kollege » 11.11.2015, 13:21

Wattwurm hat geschrieben:"Ich habe keinen Hasch geraucht Chef. Ich gehe immer in den Wald suche mir eine bestimmte Sorte Giftpilze, die trockne ich im Backofen und rauche sie in der Pfeife."

Danke für Deine Ehrlichkeit, Du bist fristlos entlassen!
Wattwurm, manchmal liebe ich Deine drastischen Räuberpistolen .... :mrgreen:
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Re: Taxifahrer als Telefonisten

Beitragvon Löwenzahn » 11.11.2015, 14:52

RaimundHH hat geschrieben:Moin,

@Löwenzahn

Gegen Angestellte habe ich mich entschieden nachdem ich
eventuelle Personalkosten/Umsätze kalkuliert habe; und damals wurde noch prozentual
ohne Anspruch auf Urlaub/Krankheit entlohnt. :!:

Grüße

Übersetzt heißt das wohl:
Der böse böse Staat. Wie kann er es auch nur wagen humane Arbeitsbedingungen wie Urlaub und Krankheit zu gewähren?

Allein für den Spruch müssten bei euch die Tarife halbiert werden :lol:

Was hindert dich dran als Angestellter zu arbeiten und andere Unternehmer "deine Unkosten" tragen zu lassen?
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